Deutschland, Finanzen

AnlegerschĂŒtzer fordern mehr PrĂ€senz-Hauptversammlungen

05.03.2026 - 10:00:09 | dpa.de

Sie wurden in Corona-Zeiten geschaffen, doch viele AktionĂ€re fremdeln damit: Online-AktionĂ€rstreffen sind weit verbreitet. AnlegerschĂŒtzer sehen AktionĂ€rsrechte beschnitten - und fordern einen Wandel.

Handelssaal der Frankfurter Börse: In Deutschland nutzen auch Jahre nach der Corona-Pandemie viele Konzerne rein virtuelle Hauptversammlungen (Archivbild) - Foto: Boris Roessler/dpa
Handelssaal der Frankfurter Börse: In Deutschland nutzen auch Jahre nach der Corona-Pandemie viele Konzerne rein virtuelle Hauptversammlungen (Archivbild) - Foto: Boris Roessler/dpa

Der Anlegerschutzverein DSW kritisiert, dass viele Dax-Unternehmen auch Jahre nach der Corona-Pandemie Hauptversammlungen rein im Internet abhalten. WĂ€hrend mittlere und kleinere Unternehmen in der Mehrheit zur PrĂ€senzhauptversammlung zurĂŒckgekehrt seien, nutze die Mehrheit der Unternehmen aus der obersten deutschen Börsenliga ausschließlich Online-AktionĂ€rsversammlungen, teilt die DSW mit. «Dieses Format wird in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern kaum genutzt.»

Die DSW und die Schweizer Ethos-Stiftung fordern vor der anstehenden Hauptversammlungssaison im FrĂŒhjahr von betroffenen Konzernen mehr PrĂ€senz- oder Hybridhauptversammlungen. Die Investorengruppe wird vom Netzwerk Shareholders for Change und dem europĂ€ischen Verband Better Finance unterstĂŒtzt, die Unterzeichner der Kampagne verwalten demnach ein Vermögen von 468 Milliarden Euro.

Deutschland auf Sonderweg

«Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem mehrere Unternehmen auch nach der Corona-Pandemie rein virtuelle Hauptversammlungen abhalten», sagt Vincent Kaufmann, Direktor der Ethos-Stiftung. Ein hybrides Format wĂŒrde AktionĂ€ren die Wahl zwischen physischer und virtueller Teilnahme sowie den direkten Austausch mit dem Management gewĂ€hren.

Die Möglichkeit zur virtuellen Hauptversammlung wurde in der Corona-Pandemie geschaffen, um Ansteckungen zu verhindern. 2025 nutzten laut DSW rund zwei Drittel der Dax-Unternehmen virtuelle Hauptversammlungen, die Konzernen Kosten und nebenbei Ärger mit aufmĂŒpfigen KleinaktionĂ€ren sparen. AnlegerschĂŒtzer kritisieren Online-Treffen schon lange, sie sehen damit AktionĂ€rsrechte beschnitten.

Die PrĂ€senz von AktionĂ€ren in virtuellen Hauptversammlungen sei seit 2023 kontinuierlich gesunken, moniert die DSW. «Das widerspricht der hĂ€ufig geĂ€ußerten These, digitale Formate seien fĂŒr AktionĂ€re attraktiver», sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Christiane Hölz. «TatsĂ€chlich zeigen die Zahlen, dass viele Anteilseigner mit dem virtuellen Format fremdeln.»

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