Roche, Pharmastandort Deutschland

Roche-Chef warnt vor Europas Rückstand bei Innovation

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 10:56 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Roche-Chef Thomas Schinecker sieht Europa bei Innovation und Wettbewerbsfähigkeit im Rückstand. Der Schweizer Konzern reagiert damit auch auf den Streit über höhere Arzneimittelrabatte in Deutschland.

Roche setzt Investitionen unter Vorbehalt

  • Roche-Chef Thomas Schinecker kündigte Investitionen künftig nur noch in innovationsfreundlichen Märkten an.
  • Die Kritik richtet sich auch gegen Deutschland und höhere Herstellerrabatte für Arzneimittel.
  • Roche erzielte von Januar bis September 46,5 Milliarden Franken Umsatz.
  • Roche-Chef Thomas Schinecker sieht Europa im Hintertreffen. (Archivbild) - Bild: Georgios Kefalas/KEYSTONE/dpa
  • Konzernsitz von Roche in Basel: Das Unternehmen steigerte den Umsatz in den ersten drei Quartalen. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa
Roche-Chef Thomas Schinecker sieht Europa im Hintertreffen. (Archivbild) - Bild: Georgios Kefalas/KEYSTONE/dpa Konzernsitz von Roche in Basel: Das Unternehmen steigerte den Umsatz in den ersten drei Quartalen. (Archivbild) - Bild: Jens Büttner/dpa

Roche kritisiert Europas Standortbedingungen

Roche will künftig nur in Märkte investieren, die Innovation nach Einschätzung von Konzernchef Thomas Schinecker ausreichend belohnen. Europa verpasse klar den Anschluss, sagte Schinecker nach der Vorlage der Umsatzzahlen.

Streit um Sparvorgaben in Deutschland

Schinecker beklagte neben einem Innovationsproblem auch strukturelle Wettbewerbsnachteile und forderte attraktivere wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Hintergrund ist der Streit über deutlich höhere Herstellerrabatte, die Arzneikonzerne zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge gewähren sollen.

Im Koalitionsvertrag hatten SPD und Union angekündigt, den Pharmastandort zu stärken. Unternehmen wie Eli Lilly und Boehringer Ingelheim stoppten teils Investitionen oder stellten geplante Ausgaben in Deutschland auf den Prüfstand.

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Roche hält Deutschland weiter für wichtig

Roche beschäftigt in Deutschland mehr als 18.000 Menschen, unter anderem an den Standorten Mannheim und Ludwigsburg. Zugleich baut der Konzern den Standort im bayerischen Penzberg aus.

Deutschlandchef Daniel Steiners hatte zuvor erklärt, politische Entscheidungen hätten im Pharmabereich viel Vertrauen zerstört. Roche hatte deshalb angekündigt, künftige Investitionsentscheidungen in Deutschland vorerst auszusetzen.

Umsatz steigt auf 46,5 Milliarden Franken

Im operativen Geschäft profitierte Roche zuletzt von einer starken Nachfrage nach Medikamenten, einem nachlassenden Druck im Diagnostikgeschäft und günstigen Wechselkursen. Von Januar bis September setzte der Konzern weltweit 46,5 Milliarden Franken um, rund 50,4 Milliarden Euro.

Das entsprach nominal einem Plus von einem Prozent. Zu konstanten Wechselkursen lag der Anstieg bei sechs Prozent; Gewinnzahlen veröffentlicht Roche zu den ungeraden Quartalen nicht.

Roche verschärft mit den Aussagen seines Konzernchefs eine Debatte, die in Deutschland zuletzt vor allem durch den Konflikt zwischen Kostendämpfung im Gesundheitswesen und dem Anspruch auf einen starken Pharmastandort geprägt war. Für die Branche erhöhen staatliche Herstellerrabatte den Preisdruck, während Unternehmen ihre Forschung und Produktion international nach erwarteten Erträgen, Marktzugang und regulatorischer Planbarkeit verteilen.

Standortwettbewerb um Pharma-Investitionen

Der deutsche Markt bleibt für Roche bedeutend: Das Unternehmen beschäftigt hierzulande mehr als 18.000 Menschen, unter anderem in Mannheim, Ludwigsburg und Penzberg. Zugleich zeigen die jüngsten Entscheidungen anderer Pharmaunternehmen, dass Investitionen nicht nur von der Größe eines Standorts, sondern auch von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen.

Die Auseinandersetzung fällt in eine Phase, in der Deutschland um private Investitionen wirbt und zugleich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung begrenzen muss. Höhere Rabatte können kurzfristig die Kassen entlasten, verschärfen aus Sicht der Hersteller aber den Wettbewerb um den Standort. Für Beschäftigte, Regionen mit Pharmawerken und Patienten bedeutet der Streit daher mehr als eine industriepolitische Kontroverse: Er berührt Arbeitsplätze, Forschungsaktivitäten und die Verfügbarkeit neuer Arzneimittel.

Wachstum bleibt international umkämpft

Roche verweist auf die USA und Asien als Märkte, in denen Innovation stärker belohnt werde. Europas Herausforderung besteht damit nicht allein in einzelnen Preisregeln, sondern auch in der Frage, ob Forschungsergebnisse schnell in wirtschaftliche Anwendungen und attraktive Geschäftsmodelle überführt werden. Der Umsatzanstieg des Konzerns zu konstanten Wechselkursen zeigt zugleich, dass Roche operativ weiter wächst, während die Investitionsentscheidung Deutschland von der globalen Konzernstrategie getrennt betrachtet wird.

Für die Bundesregierung steigt damit der Druck, Kostensenkungen im Gesundheitswesen mit verlässlichen Investitionsbedingungen zu verbinden. Entscheidend wird sein, ob Unternehmen ihre angekündigte Zurückhaltung als vorübergehende Prüfung oder als dauerhafte Verlagerung von Wachstum verstehen.

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