Sextortion-Welle: Erpressungsmails mit gestohlenen Daten im Umlauf
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 16:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsbehörden schlagen Alarm: Erpressungsmails mit sexuellem Kontext nehmen massiv zu. Die Täter setzen auf psychologischen Druck und gestohlene Daten aus früheren Lecks. Opfer sollen in Kryptowährung zahlen – oft binnen 48 Stunden.
Leere Drohungen mit gestohlenen Daten
Die Masche ist immer ähnlich: Die Täter behaupten, Zugriff auf Webcam oder Mikrofon erlangt und kompromittierendes Videomaterial aufgezeichnet zu haben. Gefordert werden Beträge in Tether (USDT) oder Bitcoin. Die Frist: meist nur zwei Tage.
Doch Ermittler geben Entwarnung: In den meisten Fällen handelt es sich um leere Drohungen. Die Erpresser haben keinen echten Zugriff auf die Geräte. Stattdessen nutzen sie Informationen aus Datenlecks, um ihre Behauptungen glaubwürdig wirken zu lassen. Eine ähnliche Kampagne lief Ende Juli auch in Italien – mit Forderungen von rund 2.000 Dollar in Bitcoin.
Experten raten: Nicht antworten, nicht zahlen. Stattdessen Anzeige erstatten und Passwörter ändern.
Cyberangriffe legen massiv zu
Der aktuelle Gen Threat Report vom 1. August untermauert die Bedrohungslage mit Zahlen für das erste Halbjahr 2026. Dropper-Angriffe stiegen um 160 Prozent, Trojaner um 145 Prozent. Klassisches Phishing legte um 47 Prozent zu, Online-Shop-Betrug sogar um 134 Prozent.
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E-Mail bleibt dabei der Haupteinfallstor. Ein Schadensbericht des Versicherers Stoïk zeigt: 98 Prozent aller Betrugsfälle stehen mit elektronischer Post in Verbindung. 60 Prozent der Gesamtschäden gehen direkt auf E-Mail-Vorfälle zurück. Der durchschnittliche Schaden bei Überweisungsbetrug liegt im fünfstelligen Bereich.
Die Versicherungswirtschaft reagiert bereits: Neue Pakete integrieren Managed-Email-Security-Dienste und bieten höhere Entschädigungsgrenzen.
Kinder und Jugendliche im Visier
Besonders perfide: Eine Masche zielt auf Minderjährige ab. Täter kontaktieren Jugendliche über Gaming-Chats und bewegen sie dazu, sich von der eigenen Apple-ID abzumelden. Fremde Zugangsdaten werden genutzt, das Gerät über iCloud gesperrt – dann folgt die Lösegeldforderung.
Ende Juli deckten Ermittler zudem ein weitreichendes Sextortion-Netzwerk in Nigeria auf. Die Täter forderten Zahlungen über Bitcoin oder Gutscheinkarten von Apple und Steam. Trotz Übergabe von Beweismaterial an die Behörden in Lagos stehen Festnahmen teilweise noch aus.
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Phishing im Namen von ELSTER und PayPal
Auch staatliche Institutionen werden als Köder missbraucht. Die Verbraucherzentrale warnte Ende Juli vor gefälschten E-Mails im Namen des Steuerportals „Mein ELSTER“. Unter dem Vorwand einer Datensynchronisierung sollen Nutzer PDF-Anhänge öffnen oder Links folgen – oft mit Frist bis zum 4. August.
PayPal-Nutzer erhalten derweil gefälschte Bestätigungen über angebliche Zahlungen von 909 Euro. Ziel: schnelle Reaktion und Eingabe von Zugangsdaten auf Phishing-Seiten.
Das BSI beziffert das Ausmaß: Jede dritte unerwünschte E-Mail enthält inzwischen einen Phishing-Versuch. 62 Prozent der Bevölkerung haben solche Nachrichten bereits erhalten.
Sicherheitsexperten empfehlen: Zwei-Faktor-Authentifizierung konsequent nutzen und bei unaufgeforderten Mails mit Forderungen oder Fristsetzungen misstrauisch bleiben.
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