Schaeffler, Stellen

Schaeffler: 2660 Stellen in Deutschland und vier Standorte bedroht

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 12:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Schaeffler will bis 2028 europaweit 3.460 Stellen abbauen; Gewerkschaften und Betriebsräte mobilisieren auch bei anderen Unternehmen.
Ein weitläufiges, verlassenes Industriegelände mit Fabrikgebäuden in der Abenddämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Angesichts drohender Werksschließungen und angekündigter Sparprogramme formiert sich in mehreren deutschen Industriezweigen massiver Widerstand. Betriebsräte und Gewerkschaften organisieren bundesweit Proteste, Mahnwachen und Kundgebungen, um gefährdete Arbeitsplätze und Entwicklungsstandorte gegen den Rotstift der Konzerne zu verteidigen.

Schaeffler plant massiven Stellenabbau an elf Standorten

Besonders heftig trifft die aktuelle Kürzungsrunde den Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler. Nachdem das Unternehmen den Konzernbetriebsrat am 2. November 2026 im Wirtschaftsbeirat über die Pläne unterrichtete, machten Betriebsräte und die IG Metall die Einschnitte öffentlich.

Vorgesehen ist ein europaweiter Abbau von 3460 Arbeitsplätzen, wovon netto rund 2660 Stellen auf Deutschland entfallen. Die Umsetzung der Maßnahmen soll bis 2028 erfolgen. Insgesamt stehen elf deutsche Standorte im Fokus, vier davon sollen komplett abgewickelt werden.

Zu den von Schließungen bedrohten Einrichtungen zählen Entwicklungsstandorte in Berlin mit 259 Stellen, Schwalbach mit 375 Stellen sowie das Werk in Morbach mit 151 Arbeitsplätzen. In Berlin sind die Entwicklungsstandorte Sickingenstraße in Moabit und Zitadellenweg in Spandau betroffen, die der Vitesco Technologies Germany GmbH zugeordnet sind.

Der Berliner Senat war erst am Vorabend über die Absichten informiert worden. Die IG Metall Berlin schätzt, dass unter Einbezug von Zulieferern und Dienstleistern rund 1000 Arbeitsplätze im Umfeld und insgesamt 4000 Einzelschicksale bedroht seien.

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Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management, warnte vor einem gravierenden Verlust von Zukunftskompetenzen in den Bereichen elektrische Antriebe, Software und künstliche Intelligenz.

In Dortmund soll das traditionsreiche Dorstfelder Vitesco-Werk geschlossen werden. Nach Berechnungen der Gewerkschaft stehen dort 436 Stellen in Produktion und Werkzeugtechnik vor dem Aus, während die Unternehmensführung von rund 430 Beschäftigten spricht.

Die Beschäftigten legten unmittelbar nach Bekanntwerden der Pläne die Arbeit nieder. Neben den Schließungen sieht Schaeffler Kapazitätsanpassungen vor, darunter in Herzogenaurach mit 642, in Höchstadt mit 548 und in Nürnberg mit 256 Stellen.

In Herzogenaurach versammelten sich Beschäftigte zu einer Protestkundgebung auf dem Werksgelände. Thomas Höhn von der IG Metall kritisierte das Fehlen eines tragfähigen Zukunftskonzepts für die deutschen Standorte. Der Standort Limbach-Oberfrohna bleibt nach Unternehmens- und Betriebsratsangaben hingegen verschont.

Proteste und Mahnwachen von Siegen bis Ueckermünde

Auch außerhalb des Schaeffler-Konzerns wehren sich Arbeitnehmervertreter gegen Pläne zum Kapazitätsabbau. In Speyer protestierten Hunderte Menschen auf dem Domplatz gegen die drohende Schließung des Werks von Mann+Hummel, an dem rund 600 Arbeitsplätze akut auf dem Spiel stehen.

In Ueckermünde organisieren Beschäftigte der Breyden-Gießerei, die zur Beteiligungsgesellschaft Aequita gehört, wöchentliche Mahnwachen. Die geplante Stilllegung des Standorts mit über 300 Arbeitsplätzen war Anfang Oktober 2026 verkündet worden.

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Der Betriebsrat erarbeitete ein eigenes Eckpunktepapier als Gegen entwurf zum vorgelegten Sozialplan. In Siegen-Geisweid halten die Stahlwerker der DEW werkstags Mahnwachen am örtlichen Bürgerhaus ab, um den Fortbestand des Werks zu sichern.

Ähnliche Widerstandsaktionen formieren sich beim Backwarenhersteller Aryzta in Nordhausen, wo über eine Fortführung oder Übernahme diskutiert wird, sowie am Standort Altfeld des Antriebsspezialisten Cummins, an dem rund 350 Arbeitsplätze in Entwicklung und Produktion bedroht sind.

Tarifkonflikt verschärft die Auseinandersetzungen

Die Abwehrkämpfe um gefährdete Standorte fallen mit einer bundesweiten Welle von Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie zusammen. In mehreren Bundesländern traten Zehntausende Beschäftigte zeitweise in den Ausstand, um den Druck in den laufenden Tarifverhandlungen zu erhöhen.

Während Gewerkschaften auf Investitionen in heimische Standorte und eine Stärkung der Einkommen pochen, warnen Arbeitgeberverbände vor Belastungen in einer ohnehin angespannten industriellen Lage. Die Betriebsräte kündigen an, die Proteste an den betroffenen Werken in den kommenden Wochen fortzusetzen.

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