Sex, Drogen, Luxus, nur keine Steuern - US-PrÀsidentensohn angeklagt
Veröffentlicht am: 08.12.2023 um 15:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWS(neu: Details und Reaktionen)
WASHINGTON/LOS ANGELES (dpa-AFX) - Mitten im US-Wahlkampf ist PrĂ€sident Joe Biden mit einer weiteren Anklage gegen seinen Sohn Hunter konfrontiert - und mit der Veröffentlichung pikanter Details aus dessen Vergangenheit. Die Justiz erhob in einem zweiten Fall Anklage gegen Hunter Biden: diesmal wegen Steuerdelikten. Die Justiz legt dem 53-JĂ€hrigen zur Last, er habe seine fĂ€lligen Bundessteuern mehrere Jahre lang nicht beglichen, sondern stattdessen Millionen fĂŒr einen "extravaganten Lebensstil" ausgegeben. Hunter Biden droht eine mehrjĂ€hrige Haftstrafe. Die Anklageschrift listet delikate Ausgaben auf - etwa fĂŒr Sexclubs und Drogen.
Die VorwĂŒrfe
Konkret geht es um die Jahre 2016 bis Mitte Oktober 2020 - also bis kurz vor Joe Bidens Wahl zum PrĂ€sidenten. In der Zeit habe Hunter Biden mehr als sieben Millionen US-Dollar an Einnahmen verbucht, heiĂt es in der 56-seitigen Anklageschrift, die am Donnerstagabend (Ortszeit) veröffentlicht wurde. Der Beschuldigte habe jedoch beschlossen, keine Steuern zu zahlen, sondern das Geld fĂŒr andere Dinge aufzuwenden: "fĂŒr Drogen, Hostessen und Freundinnen, Luxushotels und Mietobjekte, exotische Autos, Kleidung und andere Dinge persönlicher Natur, kurzum: fĂŒr alles auĂer fĂŒr seine Steuern".
AufgefĂŒhrt sind mehrere Anklagepunkte: Nichtzahlung von Steuern, Steuerhinterziehung und Einreichung falscher Steuerdokumente. Im Falle einer Verurteilung droht eine Höchststrafe von 17 Jahren GefĂ€ngnis. Das Justizministerium merkt jedoch an, dass die tatsĂ€chlichen Strafen fĂŒr Verbrechen auf Bundesebene in der Regel unter den Höchststrafen liegen.
Hunter Bidens Anwalt kritisierte, dass sein Mandant wegen seines Vaters unfair behandelt werde. Wenn Hunters Nachname nicht Biden wÀre, wÀre keine Anklage erhoben worden, hieà es in einer ErklÀrung von Abbe Lowell, die US-Medien vorlag.
Undurchsichtige Einnahmen
In der Anklageschrift ist genau aufgelistet, was Hunter Biden in jenen Jahren einnahm, unter anderem durch einen lukrativen Posten beim ukrainischen Gaskonzern Burisma - zu einer Zeit, als Joe Biden als VizeprĂ€sident federfĂŒhrend fĂŒr die Ukraine zustĂ€ndig war. Das hat Joe Biden schon zuvor negative Schlagzeilen, unbequeme Fragen und Ermittlungen im Parlament beschert. Aber auch andere undurchsichtige AuslandsgeschĂ€fte von Hunter Biden, etwa in China, sind in der Anklage aufgefĂŒhrt. Ebenso Zahlungen eines "persönlichen Freundes" in Höhe von 1,2 Millionen Dollar ĂŒber mehrere Monate im Jahr 2020.
Wilde Ausgaben
Vor allem die penible Zusammenstellung von Hunter Bidens Ausgaben in jenen Jahren hat es in sich. Ein paar Posten allein aus dem Jahr 2018: 383 548 Dollar fĂŒr Zahlungen an "verschiedene Frauen", 100 330 Dollar fĂŒr "Erwachsenen-Entertainment", 772 548 Dollar Bar-Abhebungen an Geldautomaten, 151 459 Dollar fĂŒr Kleidung und Accessoires. In mehreren FĂ€llen habe Hunter Biden Zahlungen an Frauen, mit denen er eine romantische oder sexuelle Beziehung gehabt habe, als GehĂ€lter abgerechnet. Auch andere Dinge habe er als "GeschĂ€ftsausgaben" verbucht, etwa 10 000 Dollar fĂŒr eine Mitgliedschaft in einem Sexclub, Zahlungen an Stripperinnen, Flugtickets fĂŒr eine "exotische TĂ€nzerin" oder die Miete eines Lamborghinis. Ebenso zahllose Ăbernachtungen in teuren Hotels, die er in seinen Memoiren selbst als Schauplatz von Alkohol- und Drogenorgien beschrieben hatte.
