Waffenruhe um Frontstadt Oleschky - Zeichen aus Moskau?
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 13:35 Uhr | dpa, AD HOC NEWSRussland und die Ukraine bestĂ€tigten nach einer entsprechenden US-AnkĂŒndigung eine lokal begrenzte Waffenruhe in der seit Monaten abgeriegelten Frontstadt Oleschky ab Dienstag.
Der russische Generalstabschef Waleri Gerassimow sagte dem Verteidigungsministerium zufolge, im Rahmen einer humanitĂ€ren Operation im Bereich von Oleschky wĂŒrden die russischen StreitkrĂ€fte das Feuer in der Richtung Cherson dann einstellen. Auch Kiew stimmte einer Waffenruhe zu.
Die beiden Seiten teilten mit, die Waffenruhe solle am Dienstag ab 2.00 Uhr MEZ gelten. Wie lange sie dauern soll, war zunÀchst nicht bekannt.
Lieferung humanitĂ€rer HilfsgĂŒter
Der Kiewer Generalstab kĂŒndigte in sozialen Medien an, die ukrainischen StreitkrĂ€fte wĂŒrden alles tun, um den Einwohnern Oleschkys zu helfen und die Sicherheit und Rettung ihrer MitbĂŒrger zu gewĂ€hrleisten. Laut dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez soll gemÀà der Vereinbarung eine Waffenruhe gewĂ€hrleistet werden. Zudem sollen humanitĂ€re HilfsgĂŒter nach Oleschky geliefert werden.
Die seit Monaten abgeriegelte Kleinstadt liegt auf russischem Besatzungsgebiet im SĂŒden der Ukraine am Ufer des Dnipro. Die Stadt ist von der Versorgung abgeschnitten. Nach ukrainischen Angaben hĂ€lt Russland dort etwa 2.000 Menschen fest. Hilfsorganisationen beklagen seit langem die prekĂ€re humanitĂ€re Lage. Die Gebietshauptstadt Cherson ist in ukrainischer Hand und nur neun Kilometer entfernt. Dazwischen verlĂ€uft die Front.
Kremlsprecher: Evakuierung wird einige Tage dauern
Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge, die Evakuierung werde mindestens einige Tage dauern. Wer wolle, könne Oleschky verlassen.
Der Fraktionsvorsitzende der Partei des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj, David Arachamija, erklĂ€rte auf der Plattform Telegram, in KĂŒrze werde eine Operation zur "Entsperrung" von Oleschky beginnen. Das Ziel sei die Schaffung eines dauerhaften humanitĂ€ren Korridors fĂŒr eine sichere Evakuierung der Zivilbevölkerung und die Lieferung von HilfsgĂŒtern.
Putin zeigt sich verhandlungsbereit - DreiergesprÀche geplant
Nach einem GesprĂ€ch mit US-UnterhĂ€ndler Witkoff hatte sich Kremlchef Wladimir Putin zuletzt bereit gezeigt, die Kontakte mit Vertretern der USA und der Ukraine wiederaufzunehmen. Kremlsprecher Peskow bestĂ€tigte, dass fĂŒr Mitte November ein Treffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten vorbereitet werde. Als möglicher Zeitraum fĂŒr ein Dreiertreffen in Abu Dhabi wurde ein Termin ab dem 10. November genannt.
Witkoff hatte sich nach GesprĂ€chen mit Selenskyj und EuropĂ€ern mit Putin in St. Petersburg getroffen. Wie bald auch EU-Vertreter an GesprĂ€chen zwischen den beiden Kriegsparteien teilnehmen könnten, bleibt ungewiss. Russland sieht nach eigenen Angaben bei Verhandlungen ĂŒber ein Ende des Ukraine-Kriegs erst in einer spĂ€teren Phase eine Rolle fĂŒr die EuropĂ€er. ZunĂ€chst werde wieder im Dreierformat Russland, USA und Ukraine gesprochen, sagte Kremlsprecher Peskow laut Tass.
270 gegen 270: Moskau und Kiew tauschen Gefangene aus
Unterdessen tauschten die Ukraine und Russland jeweils 270 Kriegsgefangene aus. "270 unserer Leute sind zu Hause", schrieb der ukrainische PrÀsident Selenskyj auf der Plattform X. Zu den Freigelassenen zÀhlten seinen Angaben nach Soldaten der StreitkrÀfte, der Nationalgarde und anderer Einheiten sowie neun Zivilisten. Viele seien seit 2022 in russischer Gefangenschaft gewesen.
Der Austausch fand wie zuletzt ĂŒblich an einem GrenzĂŒbergang zwischen Belarus und der Ukraine statt. 270 russische Soldaten seien in Empfang genommen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Sie sollten in Russland medizinisch und psychologisch betreut werden.
Die Verhandlungen zum Gefangenentausch und der RĂŒckgabe toter Soldaten sind einer der wenigen funktionierenden GesprĂ€chsfĂ€den zwischen den Kriegsparteien. Russland fĂŒhrt seit mehr als viereinhalb Jahren einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland.
Kiew: Starlink bleibt weiter gedrosselt
Das Starlink-Satelliteninternet in der Ukraine lĂ€uft entgegen einer AnkĂŒndigung von US-PrĂ€sident Donald Trump nach Kiewer Angaben indes weiter gedrosselt. Es gebe noch immer GeschwindigkeitsbeschrĂ€nkungen, sagte der ukrainische PrĂ€sident Selenskyj in einer Videoschalte mit dem Thinktank Hudson Institute. Er sprach dabei von Starlink und Starshield. Letzteres ist ein gesondertes Produkt von SpaceX, das auf der Starlink-Technologie basiert, aber fĂŒr staatliche und militĂ€rische Anwendungen ausgelegt ist.
Trump hatte am Donnerstag in Washington gesagt, SpaceX-GrĂŒnder Elon Musk habe die Drosselung aufgehoben. Am Freitag erklĂ€rte er dann vor Journalisten, dass er nicht mit Musk gesprochen habe. "Ich habe gehört, das Problem sei behoben, aber falls nicht, werde ich mit ihm sprechen", sagte Trump.
Das ukrainische MilitĂ€r leidet seit vergangener Woche darunter, dass Flugobjekte bei einer Geschwindigkeit von mehr als 160 Kilometern in der Stunde ihre Verbindung zu den Starlink-Satelliten verlieren. Dies trifft DrohnenflĂŒge zur Abwehr schneller russischer Jetdrohnen wie eigene ukrainische Angriffe.
Von Musk und der US-Regierung gab es widersprĂŒchliche Angaben, warum das Satelliteninternet Starlink langsamer lĂ€uft. Politisch setzen die USA die Ukraine derzeit unter Druck, um sie kompromissbereiter gegenĂŒber dem Angreifer Russland zu machen.
