Ryanair schließt BER-Basis: Rund 100 Piloten und Betriebsrat betroffen
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deRyanair hat am Samstag seine Basis am Flughafen Berlin Brandenburg geschlossen. Von der Standortaufgabe sind rund 100 Pilotinnen und Piloten betroffen. Zugleich entfällt damit die einzige deutsche Betriebsratsstruktur im Flugbetrieb des irischen Unternehmens. Das betroffene Cockpitpersonal muss nach Unternehmensangaben entweder zu Stationen im Ausland wechseln oder sich beruflich neu orientieren.
Schwere Vorwürfe der Pilotengewerkschaft
Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit reagierte mit deutlicher Kritik auf die Schließung. VC-Präsident Andreas Pinheiro bezeichnete das Vorgehen als gezielte Zerschlagung gewerkschaftlicher Strukturen und sprach von einer vorsätzlichen Schwächung der Mitbestimmung.
Am 24. Oktober 2026 forderte Pinheiro ein Eingreifen der Politik. Bereits am Vortag hatte die Vereinigung Cockpit die Schließungsankündigung beklagt und auf den zeitlichen Zusammenhang mit einem juristischen Erfolg des Betriebsrats vor dem Bundesarbeitsgericht verwiesen.
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Infolge der Zuspitzung lässt die Gewerkschaft Tarifverhandlungen seit dem 24. Oktober 2026 verstärkt durch hauptamtliche Mitarbeiter und Juristen führen. Ebenfalls am 24. Oktober 2026 sprach die Pilotenvertretung RTPG dem Management das Misstrauen aus und forderte den Verwaltungsrat der Fluggesellschaft zu einem Eingreifen auf.
Airline führt hohe Standortkosten als Schließungsgrund an
Ryanair wies die Vorwürfe der Gewerkschaft zurück und erklärte, die erhobenen Behauptungen seien falsch. Die Entscheidung zur Schließung der Basis sei ausschließlich auf steigende Kosten am Flughafen Berlin Brandenburg zurückzuführen.
Die Airline verwies hierbei insbesondere auf Belastungen durch Flughafengebühren, Luftverkehrssteuern sowie Sicherheitsentgelte. Eine Unternehmenssprecherin bezeichnete den Berliner Airport als den am meisten gescheiterten Flughafen in Europa und begründete den Rückgang des Passagieraufkommens mit fehlender Wettbewerbsfähigkeit infolge der Abgabenlast.
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Parallele Konflikte um Arbeitnehmervertretungen
Spannungen zwischen Unternehmensleitungen und Arbeitnehmervertretern um Standortschließungen im Kontext von Betriebsratsstrukturen zeigen sich unterdessen auch im Handel. Beim Möbeldiscounter Poco, der zur XXXLutz-Gruppe gehört, soll die Filiale in Frankfurt-Riederwald Anfang 2027 geschlossen werden.
Marktleiter Oliver Siegel sah darin einen Zusammenhang mit der ersten Betriebsratswahl an diesem Standort. Die Schließungsnachricht sei kurz nach Beginn der Wahl eingetroffen; zuvor habe es Angebote an Kandidaten gegeben, um eine Belegschaftsvertretung zu verhindern. Siegel wurde schließlich gewählt und übernahm den Betriebsratsvorsitz.
Poco wies die Anschuldigungen zurück und begründete das geplante Aus mit einem defizitären Betrieb der Filiale. Angesichts schwieriger wirtschaftlicher Bedingungen überprüfe das Unternehmen fortlaufend die Wirtschaftlichkeit seiner insgesamt 134 Standorte. Die Betriebsratswahl in Frankfurt sei von der Unternehmensführung respektiert worden.
