Rhein-Krise, Bundesregierung

Rhein-Krise: Bundesregierung plant Aussetzung des Sonntagsfahrverbots

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 15:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Rekordtief am Pegel Kaub zwingt Industrie zu Transport-Alternativen. Die Bundesregierung prüft Lockerungen beim Sonntagsfahrverbot, um Engpässe zu vermeiden.

Rhein-Niedrigwasser: Bund erwägt Lkw-Fahrverbot-Ausnahme als Krisenmaßnahme
Ein großes Frachtschiff auf einem extrem niedrigwasserführenden Fluss mit freiliegenden Uferbereichen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung plant angesichts historischer Tiefstände am Rhein kurzfristige Entlastungen für den Güterverkehr. Bei einem Krisentreffen in Bonn brachte Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU) die Aussetzung des Sonn- und Feiertagsfahrverbots für Lkw ins Gespräch. Die Notfallmaßnahme soll drohende Versorgungsengpässe in der Industrie abfedern.

Rekordtief am Pegel Kaub

Die Lage an den deutschen Wasserstraßen hat sich dramatisch zugespitzt. Am Pegel Kaub wurden mit 17 Zentimetern der niedrigste jemals gemessene Wert registriert. Die Fahrrinne ist dort nur noch etwa 130 Zentimeter tief – Schiffe können lediglich ein Sechstel ihrer regulären Fracht laden.

Auch andere Abschnitte sind schwer betroffen: In Bonn lag der Pegel mit 80 Zentimetern mehr als zwei Meter unter dem Mittelwert, in Düsseldorf wurden nur 22 Zentimeter gemessen. Die Folgen für die Logistik sind enorm: Die Frachtraten für die Strecke Rotterdam–Karlsruhe stiegen laut Marktberichten von rund 45 Euro pro Tonne Ende Juni auf aktuell 150 bis 160 Euro.

Wirtschaftsinstitute rechnen damit, dass die anhaltende Dürre die deutsche Wirtschaftsleistung im Sommer um bis zu 0,4 Prozentpunkte belasten könnte.

Industrie stellt auf Alternativen um

Großkonzerne haben bereits reagiert. Thyssenkrupp stoppte die eigene Schubschifffahrt und mietet stattdessen Kapazitäten an. BASF, Evonik und Lanxess verlagern große Teile ihrer Transporte auf Schiene und Straße. BASF setzt verstärkt spezielle Niedrigwasserschiffe ein, Covestro berichtet von angepassten Produktionsmengen und einer eigens eingerichteten Taskforce.

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Der zusätzliche Aufwand ist gewaltig: Allein für die Jahresfracht eines Standorts wie dem Bayernhafen wären rechnerisch rund 230.000 zusätzliche Lkw-Fahrten nötig, um die Schifffahrtsausfälle zu kompensieren. Das erhöht den Druck auf Straßennetz und Fahrerkapazitäten.

Politischer Rückhalt und offene Fragen

Der Vorschlag zur Aufhebung des Sonntagsfahrverbots findet über die Koalition hinaus Unterstützung. Der hessische Verkehrspolitiker Tarek Al-Wazir (Grüne) sprach von einer „sinnvollen kurzfristigen Notlösung“. Parallel laufen Gespräche mit der Deutschen Bahn über zusätzliche Güterzugkapazitäten – die Bahn kämpft derzeit mit einer Pünktlichkeitsquote von lediglich 60 Prozent.

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Wirtschaftsverbände fordern über die akute Krise hinausgehende Maßnahmen. Der BDI drängt auf eine beschleunigte Vertiefung der Rhein-Fahrrinne auf 2,10 Meter bis 2033. Der Bundesverband der öffentlichen Binnenhäfen schlägt einen 24-Stunden-Betrieb von Schleusen und die Verschiebung geplanter Baustellen vor.

Kritik kommt vom Umweltverband BUND: Die Organisation moniert die fehlende Einbindung von Umweltverbänden ins Krisentreffen und fordert statt rein technischer Lösungen einen verstärkten Wasserrückhalt in der Fläche. Aus Nordrhein-Westfalen kommt zudem der Vorschlag eines Flottenförderprogramms für Schiffe, die extreme Niedrigwasserphasen überstehen können.

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