Schienensicherheit, TÜV

Schienensicherheit: TÜV fordert Modernisierung der Zulassungsverfahren

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 14:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der TÜV-Verband verlangt eine Modernisierung der Prüfprozesse für Bahn-Steuerungstechnik und plädiert für europäische Standards sowie akkreditierte Prüforganisationen.

TÜV-Verband fordert Reform der Zulassungsverfahren für digitale Schiene
Moderne digitale Steuerungstechnik in einer Zugführerkabine mit Blick auf eine Schienenstrecke. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Angesichts der fortschreitenden Transformation des Bahnverkehrs hat der TÜV-Verband am 5. August 2026 eine tiefgreifende Modernisierung der Zulassungs- und Prüfverfahren für das deutsche Schienennetz angemahnt. Im Zentrum der Forderungen steht die sicherheitsrelevante Steuerungs- und Kommunikationstechnik, die sogenannten STE-Anlagen. Nach Einschätzung des Verbandes müssen die bestehenden Prozesse dringend an die technologischen Entwicklungen der Digitalisierung angepasst werden, um die Leistungsfähigkeit und Sicherheit der Schiene langfristig zu gewährleisten.

Positionspapier für eine digitale Schieneninfrastruktur

Zeitgleich mit dem Vorstoß veröffentlichte der Verband das Positionspapier mit dem Titel „Digitale Schiene ermöglichen“. Darin skizzieren die Experten einen Weg, wie die bürokratischen und technischen Hürden bei der Implementierung neuer Technologien gesenkt werden können. Ein wesentlicher Bestandteil dieses Konzepts ist die Einführung von organisationsbasierten Kompetenzstrukturen für Prüf- und Zulassungsverfahren.

Anstatt sich ausschließlich auf punktuelle Einzelprüfungen zu konzentrieren, solle die Kompetenz der beteiligten Organisationen stärker in den Vordergrund rücken. Ziel sei es, vorhandene Prüfkapazitäten effizienter zu nutzen und die oft langwierigen Verfahren zu beschleunigen. Der Verband sieht darin einen entscheidenden Hebel, um den technologischen Rückstau im Bereich der digitalen Infrastruktur abzubauen.

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Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen

Um die geforderten Änderungen rechtssicher umzusetzen, verlangt der TÜV-Verband eine Anpassung der Eisenbahn-Prüf- und Sicherheitsverordnung (EPSV). Die geltenden Vorschriften bilden nach Ansicht der Experten die aktuellen digitalen Anforderungen nicht mehr ausreichend ab. Ein zentrales Element der Neuausrichtung soll die Anerkennung von Prüforganisationen durch das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) auf Basis von Akkreditierungen sein.

Durch ein solches System würde das EBA als zentrale Instanz in den Zulassungsverfahren gestärkt. Gleichzeitig könnten akkreditierte Prüfstellen flexibler agieren, sofern sie die entsprechenden Qualitäts- und Sicherheitsstandards nachweisen. Dieser Schritt soll nicht nur die nationale Effizienz steigern, sondern auch die Zusammenarbeit zwischen Behörden und privaten Prüfdienstleistern auf eine neue, transparentere Grundlage stellen.

Europäische Anschlussfähigkeit und interdisziplinäre Prüfstrukturen

Ein weiterer Schwerpunkt des Positionspapiers ist die internationale Harmonisierung. Der TÜV-Verband plädiert ausdrücklich für die verstärkte Nutzung europäischer Bewertungs- und Zulassungsverfahren. Dies sei notwendig, um europäisch anschlussfähige Prozesse zu schaffen und sicherzustellen, dass grenzüberschreitende Schienenprojekte nicht durch unterschiedliche nationale Standards ausgebremst werden. Die Ausrichtung an europäischen Standards gelte als Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Schienenverkehr innerhalb der Union.

Richard Goebelt, Fachbereichsleiter Fahrzeug & Mobilität beim TÜV-Verband, unterstrich in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit neuer Herangehensweisen. Die Digitalisierung der Schiene erfordere zwingend interdisziplinäre Prüfstrukturen. Nur durch eine engere Verzahnung verschiedener Fachdisziplinen – von der klassischen Ingenieurskunst bis hin zur IT-Sicherheit – könne die Sicherheit komplexer digitaler Steuerungssysteme in Zukunft garantiert werden.

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Die Modernisierung der STE-Anlagen und die damit verbundene Reform der Prüflandschaft wird somit als strategische Aufgabe für den gesamten Sektor eingestuft. Der TÜV-Verband macht deutlich, dass ohne eine Anpassung der administrativen und regulatorischen Verfahren die Ziele der digitalen Schiene nur schwer erreichbar sein dürften.

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