Rhein-Niedrigwasser, Pegel Kaub

Rhein-Niedrigwasser: Pegel in Kaub erstmals im Minus – Schifffahrt vor Engpass

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Der Rhein fĂŒhrt so wenig Wasser wie seit Beginn der Messungen nicht: In Kaub sank der Pegel erstmals ins Minus, in Köln wurde ein neuer Tiefstand erreicht. FĂŒr die Schifffahrt und wichtige Lieferketten verschĂ€rft sich die Lage weiter.

  • Zu wenig Wasser: Bei Oestrich-Winkel im hessischen Rheingau liegen Sportboote auf dem Grund des Rheins.  - Bild: Thomas Frey/dpa
    Zu wenig Wasser: Bei Oestrich-Winkel im hessischen Rheingau liegen Sportboote auf dem Grund des Rheins. - Bild: Thomas Frey/dpa
  • Der Pegelstand in DĂŒsseldorf liegt unterhalb des Nullpunktes. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Der Pegelstand in DĂŒsseldorf liegt unterhalb des Nullpunktes. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Am Montagabend hat sich wegen des extrem niedrigen Pegelstands ein Frachtschiff im DĂŒsseldorfer Hafen festgefahren. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
    Am Montagabend hat sich wegen des extrem niedrigen Pegelstands ein Frachtschiff im DĂŒsseldorfer Hafen festgefahren. - Bild: Christoph Reichwein/dpa
  • Die Pegellatte in Kaub in Rheinland-Pfalz zeigt nur noch wenige Zentimeter an. - Bild: Thomas Frey/dpa
    Die Pegellatte in Kaub in Rheinland-Pfalz zeigt nur noch wenige Zentimeter an. - Bild: Thomas Frey/dpa
  • Das Pegelhaus in Kaub zeigt gegenwĂ€rtig gar keinen Wasserstand mehr an. - Bild: Thomas Frey/dpa
    Das Pegelhaus in Kaub zeigt gegenwÀrtig gar keinen Wasserstand mehr an. - Bild: Thomas Frey/dpa
Zu wenig Wasser: Bei Oestrich-Winkel im hessischen Rheingau liegen Sportboote auf dem Grund des Rheins.  - Bild: Thomas Frey/dpa Der Pegelstand in DĂŒsseldorf liegt unterhalb des Nullpunktes. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Am Montagabend hat sich wegen des extrem niedrigen Pegelstands ein Frachtschiff im DĂŒsseldorfer Hafen festgefahren. - Bild: Christoph Reichwein/dpa Die Pegellatte in Kaub in Rheinland-Pfalz zeigt nur noch wenige Zentimeter an. - Bild: Thomas Frey/dpa Das Pegelhaus in Kaub zeigt gegenwĂ€rtig gar keinen Wasserstand mehr an. - Bild: Thomas Frey/dpa

Am Rhein haben die PegelstÀnde nach den Rekordwerten im August weiter nachgegeben: In Kaub sank der Wert erstmals leicht in den negativen Bereich, wÀhrend in Köln am Montag ein neuer Tiefstand gemessen wurde.

Kaub bleibt wichtigste Engstelle

Der stellvertretende Leiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Rhein in Bingen, Florian Krekel, sagte, der bislang historische Tiefstand von 25 Zentimetern in Kaub aus dem Jahr 2018 sei bereits am 5. August unterboten worden. FĂŒr die kommenden Tage werden dort zwar steigende, aber nur einstellige Zentimeterwerte erwartet.

Der Pegelstand beschreibt die Höhe an einem festgelegten Messpunkt und nicht die tatsĂ€chliche Tiefe der Fahrrinne. Diese liegt tiefer. In DĂŒsseldorf könnte der Pegel bis zum Ende der Woche dennoch auf minus 11 Zentimeter sinken. In Köln werde laut den zustĂ€ndigen Behörden zunĂ€chst nur wenig Bewegung erwartet.

Wenig Regen in Sicht

FĂŒr eine deutliche Erholung wĂ€ren nach EinschĂ€tzung von Jens Schwanen, GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt, zwei Wochen kontinuierlicher Landregen nötig, vor allem im SĂŒdwesten Deutschlands. Der Rhein speise sich derzeit im Wesentlichen aus Abwasser, Gletschereis und GrundwasserzuflĂŒssen.

Die Schifffahrt leidet besonders am Mittelrhein zwischen St. Goar und Mainz. Dort seien nur noch vereinzelt GĂŒterschiffe unterwegs, erklĂ€rte der stellvertretende BDB-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Fabian Spieß. Die Schiffe könnten weiter fahren, mĂŒssten ihre Ladung aber deutlich reduzieren. Nach Angaben von Florian Krekel könnten viele Schiffe bei einer Wassertiefe von 1,50 oder 1,20 Metern in der Fahrrinne den Abschnitt zwischen St. Goar und RĂŒdesheim nicht mehr befahren.

Rhein erneut faktisch geteilt

Der Verkehrsexperte Thomas Puls vom Institut der deutschen Wirtschaft bezeichnete den Rhein aus verkehrlicher Sicht erneut als faktisch zweigeteilt. Mittel- und Oberrhein seien fĂŒr die wichtigen HĂ€fen in Duisburg und Rotterdam weitgehend abgeschnitten. Besonders betroffen seien MassengĂŒter fĂŒr Raffinerien, die Chemieindustrie und Stahlwerke.

