Sachsen-Anhalt: 70% der Unternehmer sehen AfD als Wirtschaftsrisiko
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 20:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um die wirtschaftliche Zukunft Sachsen-Anhalts hat sich die regionale Wirtschaft deutlich gegen die MigrationsplĂ€ne der AfD positioniert. IHK-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Brockmeier erklĂ€rte am 28. August 2026, dass er die Migrationspolitik der Partei ablehne, da diese die ohnehin angespannte FachkrĂ€ftebasis im Land weiter schwĂ€che.
Zwar fĂ€nden sich im AfD-Programm durchaus Punkte, die mit dem Positionspapier der Industrie- und Handelskammer ĂŒbereinstimmten, doch seien die PlĂ€ne zur Nationalisierung und die Migrationspolitik inakzeptabel.
Unternehmer fĂŒrchten um FachkrĂ€fte und Exportruf
Die Sorge vor den Auswirkungen einer möglichen AfD-Regierungsbeteiligung teilen auch fĂŒhrende Industrievertreter. Christof Engelke, Unternehmer aus der GetreidemĂŒhlenbranche und VizeprĂ€sident der Bundesvereinigung der Deutschen ErnĂ€hrungsindustrie (BVE), warnte am 28. August 2026 vor volkswirtschaftlichen Nachteilen.
Eine Abschottung schade der Exportnation und sei rufschĂ€digend. In seinem eigenen Betrieb haben bereits 10 Prozent der Belegschaft einen Migrationshintergrund. Engelke, selbst CDU-Mitglied, fordert zudem Arbeitserlaubnisse fĂŒr Asylbewerber und lehnt eine Koalition seiner Partei mit der AfD ab.
Die Relevanz internationaler ArbeitskrĂ€fte verdeutlicht auch das Beispiel des Schraubenwerks Zerbst, wo bereits 40 Prozent der BeschĂ€ftigten eine auslĂ€ndische StaatsbĂŒrgerschaft besitzen.
Experten verweisen in diesem Zusammenhang auf die demografische Entwicklung: Sachsen-Anhalt verzeichnete zwischen 2019 und 2025 einen jĂ€hrlichen RĂŒckgang des Bruttoinlandsprodukts pro Kopf um 0,6 Prozent. Bei einer aktuellen Einwohnerzahl von 2,1 Millionen wird bis zum Jahr 2040 ein RĂŒckgang auf 1,8 Millionen Menschen prognostiziert.
Warnungen vor wirtschaftlichem Abstieg und Standortrisiken
Karl Gerhold, CDU-Mitglied und GrĂŒnder des Energiedienstleisters GETEC, Ă€uĂerte am 27. August 2026 die BefĂŒrchtung, Sachsen-Anhalt könne unter einer AfD-gefĂŒhrten Regierung zum âAbstiegslandâ werden. Er verwies auf Berechnungen des DIW, wonach mit einem jĂ€hrlichen Einkommensverlust von 1.600 Euro pro Kopf und bis zu 23.000 zusĂ€tzlichen Arbeitslosen zu rechnen sei.
Konkret gefÀhrdet sieht Gerhold aktuelle Ansiedlungsprojekte: Die geplante Niederlassung eines US-Konzerns, die rund 2.000 ArbeitsplÀtze schaffen könnte, stehe bei einem politischen Rechtsruck zur Disposition.
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt rĂŒckt nĂ€her â und mit ihr die Frage, wie sich eine mögliche AfD-Regierungsbeteiligung auf Ihr Unternehmen auswirkt. 70 Prozent der Unternehmer sehen darin eine Gefahr. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Standortrisiken erkennen und Ihre FachkrĂ€ftesicherung strategisch absichern. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Diese EinschĂ€tzung spiegelt sich in breiten Umfragen wider. Laut Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 27. August 2026 betrachten 70 Prozent der Unternehmer eine Regierungsbeteiligung der AfD als Gefahr. Unter den Wirtschaftsförderern stufen sogar 80 Prozent die Partei als Risiko fĂŒr die wirtschaftliche Entwicklung ein.
Zweifel an der Finanzierbarkeit der Wahlversprechen
Neben den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt stehen die finanzpolitischen PlĂ€ne der AfD in der Kritik. Das Leibniz-Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH) kam am 28. August 2026 zu dem Schluss, dass die Wahlversprechen der Partei nicht finanzierbar seien.
WĂ€hrend die AfD-PlĂ€ne Kosten in Milliardenhöhe verursachen wĂŒrden, stĂŒnden im Budget lediglich 1 bis 3 Prozent fĂŒr politische SpielrĂ€ume zur VerfĂŒgung, was etwa 15,5 Milliarden Euro entspricht.
Laut IWH reichen die im Programm veranschlagten 465 Millionen Euro bei weitem nicht aus. Das Institut beziffert das tatsĂ€chliche Einsparpotenzial auf lediglich 243 Millionen Euro â deutlich weniger als die von der Partei behaupteten 300 bis 500 Millionen Euro.
Sachsen-Anhalt ist zudem bereits hoch verschuldet: Bei einer Gesamtverschuldung von 25 Milliarden Euro und einer Zinslast von 420 Millionen Euro wurde fĂŒr das Jahr 2026 eine Neuverschuldung von einer Milliarde Euro verzeichnet.
Politische Rahmenbedingungen vor der Landtagswahl
Vor der am 6. September 2026 anstehenden Landtagswahl hat das Parlament am 27. August Reformen verabschiedet, um staatliche Institutionen abzusichern. Dazu gehören neue Regeln fĂŒr die Wahl von Richtern am Verfassungsgericht sowie eine Bestandsgarantie fĂŒr die Landeszentrale fĂŒr politische Bildung.
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FĂŒr die Wirtschaft und insbesondere den Agrarsektor hĂ€ngen von der Wahl zentrale Weichenstellungen ab, darunter die Verteilung von EU-Agrargeldern und Regelungen zum Naturschutz. WĂ€hrend die AfD einen Stopp des Windkraftausbaus fordert, stammen in Sachsen-Anhalt derzeit bereits 60 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien.
Wirtschaftsforscher betonen zudem die langfristigen Risiken populistischer Politik: Studien zeigen, dass solche Regierungen nach 15 Jahren durchschnittlich rund 10 Prozent der Wirtschaftsleistung kosten können.
Mehr zum Thema bei t-online: âAfD in Sachsen-Anhalt: Wahlversprechen sind nicht finanzierbarâ
