Rückenmarksverletzung, Transplantierte

Rückenmarksverletzung: Transplantierte Nervenzellen stellen Atmung wieder her

Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 02:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehrere Studien belegen Fortschritte bei Rückenmarksverletzungen: Nervenzelltransplantation, Wirkstoffe und Mikroroboter zeigen Potenzial, die Nervenregeneration zu fördern.

Rückenmarksverletzungen: Neue Therapien zeigen vielversprechende Ergebnisse
Digitale Darstellung der menschlichen Wirbelsäule mit leuchtenden neuronalen Verbindungen in einem modernen Forschungslabor. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Medizin macht Fortschritte bei der Behandlung von Rückenmarksverletzungen. Gleich drei Forschungsansätze zeigen, wie verlorene Nervenfunktionen teilweise wiederhergestellt werden können.

Transplantierte Nervenzellen verbessern Atmung

Ein Team des Gladstone Institutes präsentierte am 5. August 2026 im Fachjournal Science Translational Medicine einen neuen Ansatz. Die Forscher transplantierten aus humanen Stammzellen gewonnene V2a-Spinalinterneuronen in Ratten mit Halswirbelsäulenverletzungen. Das Ergebnis: Die Atemfunktion der Tiere verbesserte sich deutlich.

Die transplantierten Zellen integrierten erfolgreich in das Gewebe und bildeten synaptische Verbindungen. Rund 75 Prozent der behandelten Tiere bestanden spezifische Atemwegs-Herausforderungen. Das deutet auf eine funktionelle Erholung der neuronalen Netze hin. Erstautorin Lana Zholudeva und Seniorautor Deepak Srivastava zeigten sich angesichts dieser Daten optimistisch.

Wirkstoff hilft bei akuten Verletzungen

Auch beim Menschen zeichnet sich Fortschritt ab. Am 4. August 2026 veröffentlichte das Journal Spinal Cord Ergebnisse zum Wirkstoff Polilaminina. Acht Patienten mit akuten Rückenmarksverletzungen erhielten durchschnittlich 2,3 Tage nach dem Trauma eine Injektion ins Rückenmark. Bei sechs von ihnen verbesserte sich der Zustand um mindestens zwei Grade auf der AIS-Skala.

Die Studie war primär auf Sicherheit ausgelegt. Eine abschließende Aussage zur Wirksamkeit lässt sie noch nicht zu. Für August 2026 ist nun der Start einer klinischen Phase-1-Studie geplant. Fünf weitere Patienten sollen innerhalb von 72 Stunden nach der Verletzung behandelt werden.

Bereits Mitte Juni 2026 zeigten Forscher aus Köln, wie das Protein hIL-6 die Regeneration fördert. Sie injizierten es in den Motorkortex von Mäusen mit Kontusionsverletzungen. Das Aussprossen intakter Nervenbahnen wurde angeregt, Laufvermögen und Schrittmuster verbesserten sich deutlich. Serotonerge Nervenzellen spielten dabei eine zentrale Rolle.

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Mini-Roboter steuern die Heilung

Technologisch geht es ebenfalls voran: Forscher der ETH Zürich und der Universität Zürich stellten am 4. August 2026 in Nature Materials sogenannte NPCbots vor. Diese biohybriden Mikroroboter bestehen aus Stammzellen und magnetoelektrischen Nanopartikeln. Sie lassen sich gezielt steuern, um die Nervenregeneration an der Verletzungsstelle zu unterstützen.

Bei Zebrafischlarven wurde nach drei Tagen eine fast normale Schwimmfähigkeit erreicht. Mäuse mit durchtrenntem Rückenmark zeigten nach 28 Tagen wiederhergestellte Nervenverbindungen und bessere Beweglichkeit.

Stromstöße gegen Spastik

Eine weitere Studie beschäftigte sich mit spastischen Lähmungen nach Schlaganfällen. Das Start-up Reach Neuro testete in einer Pilotstudie die epidurale Rückenmarkstimulation. Die Ergebnisse, veröffentlicht am 4. August 2026 in Nature Medicine, sind vielversprechend: Bei sieben Patienten verbesserte sich die Griffstärke um 55 Prozent, die Spastik nahm deutlich ab.

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Allerdings: Nach Entfernung der Implantate nach vier Wochen verloren sich einige Erfolge. Die Methode eignet sich demnach vor allem zur kurzfristigen Symptomlinderung.

Trotz aller Fortschritte bleiben die Forscher vorsichtig. Die Ergebnisse stammen überwiegend aus Tiermodellen und frühen klinischen Tests. Weitere umfangreiche Studien sind nötig, bevor die Therapien in der breiten Praxis ankommen.

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