Schaeffler-Sparprogramm, Stellen

Schaeffler-Sparprogramm: 3.460 Stellen in Europa und 2.660 in Deutschland betroffen

Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 03:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zulieferer will bis 2028 Arbeitsplätze reduzieren; ab 2030 sollen jährlich rund 300 Millionen Euro eingespart werden.
Leere, unbesetzte Industriehalle mit inaktiven Produktionsmaschinen in einer stillgelegten Fabrik. Illustration mit AI erstellt.

Der Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler mit Sitz in Herzogenaurach hat ein weiteres Sparprogramm angekündigt. Wie aus Unternehmensberichten vom 03.11.2026 hervorgeht, sieht das Ergebnisverbesserungsprogramm den Abbau von 3.460 Stellen in Europa vor, wovon rund 2.660 Arbeitsplätze auf Deutschland entfallen. Insgesamt sind 16 europäische Standorte von den Restrukturierungsmaßnahmen betroffen.

Werksschließungen und personelle Einschnitte

Im Zuge der Maßnahmen sollen fünf Standorte perspektivisch aufgegeben werden, davon vier in der Bundesrepublik. Betroffen sind die Standorte Dortmund mit 430 Beschäftigten, Morbach mit 160 Beschäftigten und Berlin mit 270 Beschäftigten.

In Schwalbach sind 385 Stellen angesiedelt, wobei ein Großteil nach Frankfurt wechseln soll und rund 190 Stellen betroffen sind. Zudem steht die Schließung des Standorts Herstal in Belgien mit etwa 15 Mitarbeitern an.

Zum Stichtag am 30.09.2026 belief sich die Kernbelegschaft von Schaeffler in Deutschland auf 31.957 Beschäftigte. Der nun geplante Personalabbau entspricht rund 9% dieser Belegschaft; unter Einbeziehung von 1.800 Altersteilzeitverträgen liegt der Anteil bei 18%.

Hinsichtlich der Aufgabenbereiche entfallen 50% der betroffenen Arbeitsplätze auf die Produktion, 30% auf Forschung und Entwicklung sowie 20% auf sonstige Funktionen.

Zeitplan, Einsparziele und Belastungen

Die Umsetzung der Pläne soll im Wesentlichen bis Ende 2028 erfolgen und 2029 abgeschlossen werden. Der Schwerpunkt der Maßnahmen ist für die Jahre 2027 und 2028 vorgesehen. Das Management strebt den Abbau bis Ende 2028 sozialverträglich über Fluktuation, Versetzungen sowie ein Freiwilligenprogramm an, während ein Abfindungsprogramm vorzeitig beendet wurde.

Ab 2030 plant der Konzern mit jährlichen Einsparungen von circa 300 Mio. Euro. Dem stehen Einmalkosten in Höhe von etwa 480 Mio. Euro gegenüber, die zu einem Großteil im Jahr 2026 als Rückstellung verbucht werden.

Neben dem Stellenabbau sollen die verbleibenden Beschäftigten über alle Hierarchieebenen hinweg einen temporären, freiwilligen Gehaltsverzicht als Solidaritätsbeitrag leisten. Die Mitglieder des Vorstands verzichten ihrerseits auf 10% ihres Gehalts.

Anzeige

Wenn umfangreiche Restrukturierungen und Personalabbau bevorstehen, ist die aktive Mitgestaltung durch die Arbeitnehmervertreter entscheidend. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt, wie Sie den Sozialplan und Interessenausgleich rechtssicher zu Gunsten der Belegschaft beeinflussen. Kostenlosen Ratgeber für faire Sozialpläne herunterladen

Regionale Schwerpunkte und internationale Anpassungen

In Bayern sind keine vollständigen Standortschließungen geplant. Allerdings wird der Werkzeugbau in Höchstadt aufgegeben. Weitere Anpassungen betreffen den Sondermaschinenbau in Erlangen und Schweinfurt sowie Kapazitäten in Herzogenaurach, Bühl, Höchstadt, Nürnberg und Regensburg. Nach Angaben der IG Metall sind in Bayern in Herzogenaurach 642, in Höchstadt 548, in Nürnberg 256, in Regensburg 113 und in Schweinfurt 79 Arbeitsplätze betroffen.

