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Lockdown im Westjordanland am Wahltag

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 08:05 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Israels Armee wird nach eigenen Angaben wĂ€hrend der Parlamentswahl am Dienstag einen Lockdown ĂŒber das besetzte Westjordanland verhĂ€ngen.

Wie die Armee weiter mitteilte, werde palÀstinensischen Arbeitern bereits heute und Montag der Zugang zu israelischen Siedlungen im Westjordanland und Jordantal verwehrt. Ausnahme seien Industriezonen und eine "begrenzte Zahl" genehmigter Bereiche.

Hintergrund ist Israels andauernder MilitĂ€reinsatz im Westjordanland, nachdem es am Freitag einen tödlichen Angriff bewaffneter PalĂ€stinenser nahe der Stadt Hebron gegeben hatte. Dabei waren nach Armeeangaben zwei Soldaten getötet und drei weitere verletzt worden. Die zwei mutmaßlich palĂ€stinensischen TĂ€ter aus Hebron wurden demnach getötet.

Rund 2.000 PalÀstinenser aus HÀusern in Hebron vertrieben

Israels Verteidigungsminister Israel Katz bestĂ€tigte unterdessen, dass rund 2.000 PalĂ€stinenser aus ihren HĂ€usern in Hebron vertrieben wurden. "AusgewĂ€hlte Armee-Einheiten sind derzeit dort im Einsatz", sagte er dem israelischen Sender Kan. Die rund 2.000 Betroffenen dĂŒrften nicht eher in ihre Viertel zurĂŒck, "bis wir alle Probleme mit der Hamas in Hebron gelöst haben."

Der BĂŒrgermeister von Hebron, Jussef al-Dschabari, hatte bereits zuvor dem arabischen Nachrichtenkanal Al Jazeera gesagt, seit Beginn der israelischen Razzien am Freitag seien 2.200 Menschen aus ihren HĂ€usern vertrieben worden. Die palĂ€stinensische Autonomiebehörde rief die internationale Gemeinschaft zum Eingreifen auf. Die Vertreibung von Anwohnern, der Abriss von HĂ€usern und GebĂ€uden sowie die Abriegelung von StĂ€dten stelle eine Kollektivstrafe dar. Diese Eskalation werde niemandem Sicherheit oder Frieden bringen, sondern weitere Spannungen schĂŒren, warnte die Autonomiebehörde.

Israels Armee meldet Dutzende Festnahmen

Nach Angaben der israelischen Armee fĂŒhrten ihre Soldaten zusammen mit der israelischen Grenzpolizei und dem Geheimdienst Anti-Terror-EinsĂ€tze in rund 40 Gebieten und an 400 Orten im Westjordanland durch. Die EinsatzkrĂ€fte hĂ€tten rund 40 VerdĂ€chtige festgenommen, darunter Mitglieder der islamistischen Terrororganisationen Hamas und Islamischer Dschihad, hieß es.

Vor diesem Hintergrund habe Israels politische FĂŒhrung die Empfehlung des Verteidigungsministeriums gebilligt, wĂ€hrend Israels Parlamentswahl am Dienstag ein Einreiseverbot fĂŒr palĂ€stinensische Arbeiter in alle Siedlungen und Industriegebiete zu verhĂ€ngen, hieß es. Alle LandĂŒbergĂ€nge zwischen dem Westjordanland und Israel fĂŒr PalĂ€stinenser sollen geschlossen werden.

Israel hatte im Sechstagekrieg 1967 unter anderem das Westjordanland und Ost-Jerusalem erobert und hÀlt dieses Gebiet seither besetzt. Dort leben heute inmitten von drei Millionen PalÀstinensern rund 700.000 israelische Siedler. Die Lage im Westjordanland hat sich seit dem Hamas-Massaker am 7. Oktober 2023 in Israel und dem dadurch ausgelösten Gaza-Krieg weiter verschÀrft.

Massenprotest in Israel gegen Netanjahu-Regierung

Aber auch die Gewalt radikaler israelischer Siedler gegen PalÀstinenser hat stark zugenommen. Der Konflikt mit den PalÀstinensern ist in Israel ein wichtiges Wahlkampfthema vor der Parlamentswahl am Dienstag. Rechte Politiker versprechen ein hartes Vorgehen gegen palÀstinensische Gewalt. Die Gewalt israelischer Siedler im Westjordanland thematisieren sie dagegen kaum.

Laut Umfragen könnte es sowohl fĂŒr das Lager von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu als auch fĂŒr die Opposition schwierig werden, sich bei der Wahl eine Mehrheit zu sichern. Am Samstagabend demonstrierten laut Augenzeugen Zehntausende gegen Netanjahus rechtsgerichtete Regierung. In Tel Aviv forderten ehemalige Geiseln und Angehörige der Hinterbliebenen eine staatliche Untersuchungskommission zum Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. Sie riefen unter anderem: "Wir vergessen nicht, wir vergeben nicht."

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