Schulgewalt, Körperverletzungen

Schulgewalt: Körperverletzungen um 948 Fälle gestiegen

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 12:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Niedersachsen plant schärfere Maßnahmen gegen Schulgewalt. Die Polizeistatistik zeigt 2025 einen Anstieg bei Körperverletzungen, während Diebstähle zurückgehen.

Schulgewalt in Niedersachsen: Neuer Erlass soll Eltern stärker in die Pflicht nehmen
Moderner, heller Schulflur in einer niedersächsischen Schule als Symbol für Sicherheit und Lernumgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Hannover – Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) kündigt einen neuen Erlass zur Gewaltprävention an. Eltern sollen künftig stärker in die Verantwortung genommen werden, um die Sicherheit an Schulen zu erhöhen. Der Vorstoß kommt nicht von ungefähr.

Körperverletzungen deutlich angestiegen

Die polizeiliche Kriminalstatistik für 2025 zeigt ein alarmierendes Bild: Knapp 5.000 Straftaten wurden im Umfeld niedersächsischer Schulen registriert. Zwar sank die Gesamtzahl im Vergleich zum Vorjahr um 375 Fälle, doch im Vergleich zu 2015 liegt sie weiterhin um 790 Taten höher.

Besonders dramatisch ist die Entwicklung bei Gewaltdelikten. Die Zahl der Körperverletzungen stieg um 948 Fälle, bei Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung waren es 205 mehr. Immerhin: Die Diebstähle gingen um 1.007 Fälle zurück. 87 Prozent der Opfer sind minderjährig, etwa zwei Drittel männlich. Für das erste Quartal 2026 melden die Behörden eine Stabilisierung – die Gewalttaten bewegen sich im unteren dreistelligen Bereich.

Ganztagsanspruch stellt Schulen vor neue Aufgaben

Seit dem 1. August 2026 haben Erstklässler einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung. Bis zum Schuljahr 2029/30 soll dieser Anspruch auf alle Grundschulklassen ausgeweitet werden. Fachleute wie FM-Connect.com fordern daher integrierte Sicherheits- und Raumkonzepte.

Schulen müssten zu verlässlichen Lebensorten werden, betonen Experten. Neben pädagogischen Konzepten brauche es eine strategische Betreiberorganisation für Mittagsversorgung, Reinigung und Objektschutz.

Kommunen setzen auf Technik und Schulassistenz

Viele Städte reagieren bereits mit konkreten Maßnahmen. In Oelde (Westfalen) nutzt man die Sommerferien für den Einbau einer Amok-Alarmanlage an der Edith-Stein-Schule. Die Anlage soll im Ernstfall schnelle Reaktionszeiten ermöglichen.

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In Achim zeigt die Erich-Kästner-Schule, wie systemische Schulassistenz funktionieren kann. Nach drei Jahren Projektphase ziehen Schule, Lebenshilfe und Landkreis eine positive Bilanz. Fehlzeiten sanken, Konflikte wurden früher gelöst. Für den Dauererfolg seien klare Rollenverteilung und intensive Fortbildungen entscheidend, so die Beteiligten.

Wie groß die Herausforderung digitaler Gewalt ist, zeigt Mecklenburg-Vorpommern: Ministerpräsidentin Manuela Schwesig kündigte am 4. August verstärkte Maßnahmen an. Ein signifikanter Anteil der Jugendlichen zeige riskante Nutzungsmuster in sozialen Netzwerken, Medienbildung sei daher zentral.

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Warnung vor rechten Online-Portalen

Sachsen-Anhalts Bildungsminister Jan Riedel warnt derweil vor den Gefahren einseitiger Informationsbildung in sozialen Medien. Der wachsende Einfluss rechter Online-Portale und veränderte Mediennutzung könnten das Schulklima spürbar beeinflussen.

Sicherheitskonzepte dürften nicht nur auf akute Ereignisse reagieren, fordern Facility-Management-Dienstleister. Sie müssten integraler Bestandteil der täglichen Schulorganisation werden. Das betrifft auch die Verkehrssicherheit: In Rheinland-Pfalz wurden im Vorjahr über 4.300 Wegeunfälle zum Schulstart registriert. Der nächste Schulstart dort ist der 10. August – die Zeit drängt.

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