Sachkundenachweis: Gültigkeit verdoppelt sich auf sechs Jahre
Veröffentlicht: 17.07.2026 um 19:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Sie betreffen vor allem Labore in der Lebensmittel-, Agrar- und Umweltanalytik. Im Fokus stehen Reinheitsgrade wie AR, HPLC oder GC. Die korrekte Sortierung nach kompatiblen Stoffgruppen und kontrollierte Umgebungsbedingungen gelten als essenziell für die Betriebssicherheit.
Die Vorgaben fordern eine lückenlose Kennzeichnung und Überwachung von Verfallsdaten. Das gilt für eine Vielzahl industrieller Substanzen: von Bioziden wie 1,2-Benzisothiazolin-3-on (BIT) über halogenfreie Flammschutzmittel wie DOPO bis hin zu spezialisierten Vernetzern für die Kautschukverarbeitung. Nur eine präzise Erfassung im betrieblichen Verzeichnis minimiert Risiken bei Handhabung und Entsorgung.
Ein Vorfall in Mannheim zeigt die Folgen
Dass Lücken im Gefahrstoffmanagement direkt in den Betrieb eingreifen, zeigte sich am 16. Juli in Mannheim. Ein Reinigungsbetrieb leitete ein nicht zugelassenes Mittel in das Abwassernetz ein. Die Folge: Materialschäden an Rohrleitungen und ein Gefahrguteinsatz der Feuerwehr.
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Entsorgungsexperten warnen zudem vor falsch deklarierten Abfällen. In Deutschland kommt es derzeit zu durchschnittlich drei Bränden pro Tag in Entsorgungsanlagen. Häufige Auslöser: Lithium-Ionen-Akkus im Restmüll oder Altpapier. Ein Brand in einer Recyclinghalle Anfang Juli zeigte, wie schnell solche Ereignisse eskalieren können – innerhalb weniger Sekunden entstehen extreme Temperaturen.
Bürokratieabbau: Erleichterungen mit Risiken?
Die Bundesregierung hat am 15. Juli Maßnahmen zum Bürokratieabbau beschlossen, die auch den Umgang mit Chemikalien betreffen. Die Gültigkeit des Sachkundenachweises für Pflanzenschutzmittel wird von drei auf sechs Jahre verdoppelt. Das soll die Landwirtschaft jährlich um rund 12 Millionen Euro entlasten.
Gleichzeitig gibt es Diskussionen über geplante Lockerungen bei der Prüfung elektrischer Geräte in Unternehmen. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) mahnt zur Vorsicht: Mit rund 2.500 Stromunfällen am Arbeitsplatz pro Jahr müsse das Schutzniveau gewahrt bleiben. Prüfintervalle könnten jedoch bereits heute betriebsindividuell und risikoorientiert festgelegt werden.
Pharmaindustrie und Wasserwirtschaft: Neue Standards
In hochregulierten Bereichen steigen die Anforderungen weiter. In Darmstadt eröffnete am 17. Juli ein neues Labor für 25 Millionen Euro. Es bündelt gesetzlich geforderte Freigabe- und Stabilitätsprüfungen für Biologika und Zelltherapien innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums.
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Auch für die Wasserwirtschaft gelten seit dem 1. Juli überarbeitete Leitfäden zum Technischen Sicherheitsmanagement (TSM). Rund 500 Prüfpunkte umfassen die neuen Vorgaben – mit verstärktem Fokus auf Cyber-Sicherheit und künstliche Intelligenz. Unternehmen haben bis Ende September Zeit, ihre Dokumentationssysteme an die neuen Resilienz-Anforderungen anzupassen.
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