Schaeffler, Automobilindustrie

Schaeffler schließt vier Werke und streicht 3.460 Stellen

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 12:17 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Der Auto- und Industriezulieferer reagiert auf die Krise der europÀischen Fahrzeugbranche und hohe Kosten. Neben dem Abbau von 3.460 Stellen soll ein zeitweiser Gehaltsverzicht der verbleibenden BeschÀftigten die Einsparungen ergÀnzen.

Schaefflers frĂŒhere Sparschritte

  • Der Konzern hatte Anfang 2024 den Abbau von zunĂ€chst 4.700 ArbeitsplĂ€tzen bis 2029 beschlossen.
  • Nach der Vitesco-Übernahme stieg die weltweite BeschĂ€ftigtenzahl Ende 2024 zunĂ€chst auf 115.000.
  • Ein Altersteilzeitprogramm sah zuletzt weitere 1.800 geplante Stellenstreichungen vor.
Der MDax-Konzern begrĂŒndete die weiteren Einschnitte mit der Automobilkrise in Europa, die weitere Gegenmaßnahmen und strukturelle Anpassungen erfordere. (Archivbild) - Bild: Daniel Karmann/dpa

Schaeffler baut 3.460 Stellen ab

Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler will fĂŒnf europĂ€ische Standorte aufgeben, darunter vier in Deutschland. Insgesamt sollen 3.460 Stellen wegfallen, davon 2.660 in Deutschland.

Vier deutsche Standorte betroffen

Geschlossen werden sollen die Standorte Dortmund, Berlin, Morbach in Rheinland-Pfalz und Schwalbach in Hessen. Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat kritisierten die PlÀne scharf und warfen der Unternehmensspitze vor, den Standort Deutschland zu schwÀchen.

Schaeffler begrĂŒndet die Einschnitte mit der Krise der europĂ€ischen Automobilindustrie und hohen Kosten. In den ersten neun Monaten sank der Umsatz auf 17,5 Milliarden Euro; der Nettogewinn lag bei elf Millionen Euro nach einem Verlust von 244 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum.

Vorstand schlÀgt Gehaltsverzicht vor

ZusĂ€tzlich zum Stellenabbau soll die verbleibende Belegschaft vorĂŒbergehend auf Gehalt verzichten. Der Vorstand will dabei nach Unternehmensangaben selbst anfangen, die Einzelheiten mĂŒssen jedoch noch ausgehandelt werden.

Vorstandschef Klaus Rosenfeld bekrÀftigte zugleich das Bekenntnis zum Standort Deutschland. Der Gehaltsverzicht soll als sogenannter SolidaritÀtsbeitrag einen Teil der Belastungen auffangen.

Weitere Sparprogramme folgen

Schaeffler hatte Anfang 2024 nach der Übernahme des Konkurrenten Vitesco den Abbau von zunĂ€chst 4.700 ArbeitsplĂ€tzen bis 2029 beschlossen. Zuletzt plante der Konzern zudem ein Altersteilzeitprogramm mit 1.800 Stellenstreichungen.

Ende September beschĂ€ftigte Schaeffler in Deutschland 31.957 Menschen. Der nun angekĂŒndigte Abbau entspricht damit rund 18 Prozent der deutschen Belegschaft.

Schwaches GeschÀft mit Verbrennerteilen

Die grĂ¶ĂŸten Einsparungen sollen nach Unternehmensangaben den GeschĂ€ftsbereich mit Komponenten fĂŒr Motoren, Getriebe und Fahrwerk treffen. Dort sinken die UmsĂ€tze sowohl bei Teilen fĂŒr herkömmliche als auch fĂŒr elektrische Fahrzeuge.

Die Sparten fĂŒr Elektroauto-Komponenten, Ersatzteile sowie WĂ€lzlager und andere Industrieprodukte steigerten ihre UmsĂ€tze dagegen, teilweise allerdings nur leicht.

Zulieferer unter mehrfachen Druck

Die Krise trifft Schaeffler in einer Branche, die stark von den Autoherstellern abhÀngt. Wenn diese Produktion und Kosten senken, geraten Zulieferer durch geringere Bestellungen und hÀrtere Preisverhandlungen unter Druck.

ZusĂ€tzliche Konkurrenz kommt aus China. Chinesische Hersteller gewinnen Marktanteile bei Elektroautos und exportieren ihre Fahrzeuge zunehmend nach Europa. IG Metall und Konzernbetriebsrat fordern deshalb ein Zukunftskonzept, das kĂŒnftige Produkte, Investitionen und die BeschĂ€ftigung in Deutschland bis 2030 konkret beschreibt.

Schaefflers angekĂŒndigte Einschnitte stehen im Zusammenhang mit dem anhaltenden Strukturwandel der europĂ€ischen Autoindustrie. Zulieferer geraten unter Druck, wenn Fahrzeughersteller ihre Produktion drosseln, Preise stĂ€rker verhandeln und Investitionen in neue Antriebstechnologien verlagern.

Besonders belastet ist das GeschĂ€ft mit Komponenten fĂŒr Verbrennungsmotoren, Getriebe und Fahrwerk. Gleichzeitig verschĂ€rft der Wettbewerb mit chinesischen Herstellern den Kostendruck. Deutsche Unternehmen verlieren in China Marktanteile, wĂ€hrend chinesische Anbieter ihre Fahrzeuge zunehmend auch nach Europa exportieren.

Folgen fĂŒr BeschĂ€ftigte und Standorte

FĂŒr Schaeffler verschĂ€rft sich die Lage durch die Integration von Vitesco und frĂŒhere Sparprogramme. Der nun geplante Abbau von 2.660 Stellen in Deutschland entspricht gemessen an der zuletzt genannten Belegschaft von 31.957 BeschĂ€ftigten nahezu einem FĂŒnftel. FĂŒr die betroffenen Regionen bedeutet die Schließung von vier Standorten einen Einschnitt in industrielle Wertschöpfung und BeschĂ€ftigung.

Der geforderte zeitweise Gehaltsverzicht soll den Abbau begrenzen, muss aber noch ausgehandelt werden. Zugleich verlangen Arbeitnehmervertreter ein Konzept, das Investitionen, kĂŒnftige Produkte und langfristige BeschĂ€ftigung in Deutschland miteinander verbindet. Entscheidend wird daher sein, ob der Umbau neben Einsparungen auch tragfĂ€hige Perspektiven fĂŒr elektrische Antriebe, Ersatzteile und Industrieprodukte schafft.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Kahlschlag bei Schaeffler: Stellenabbau und Standortschließungen“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestĂ€tige die Schließung von vier deutschen Standorten und den Abbau von weltweit 3.460 ArbeitsplĂ€tzen. Als zusĂ€tzlichen Schwerpunkt nenne er erwartete Einsparungen, Programmkosten und die Kritik von IG Metall und Betriebsrat.

WDR: „Nordrhein-Westfalen Schaeffler baut Tausende weitere Jobs ab“ (03.11.2026)

Der Bericht ordne die Folgen fĂŒr Nordrhein-Westfalen ein und nenne rund 430 BeschĂ€ftigte am Standort Dortmund als Betroffene. Damit liege der regionale Schwerpunkt auf den konkreten Auswirkungen der Standortschließung.

Gemeinsam sei den BeitrĂ€gen die Darstellung des umfangreichen Stellenabbaus und der vier deutschen Schließungsstandorte. Unterschiede lĂ€gen vor allem beim Fokus: WĂ€hrend tagesschau die Konzernzahlen und das Sparprogramm betone, richte der WDR den Blick auf Dortmund.

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