LĂ€nder dringen auf Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle
Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 12:45 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: mehr Details und Hintergrund)
BERLIN (dpa-AFX) - Aus dem Kreis der BundeslĂ€nder wĂ€chst der Druck auf die Bundesregierung, jetzt rasch die Stromsteuer fĂŒr private Haushalte und alle Unternehmen zu senken. "Die Energiekosten sind fĂŒr viele inzwischen zu einer enormen Belastung geworden", sagte Nordrhein-Westfalens Regierungschef Hendrik WĂŒst vor Beginn der MinisterprĂ€sidentenkonferenz in Berlin. "Wir brauchen jetzt die Stromsteuersenkung fĂŒr alle - und zwar möglichst schnell. FĂŒr die privaten Haushalte, Handwerk, Handel und Dienstleistungsunternehmen", betonte der CDU-Politiker.
Mecklenburg-Vorpommerns MinisterprĂ€sidentin Manuela Schwesig (SPD) sagte, im Koalitionsvertrag sei verankert worden, dass die Stromsteuer fĂŒr alle gesenkt werden mĂŒsse. "Und das ist jetzt dringend notwendig. Mit der Senkung der Stromsteuer können wir sowohl die Bevölkerung als auch unsere Wirtschaft entlasten." In Deutschland werde lĂ€ngst preiswerter Strom fĂŒr fĂŒnf Cent produziert. "Wir mĂŒssen dafĂŒr sorgen, dass dieser preiswerte grĂŒne Strom auch an Wirtschaft und Bevölkerung weitergegeben wird."
Ausbleiben der Stromsteuersenkung fĂŒr alle zerstört Vertrauen
Auch der rheinland-pfĂ€lzische Regierungschef Gordon Schnieder (CDU) wies auf den Koalitionsvertrag hin, der bis heute nicht erfĂŒllt sei. "Das macht Vertrauen kaputt, das zerstört das auch ein StĂŒck. Deswegen bin ich froh, dass wir uns auf den Weg machen und sagen, das ist eine MaĂnahme, die jetzt finanzierbar ist, die alle Menschen in diesem Land merken", sagte Schnieder. Im RBB-Inforadio nannte er den 1. Januar als Wunschdatum fĂŒr die Senkung.
Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle steht im Koalitionsvertrag
Die schwarz-rote Bundesregierung hatte in ihrem Koalitionsvertrag eine Senkung fĂŒr alle auf das europĂ€ische MindestmaĂ angekĂŒndigt. Diese Zusage wurde noch nicht umgesetzt. Die Stromsteuer wurde nur fĂŒr die Industrie, das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft gesenkt - nicht aber fĂŒr private Haushalte und alle anderen Unternehmen.
Auch Kanzler Friedrich Merz (CDU) plĂ€diert dafĂŒr, SpielrĂ€ume im Haushalt zu nutzen, um das Versprechen aus dem Koalitionsvertrag voll umzusetzen. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) ist hierfĂŒr zwar grundsĂ€tzlich offen, hat aber Zweifel, dass dies finanzierbar ist. Zwar wachse die deutsche Wirtschaft wieder. Aber daraus lasse sich eine Senkung der Stromsteuer nicht dauerhaft finanzieren, sagte Klingbeil vor kurzem.
Auch LÀnder weisen auf nötige Gegenfinanzierung hin
Diese Bedenken werden von einigen LÀndern geteilt. Auch Niedersachsens MinisterprÀsident Olaf Lies wies auf die engen finanziellen SpielrÀume hin. "Wenn die wirtschaftliche Lage sich nicht weiter verbessert, wird das schwierig", sagte der SPD-Politiker zur nötigen Gegenfinanzierung. Zugleich betonte er: "Die Senkung der Energiekosten, die Senkung der Stromkosten ist ein wesentlich effektiveres Instrument als so manches Förderprogramm, was wir im Moment haben."
Lies wies auch darauf hin, dass die Netzentgelte der groĂe Kostentreiber bei der Energie seien. An diese mĂŒsse man "noch deutlicher rangehen".
Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) versicherte, grundsĂ€tzlich halte er die Senkung der Stromsteuer fĂŒr richtig. "Aber logischerweise hat das finanzielle Konsequenzen. Und welche SpielrĂ€ume da drin sind, das muss man sich genau angucken."
Forderung nach Entlastung bei Heizölpreisen
Zur Entlastung von den hohen Energiekosten fordern die Regierungen von Mecklenburg-Vorpommern und des Saarlands zudem den Bund auf, den zugesagten Spritpreisdeckel rasch umzusetzen. Zudem sollten die BĂŒrger bei den hohen Kosten fĂŒr Heizöl entlastet werden, sagte Saarlands Regierungschefin Anke Rehlinger (SPD). Sie dĂŒrften nicht im Winter im Kalten sitzen, weil sie finanziell nicht mehr in der Lage seien, das nötige Heizöl zu bestellen.
