Rotkäppchen-Chefin warnt vor Folgen geplanter Schaumweinsteuer-Erhöhung
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 13:48 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDie Chefin der Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien, Silvia Wiesner, warnt eindringlich vor der geplanten Erhöhung der Schaumweinsteuer. Eine zusätzliche fiskalische Belastung schade in ihren Augen gerade in einer Phase, in der die deutsche Wirtschaft ihrer Einschätzung nach in einer schweren Strukturkrise stecke.
Rotkäppchen sieht günstige Produkte besonders belastet
Nach den Plänen soll die Schaumweinsteuer um 20 Cent pro Flasche steigen, hinzu käme noch die Mehrwertsteuer. Wiesner betont, dieser Aufschlag treffe vor allem günstige Schaumweine, weil eine Mengensteuer unabhängig vom Preis erhoben wird. Der gleiche Steuerbetrag wirke sich bei einem preiswerten Produkt deutlich stärker aus als bei einer teuren Flasche Champagner, weshalb sie die Pläne weder für sozial gerecht noch für wettbewerbsneutral hält.
Als Marktführer sehe Rotkäppchen-Mumm nach ihren Worten kaum Spielraum, eine solche Verbrauchsteuer intern zu kompensieren. Die Steuer müsse vollständig an die Kunden weitergegeben werden, was den Endpreis einer Flasche Rotkäppchen um mehr als 20 Cent erhöhen würde. Für Verbraucher in preissensiblen Segmenten könnte das spürbare Folgen beim Einkauf haben.
Pausierte Investitionen und Sorge um Sektstandorte
Zusätzlich warnt Wiesner vor Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der Branche. Derzeit würden Investitionsentscheidungen, die nicht kurzfristig zwingend notwendig sind, auf Eis gelegt. Als Beispiel nennt sie die Rotkäppchen-Erlebniswelt im sachsen-anhaltischen Freyburg, wo das Unternehmen seit Jahren in touristische Angebote rund um den Sektstandort investiert.
Über ein vergleichbares Projekt könne man aktuell nicht entscheiden, erklärt die Managerin. Nach den Belastungen der vergangenen Jahre gebe es in der Sektbranche keine großen Puffer mehr. Aus ihrer Sicht könnten bei weiter steigenden Kosten ganze Sektproduktionsstandorte in Deutschland unter Druck geraten, was langfristig auch Beschäftigung und regionale Wertschöpfung betreffen würde.
Einladung an Bundesfinanzminister Klingbeil
Vor diesem Hintergrund hat Wiesner Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) nach Freyburg eingeladen. Sie möchte ihm den größten Sektwerksstandort Deutschlands zeigen und die Folgen einer Steuererhöhung direkt vor Ort erläutern. Eine Zusage des Ministers liegt nach ihren Angaben bislang nicht vor.
Inhaltlich will die Rotkäppchen-Chefin Klingbeil verdeutlichen, dass die Erhöhung der Schaumweinsteuer aus ihrer Sicht höchstens ein fiskalpolitisches Nullsummenspiel wäre, jedoch mit erheblichen wirtschaftlichen Kollateralschäden einherginge. Für den Fall eines Besuchs kündigt sie an, dem Minister die gesamte Produktpalette des Hauses anzubieten – ganz nach seinem Geschmack.
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Die Aussagen von Rotkäppchen-Chefin Silvia Wiesner fallen in eine Phase, in der die Politik verstärkt auf Lenkungs- und Verbrauchsteuern setzt, um Haushaltslöcher zu schließen und gesundheits- oder verbraucherpolitische Ziele zu erreichen. Die Schaumweinsteuer gehört zu diesen Instrumenten und wirkt als sogenannte Mengensteuer unmittelbar pro Flasche, unabhängig vom Verkaufspreis. Das erklärt, warum Wiesner vor allem günstigere Produkte und preissensible Kundengruppen als Verlierer einer Erhöhung sieht.
Belastung für preisgünstige Marken und Standorte
Strukturell trifft eine höhere Verbrauchsteuer Unternehmen mit großem Volumen im unteren und mittleren Preissegment besonders hart. Rotkäppchen-Mumm ist in Deutschland Marktführer und stark im Massenmarkt vertreten. Wenn nach Darstellung der Unternehmenschefin 20 Cent Steuererhöhung zuzüglich Mehrwertsteuer vollständig an die Kunden weitergegeben werden müssen, steigt der Endpreis einer Standardflasche um mehr als 20 Cent. In einem hart umkämpften Segment kann schon ein solcher Aufschlag Kaufentscheidungen beeinflussen und Absatz verschieben.
Hinzu kommt, dass die Branche nach Jahren mit gestiegenen Energie-, Glas- und Logistikkosten wenig Spielraum hat, weitere Belastungen intern aufzufangen. Wiesners Hinweis auf pausierte Investitionsentscheidungen und potenziell gefährdete Sektstandorte deutet darauf hin, dass Unternehmen ihr Risiko reduzieren und insbesondere freiwillige oder langfristige Projekte – wie die Erweiterung von Erlebnisangeboten – zurückstellen. Für Regionen mit starker Sekttradition, etwa rund um Freyburg, hätte ein Investitionsstopp unmittelbare Folgen für Arbeitsplätze und touristische Wertschöpfung.
Fiskalische Ziele und politische Debatte
Politisch steht eine Erhöhung der Schaumweinsteuer im Spannungsfeld zwischen Mehreinnahmen für den Staat und der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Wiesner spricht von einem „fiskalpolitischen Nullsummenspiel“, weil aus ihrer Sicht mögliche Mehreinnahmen durch negative Effekte wie Investitionsrückgang, schwächere Unternehmensgewinne oder Beschäftigungseinbußen relativiert werden könnten. Gleichzeitig verweist sie auf die mangelnde soziale Treffsicherheit einer reinen Mengensteuer, die günstige Produkte relativ stärker verteuert als hochwertige Marken.
Für Verbraucher bedeutet die Debatte, dass Sekt und andere Schaumweine im unteren Preissegment voraussichtlich merklich teurer würden, sollte die Politik die Pläne umsetzen. Für die Politik wiederum erhöht die offene Einladung an den Bundesfinanzminister den Druck, sich nicht nur mit fiskalischen Kennziffern, sondern auch mit den konkreten Auswirkungen vor Ort auseinanderzusetzen.