Für das Werk in Höchstadt beziffert die IG Metall Bamberg den Einschnitt auf fast 600 der knapp 1.250 Stellen. Die Schließung des Werkzeugbaus betreffe mehr als 300 Stellen, weitere knapp 300 entfallen auf die Bereiche Automotive und Industrie.

Da der Standort auf 1.200 bis 1.600 Beschäftigte ausgelegt sei und nach dem Abbau noch etwa 650 Arbeitsplätze verblieben, sprach die Gewerkschaft von einer faktischen Schließung. Außerhalb Deutschlands sind zudem Anpassungen in Haguenau und Toulouse in Frankreich sowie Skalica und Kysuce in der Slowakei vorgesehen.

Ursachen und wirtschaftliche Lage

Als Gründe für die Restrukturierung nennt das Unternehmen eine schwache Automobilnachfrage, ein nachlassendes Interesse an Verbrennungsmotoren sowie einen verzögerten Hochlauf der Elektromobilität. Nach Angaben von Unternehmenschef Klaus Rosenfeld sank das europäische Produktionsvolumen von 22,6 Mio. Automobilen im Jahr 2019 auf 15,3 Mio. Fahrzeuge im Jahr 2026.

Bereits im August 2026 hatte Schaeffler den Abbau von 1.300 Stellen über Altersteilzeit angekündigt, nachdem im Juni die Mittelfristziele für 2028 reduziert worden waren.

Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 110.000 Mitarbeiter an rund 250 Standorten in mehr als 55 Ländern. Nach der Übernahme von Vitesco Anfang 2024 war die Mitarbeiterzahl von zunächst 83.000 auf 115.000 zum Jahresende 2024 angewachsen.

In den ersten drei Quartalen 2026 erzielte Schaeffler einen Umsatz von 17.481 Mio. Euro nach 17.671 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Das EBIT vor Sondereffekten stieg um 6,5% auf 794 Mio. Euro, was einer Marge von 4,5% entspricht. Der Nettogewinn betrug 11 Mio. Euro, nachdem im Vorjahr ein Verlust von 244 Mio. Euro verbucht worden war.

Anzeige

In wirtschaftlich angespannten Zeiten ist die fundierte Kontrolle der Unternehmenszahlen durch den Wirtschaftsausschuss ein unverzichtbares Instrument der Mitbestimmung. Erhalten Sie hier einen kostenlosen Praxis-Guide mit 25 gezielten Fragen an die Geschäftsleitung, um Transparenz zu schaffen und aktiv Einfluss zu sichern. Gratis-Guide für den Wirtschaftsausschuss jetzt sichern

In der Sparte Powertrain & Chassis lag der Umsatz mit 5,8 Mrd. Euro knapp unter dem Vorjahresniveau. Der Betriebsgewinn des Bereichs sank um 7,2% auf 245 Mio. Euro, das Spartenergebnis ging um 15% zurück und die Umsatzmarge fiel um 0,3 Prozentpunkte auf 4,2%.

Reaktionen von Gewerkschaft und Betriebsrat

Vertreter von Betriebsrat und IG Metall äußerten deutliche Kritik an den Plänen des Managements. Thomas Höhn von der IG Metall bemängelte das Fehlen eines schlüssigen Zukunftskonzepts für den Industriestandort Deutschland. Die IG Metall Bamberg bezeichnete die Einschnitte für Höchstadt als den Anfang vom Ende des Standorts.

Laut einem Bericht vom 04.11.2026 rief die IG Metall für 10.15 Uhr zu Warnstreiks und einer Großkundgebung in Schweinfurt mit Treffpunkt an der Gunnar-Wester-Straße auf. An der Aktion beteiligen sich Beschäftigte von ZF, SKF, Bosch Rexroth und SRAM sowie eine Delegation von Schaeffler. Anlass des Protests sind neben den laufenden Tarifverhandlungen der Metallindustrie die angekündigten Stellenstreichungen bei dem Zulieferer.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „Autozulieferer: Schaeffler baut Tausende Stellen in Deutschland ab“

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70453556 |