Sachsen-Anhalt: Migrationspolitik könnte 3,2 Mrd. Euro kosten
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine aktuelle Untersuchung des Leibniz-Instituts fĂŒr Wirtschaftsforschung Halle (IWH) prognostiziert erhebliche wirtschaftliche Risiken fĂŒr Sachsen-Anhalt durch restriktive migrationspolitische Vorhaben.
Wie aus der am 1. September 2026 veröffentlichten Studie hervorgeht, könnten die RemigrationsplĂ€ne der AfD die Zahl der fehlenden ArbeitskrĂ€fte im Land bis zum Jahr 2031 auf rund 46.000 ansteigen lassen. Dies entsprĂ€che einer Steigerung von etwa 50 Prozent gegenĂŒber den 32.000 fehlenden KrĂ€ften, die bei einer FortfĂŒhrung der aktuellen Politik erwartet werden.
Massive EinbuĂen bei der Bruttowertschöpfung
Die Ăkonomen des IWH beziffern die potenziellen finanziellen Verluste fĂŒr das Bundesland als gravierend. Den Berechnungen zufolge könnte die Bruttowertschöpfung ĂŒber einen Zeitraum von fĂŒnf Jahren um bis zu 3,2 Milliarden Euro sinken. Bezogen auf die jĂ€hrliche Gesamtwertschöpfung von 74 Milliarden Euro entsprĂ€che dies einem RĂŒckgang von rund 4 Prozent.
Besonders gefĂ€hrdet seien Branchen, die bereits heute in hohem MaĂe auf auslĂ€ndische ArbeitskrĂ€fte angewiesen sind. Die Studie nennt hier explizit die Gastronomie, die Logistik, den Tiefbau sowie die Human- und Zahnmedizin. IWH-PrĂ€sident Reint Gropp verwies darauf, dass die vergangenen FlĂŒchtlingsströme den Arbeitsmarkt stabilisiert hĂ€tten. Wie die Daten zeigen, ist bereits heute jeder fĂŒnfte Arzt in Sachsen-Anhalt auslĂ€ndischer Herkunft.
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Demografischer Wandel verschÀrft den ArbeitskrÀftemangel
Die Notwendigkeit von Zuwanderung wird durch die aktuelle BeschÀftigtenstatistik der IHK Sachsen-Anhalt unterstrichen. In den Jahren von Juni 2021 bis Juni 2025 traten 33.000 auslÀndische BeschÀftigte in den Arbeitsmarkt ein, wÀhrend im gleichen Zeitraum 35.000 deutsche ErwerbstÀtige aus dem Berufsleben ausschieden.
Im Juni 2025 waren insgesamt 68.420 auslĂ€ndische Personen sozialversicherungspflichtig beschĂ€ftigt, was einem Zuwachs von 5.560 gegenĂŒber dem Vorjahreszeitraum entspricht.
Gleichzeitig sank die Zahl der deutschen BeschĂ€ftigten um 10.530 auf 719.870 Personen. Ohne weitere Zuwanderung prognostiziert das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) einen RĂŒckgang der arbeitsfĂ€higen Bevölkerung in Sachsen-Anhalt um etwa 25 Prozent bis zum Jahr 2045.
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Methodik und politische Einordnung
FĂŒr ihre Prognose nutzten die Forscher des IWH Vergleichswerte aus Regionen mit Ă€hnlichen politischen Entwicklungen oder einschneidenden Ereignissen, darunter der Brexit, die Politik der Lega Nord in Italien sowie die Situation in Sonneberg. In diesen FĂ€llen seien RĂŒckgĂ€nge der Zuwanderung zwischen 32 und 65 Prozent beobachtet worden.
Die Ergebnisse der Studie stieĂen auf geteilte Reaktionen. WĂ€hrend DIW-PrĂ€sident Fratzscher davor warnte, dass insbesondere strukturschwache Regionen hart getroffen wĂŒrden, und die PrĂ€sidentin der Familienunternehmer, Ostermann, den Bedarf an mehr auslĂ€ndischen ArbeitskrĂ€ften betonte, gab es auch Kritik.
Jurij Kofner kritisierte, dass der spezifische Effekt fĂŒr Sachsen-Anhalt lediglich auf Annahmen konstruiert worden sei und mögliche GegenkanĂ€le wie eine verbesserte Integration bereits im Land lebender AuslĂ€nder oder ein verstĂ€rkter Zuzug deutscher FachkrĂ€fte nicht ausreichend berĂŒcksichtigt wurden.
Vor dem Hintergrund der fĂŒr den 6. September 2026 angesetzten Landtagswahl warnte CDU-Kanzlerkandidat Merz vor einem Experiment auf Kosten des Wirtschaftsstandorts. Sachsen-Anhalt verzeichnete im Jahr 2024 mit 36.517 Euro das niedrigste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf unter allen deutschen BundeslĂ€ndern.