Als Beispiel gilt das BASF-Werk in Ludwigshafen, das etwa die HĂ€lfte seiner Vorprodukte per Binnenschiff bezieht. Ein Teil der Transporte kann auf Bahn und Straße ausweichen, doch bei festen und flĂŒssigen MassengĂŒtern sind diese Alternativen begrenzt. SpĂŒrbare Folgen fĂŒr Verbraucher werden nach EinschĂ€tzung von Puls eher verzögert erwartet; die Auswirkungen auf die Produktion des laufenden Jahres seien noch nicht bezifferbar.

Forderungen nach Anpassung

Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt fordert eine Vertiefung der Fahrrinne um 20 Zentimeter zwischen St. Goar und Mainz. Zudem verlangt der Verband Maßnahmen, um dauerhaft mehr Wasser im Flusssystem zu halten, sowie eine stĂ€rkere Förderung niedrigwasseroptimierter Schiffe.

Der WWF verweist auf die Bedeutung von WĂ€ldern, Mooren, FeuchtgrĂŒnland und Flussauen als natĂŒrliche Wasserspeicher. Sie könnten dazu beitragen, dass FlĂŒsse in Trockenzeiten mehr Wasser fĂŒhren.

Ein seltenes Zusammenspiel

Der aktuelle Tiefstand trifft den Rhein in einer jahreszeitlich besonders empfindlichen Phase. September und Oktober gelten traditionell als Niedrigwassermonate, weil die Schneeschmelze aus den Alpen weitgehend nachlĂ€sst und Regen in den Einzugsgebieten ausbleibt. Ein schneearmer Winter hat die sommerlichen ZuflĂŒsse zusĂ€tzlich begrenzt.

Die Folgen zeigen sich zuerst an den Engstellen. Der Pegelstand ist dabei ein Referenzwert und nicht gleichbedeutend mit der tatsĂ€chlichen Tiefe der Fahrrinne. Sinkt das Wasser jedoch weiter, mĂŒssen Frachtschiffe ihre Ladung deutlich reduzieren oder einzelne Abschnitte meiden. Dadurch werden Transporte langsamer und teurer; besonders empfindlich reagieren Raffinerien, Chemieunternehmen, Stahlwerke und andere Betriebe mit hohem Bedarf an MassengĂŒtern.

Auswirkungen auf Verkehr und Versorgung

FĂŒr Verbraucher entstehen die Folgen meist verzögert. Unternehmen können Lieferungen teilweise ĂŒber LagerbestĂ€nde, Bahn und Lastwagen absichern, doch diese Alternativen verfĂŒgen nur ĂŒber begrenzte KapazitĂ€ten und sind hĂ€ufig teurer. Ein Binnenschiff ersetzt bei voller Beladung eine große Zahl von Lastwagen, weshalb die Verlagerung auf die Straße zusĂ€tzliche Belastungen fĂŒr Autobahnen und Logistikzentren bedeutet.

Langfristige Bedeutung

Die wiederholten RekordstĂ€nde verschĂ€rfen die Debatte ĂŒber eine widerstandsfĂ€higere Infrastruktur. Dazu gehören der Ausbau besonders flacher Fahrrinnen, mehr niedrigwassergeeignete Schiffe und zusĂ€tzliche Ausweichmöglichkeiten auf Schiene und Straße. Ebenso wichtig ist ein Landschaftswassermanagement, das WĂ€lder, Moore, Feuchtgebiete und Auen als natĂŒrliche Speicher stĂ€rkt. Kurzfristig bleibt die Entwicklung vom Regen abhĂ€ngig; langfristig entscheidet sich an solchen Ereignissen, wie gut Wirtschaft und Flussökosysteme mit hĂ€ufigeren Trockenphasen umgehen können.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Deutschlandfunk: „Schifffahrt Rhein-Niedrigwasser: Pegelstand in Köln erreicht neuen Rekordtiefstand“ (29.09.2026)

Der Bericht bestĂ€tige den historischen Tiefststand in Köln mit 40 Zentimetern und ordne ein, dass auch DĂŒsseldorf, Duisburg-Ruhrort und Kaub Rekordwerte erreicht hĂ€tten. Er hebe vor allem die eingeschrĂ€nkte Beladung der Frachtschiffe und die bereits entstandenen Probleme fĂŒr Transport- und Lieferketten hervor.

WDR: „Wegen niedrigem Rheinpegel: Frachtschiff hĂ€ngt weiter in DĂŒsseldorf fest“ (29.09.2026)

Der WDR berichte, ein Frachtschiff sitze nach dem Auflaufen im DĂŒsseldorfer Hafen weiterhin fest; mehrere Befreiungsversuche seien gescheitert. Anders als die ĂŒberregionale Einordnung des Deutschlandfunks konzentriere sich der Bericht auf konkrete Betriebs- und Sicherheitsprobleme vor Ort, wĂ€hrend der Schiffsverkehr auf dem Rhein selbst nicht betroffen sei.

Beide Berichte bestĂ€tigten die außergewöhnliche Niedrigwassersituation und die Belastung der Schifffahrt. Der Deutschlandfunk stelle die ĂŒberregionalen Lieferketten heraus, der WDR konkrete lokale ZwischenfĂ€lle; offen bleibe vor allem, wann ergiebiger Regen eine nachhaltige Entlastung bringen könne.

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