ROUNDUP, Beitragssatz

Beitragssatz bleibt 2027 stabil - Risiken bestehen weiter

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 15:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Trotz stabiler durchschnittlicher ZusatzbeitrĂ€ge dĂŒrften viele Versicherte in Deutschland im kommenden Jahr mehr fĂŒr ihre Krankenkasse bezahlen mĂŒssen.

Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) kĂŒndigte einen stabilen durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz von 2,9 Prozent auch fĂŒr 2027 an, nachdem der SchĂ€tzerkreis fĂŒr die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) seine Finanzprognose abgegeben hatte. Der GKV-Spitzenverband warnte dennoch vor bestehenden Finanzrisiken und kritisierte höhere Belastungen fĂŒr Gutverdienende. Der tatsĂ€chlich erhobene Zusatzbeitragssatz obliegt der jeweiligen Kasse, wie der SchĂ€tzerkreis betonte.

Linnemann sagte nach Bekanntgabe der offiziellen SchĂ€tzung: "Wir haben unser wichtigstes Ziel erreicht: Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz bleibt im kommenden Jahr stabil." Wenige Minuten zuvor hatten die Fachleute aus seinem Ministerium, dem Kassenverband und dem Bundesamt fĂŒr Soziale Sicherung in Bonn bekanntgegeben, ein rechnerischer Satz von unverĂ€ndert 2,9 Prozent fĂŒr das Jahr 2027 ergebe sich aus SchĂ€tzergebnissen.

Schwarz-rote Sparmaßnahmen "tragen FrĂŒchte"

Auf diesen Satz hatte die Koalition seit Monaten hingearbeitet. Zum ersten Mal seit Jahren sollen die KassenbeitrĂ€ge nicht auf breiter Front steigen. Das Gesundheitsministerium gibt den durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz bis 1. November bekannt. Schon am 30. Juli war ein milliardenschweres Gesetz zur Stabilisierung der GKV-Finanzen von Linnemanns VorgĂ€ngerin Nina Warken (CDU) in Kraft getreten. FĂŒr viele Ehe- und Lebenspartner wird fĂŒr die - heute kostenlose - Mitversicherung kĂŒnftig ein 2,5-Prozent-Beitrag fĂ€llig. Zuzahlungen fĂŒr Medikamente steigen um 50 Prozent. Ausgabenbremsen treffen Praxen, Kliniken, Apotheken und die Pharmabranche.

Am Morgen wurde im Bundestag Bilanz gezogen. Der SPD-Gesundheitspolitiker Christos Pantazis nutzte die Debatte um eine Notfallreform fĂŒr einen Blick zum SchĂ€tzerkreis: "Die Prognose zeigt: Unsere Anstrengungen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen tragen FrĂŒchte."

Beitrag von bis zu 4,4 Prozent bei einzelnen Kassen

Doch der Finanzdruck bleibt. Laut SchĂ€tzerkreis steigen die Ausgaben der gesetzlichen Kassen voraussichtlich in einem Jahr von 370,1 auf 378,1 Milliarden. GKV-Verbandschef Oliver Blatt warnte, zum Jahreswechsel werde es weiter Kassen mit nicht aufgefĂŒllten Reserven und eventuell erhöhtem Finanzbedarf geben. Als "ein erhebliches finanzielles Risiko" fĂŒr die GKV nannte Blatt ferner das Vorhaben einer Standortklausel, mit der deutsche Pharmaunternehmen von bestimmten Rabatten befreit werden sollen. Hinter den Kulissen laufen Debatte ĂŒber eine große GKV-Reform. VorschlĂ€ge soll eine vor einem guten Jahr eingesetzte FinanzKommission Gesundheit vorlegen.

Klar ist: Der 2,9-Prozent-Beitragssatz ist nur eine Orientierung fĂŒr die einzelnen Kassen. Der tatsĂ€chlich erhobene Zusatzbeitragssatz kommt zum allgemeinen Beitragssatz von einheitlich 14,6 Prozent des Bruttolohns. Nach Zahlen der Kassen liegt das tatsĂ€chliche Niveau der ZusatzbeitrĂ€ge inzwischen im Schnitt bei 3,1 Prozent. Die Spanne unter den 93 Kassen reicht von 2,18 bis 4,39 Prozent. Der GrĂŒnen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen sagte der "Rheinischen Post" (Donnerstag): "Auch 2027 wird der durchschnittliche Zusatzbeitrag wieder tatsĂ€chlich bei mindestens 3,1 Prozent liegen."

Gutverdienende werden wegen einer höheren Beitragsbemessungsgrenze mehr zahlen mĂŒssen. Dieser Schwellenwert bei der Beitragserhebung liegt noch bei rund 5.800 Euro im Monat, kommendes Jahr soll er auf fast 6.400 Euro steigen.

Wie ist die Situation in der privaten Krankenversicherung?

"Wie die gesetzliche Krankenversicherung ist auch die private Krankenversicherung von der hohen Kostendynamik im Gesundheitswesen betroffen", sagt der Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV), Florian Reuther. Nach einem Überblick des Verbands, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt, mĂŒssen die BeitrĂ€ge fĂŒr rund 53 Prozent der Privatversicherten voraussichtlich zum 1. Januar steigen. Die durchschnittliche Anpassung liegt voraussichtlich bei 13,4 Prozent. Ermittelt wurde dies anhand regelmĂ€ĂŸiger ÜberprĂŒfungen der BeitrĂ€ge in den PKV-Unternehmen. Der Einsatz bestimmter Überschussmittel könnte Erhöhungen noch mindern.

Allein fĂŒr die Klinikbehandlungen musste die PKV 2025 rund 7,5 Prozent mehr zahlen als im Vorjahr, fĂŒr Arzneimittel 8, und fĂŒr ambulanten Arztbehandlungen 6 Prozent mehr.

Korrekturen und neuer Finanzdruck auf Ärzte

Ihr Kassen-Sparpaket besserte die Koalition auf den letzten Metern noch nach. AngehĂ€ngt an die Notfallreform wurden manche HĂ€rten abgemildert und an anderer Stelle dafĂŒr gespart. Gestrichen wurden unter anderem bestimmte AbschlĂ€ge bei der hausarztzentrierten Versorgung und eine Kostenregelung zulasten der Haus- und KinderĂ€rzte. Zudem mĂŒssen die Krankenkassen nach dem beschlossenen Entwurf bei Erhöhungen des Zusatzbeitrags ihre Mitglieder doch wieder darĂŒber informieren.

Ruhig wird es im Gesundheitswesen nicht. Der HausĂ€rztinnen- und HausĂ€rzteverband etwa lobte zwar das "RĂŒckgrat" der Regierung zum Nachjustieren. Trotzdem: Leistungen wĂŒrden gestrichen, Vorsorgeuntersuchungen budgetiert. Die Praxen wĂŒrden das "deutlich spĂŒren", kritisieren die Ärzte.

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