In dem Buch, das 2021 erschien, hatte Hunter mit erstaunlicher Offenheit seine Vergangenheit als Alkoholiker und Junkie nacherzĂ€hlt. Die Autobiografie bescherte ihm bereits juristischen Ărger: wegen eines Waffenkaufs im Jahr 2018, zu einer Zeit, in der er laut seinen Memoiren noch tief im Drogen-Sumpf versunken war.
Die andere Anklage
Im September war deswegen im Bundesstaat Delaware bereits Anklage gegen Hunter Biden erhoben worden. Ihm wird in dem Fall zur Last gelegt, bei jenem Waffenkauf falsche Angaben gemacht und wissentlich seine DrogenabhĂ€ngigkeit verschwiegen zu haben - ein VerstoĂ gegen das Waffenrecht. Die neue Anklage zu den SteuervorwĂŒrfen, mit der sich nun ein Gericht im Bundesstaat Kalifornien zu beschĂ€ftigen hat, wo Hunter Biden lebt, kommt nun noch hinzu.
Der 53-JÀhrige ist bereits seit lÀngerem im Visier der US-Justiz. Jahrelang liefen Ermittlungen gegen ihn im Zusammenhang mit möglichen Steuervergehen. ZunÀchst sah es so aus, als könne er durch einen Deal mit der Staatsanwalt einen Prozess in beiden FÀllen abwenden. Doch die Vereinbarung fiel vor Gericht durch. Kurz darauf setzte der US-Justizminister angesichts der heiklen Konstellation einen Sonderermittler zu Hunter Biden ein: Der bereits ermittelnde Staatsanwalt David Weiss bekam damit extra Befugnisse und trieb die Nachforschungen voran. Vom Justizministerium hieà es nun, die Untersuchungen gingen weiter. Womöglich droht Hunter Biden damit noch zusÀtzliches rechtliches Ungemach.
Die Implikationen fĂŒr das Wahljahr
Dass der Sohn eines amtierenden PrĂ€sidenten angeklagt wird, ist hochgradig ungewöhnlich, wenn nicht beispiellos. Dass dabei weitere pikante Details an die Ăffentlichkeit kommen, die noch ĂŒber die EnthĂŒllungs-Memoiren hinausgehen, ist fĂŒr Joe Biden mitten im Wahlkampf eine Belastung. Auch weil der Demokrat sich gerne als Beispiel fĂŒr IntegritĂ€t und Anstand gibt.
Vor allem aber fĂŒgt es einem Wahljahr, das ohnehin eines wird wie keines je zuvor, eine weitere bemerkenswerte Wendung zu: Im kommenden Jahr wird sich nicht nur der frĂŒhere US-PrĂ€sident und aktuelle PrĂ€sidentschaftsbewerber Donald Trump, der Joe Biden herausfordern will, neben dem Wahlkampf mehreren Gerichtsverfahren wegen diverser schwerer VorwĂŒrfe stellen mĂŒssen. Auch der Sohn des Amtsinhabers wird parallel zur Wiederwahlkampagne des Vaters Gerichtstermine zu absolvieren haben. Beides gab es so noch nie.
Die Anklagen gegen Hunter Biden liefern den Gegnern des PrĂ€sidenten viel Material fĂŒr politische Angriffe. Auch die Republikaner im ReprĂ€sentantenhaus dĂŒrften versuchen, dies fĂŒr sich zu nutzen: Sie haben wegen angeblicher Verwicklungen in die GeschĂ€fte seines Sohnes Nachforschungen fĂŒr ein mögliches Amtsenthebungsverfahren gegen Joe Biden angestoĂen. Das Vorhaben hat eher keine Aussicht auf Erfolg, dĂŒrfte dem Demokraten im Wahljahr aber lĂ€stig werden. Die Republikaner sehen sich mit der neuen Anklage schon jetzt in ihren VorwĂŒrfen gegen den US-PrĂ€sidenten bestĂ€tigt.
