Wenn die Energierechnung explodiert: Was Unternehmen bei EnergievertrĂ€gen immer wieder ĂŒbersehen
Veröffentlicht am: 12.06.2026 um 07:50 Uhr | presseportal.de
Viele Unternehmen verhandeln EnergievertrĂ€ge wie eine reine Preisfrage. Dabei entscheiden Struktur und Timing ĂŒber die tatsĂ€chlichen Kosten. Nachfolgend erfahren Sie, welche typischen Fehler Unternehmen immer wieder machen, worauf bei NeuvertrĂ€gen zu achten ist und wie sich Energiekosten strategisch besser kalkulieren lassen.
Vier Vertragsklauseln, die teuer werden können
In der Praxis fallen vor allem vier Vertragsmodelle immer wieder negativ auf. An erster Stelle stehen Preisgleitklauseln ohne Obergrenze. Steigt der Marktpreis, gibt der Versorger die Entwicklung vollstĂ€ndig weiter. Sinken die Preise, bleibt eine Entlastung dagegen oft aus. Ebenfalls riskant sind reine Spotmarkt-Kopplungen ohne abgesicherten Anteil im Vertrag. Im Krisenjahr 2022 fĂŒhrte das bei einigen Betrieben zu einer Vervielfachung des Strompreises, weil das gesamte Marktrisiko beim Kunden lag.
Hinzu kommen lange Laufzeiten ohne SonderkĂŒndigungsrecht oder ohne Möglichkeit, die Beschaffungsstrategie anzupassen. Wer 2021 einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat, zahlt teils noch heute Konditionen, die den spĂ€teren Marktentwicklungen nicht standhalten.
Problematisch sind auĂerdem Mehr- und Mindermengen-Klauseln. Sie bestrafen Abweichungen beim Verbrauch mit deutlichen AufschlĂ€gen. Gerade bei schwankender Auslastung kann das erhebliche Mehrkosten auslösen. Gemeinsam ist diesen Klauseln: Im Angebotsvergleich fallen sie oft kaum auf. Teuer werden sie meist erst dann, wenn der Vertrag lĂ€ngst lĂ€uft.
Warum der Arbeitspreis nicht ausreicht
Der Arbeitspreis ist fĂŒr viele Unternehmen der erste Blickfang. Das ist verstĂ€ndlich, denn er ist leicht zu finden und scheinbar gut vergleichbar. TatsĂ€chlich bildet er aber nur einen Teil der Stromkosten ab. Zur Gesamtrechnung gehören auch Leistungspreis, Beschaffungsnebenkosten, Netzentgelte, Steuern und Umlagen.
Noch wichtiger ist jedoch eine andere Frage: Wer trĂ€gt welches Risiko? Genau dieser Punkt wird bei der PrĂŒfung von EnergievertrĂ€gen oft unterschĂ€tzt. Entscheidend sind etwa die Aufteilung zwischen Festpreis- und Spotanteilen, die FlexibilitĂ€t bei VerbrauchsĂ€nderungen, transparente Preisformeln und automatische VerlĂ€ngerungsklauseln.
Ein scheinbar gĂŒnstiger Arbeitspreis kann sich deshalb spĂ€ter als teure Entscheidung erweisen â nĂ€mlich dann, wenn die Vertragsstruktur die Risiken fast vollstĂ€ndig auf den Kunden verlagert. Sichtbar wird das meist erst, wenn Nachverhandlungen kaum noch möglich sind.
Typische Fehler bei Abschluss und VerlÀngerung
Einer der hĂ€ufigsten Fehler ist das Stichtagsdenken. Dabei wird das gesamte Jahresvolumen an nur einem Termin eingekauft, oft zum Jahresende oder beim Auslaufen des alten Vertrags. LĂ€uft der Markt genau dann ungĂŒnstig, wirkt sich das unmittelbar auf das gesamte Volumen aus.
Nicht minder problematisch ist das blinde VerlĂ€ngern beim bisherigen Versorger â aus Bequemlichkeit oder weil intern die Zeit fĂŒr einen echten Marktvergleich fehlt. Ein weiterer Fehler liegt in der starken Fixierung auf den Arbeitspreis, ohne die Vertragsstruktur grĂŒndlich zu prĂŒfen.
In volatilen Marktphasen kommt oft noch etwas hinzu: Abwarten. Viele GeschĂ€ftsfĂŒhrer hoffen auf bessere Preise und verpassen dabei kurze Einkaufsfenster, in denen sich der Markt kurzfristig öffnet. Ohne laufende Marktbeobachtung bleiben solche Chancen meist ungenutzt.
Wie sich Energiekosten planbarer machen lassen
Mehr Planbarkeit entsteht, wenn Unternehmen ihren Bedarf nicht an einem einzigen Termin beschaffen, sondern in mehreren Schritten. Genau hier setzen Tranchenmodelle und hybride Beschaffungsmodelle an. Das Einkaufsvolumen wird dabei ĂŒber mehrere Zeitpunkte verteilt und an Unternehmen sowie Marktsituation angepasst. Damit sinkt das Risiko, einen ungĂŒnstigen Stichtag zu erwischen.
ErgÀnzend kann ein individuell bemessener Spotmarktanteil eingebaut werden. Der Spotmarkt ist der kurzfristige Energiemarkt, auf dem Preise stark schwanken können. So lassen sich kurzfristige Markttiefs nutzen, ohne das Unternehmen vollstÀndig den Schwankungen des Spotmarkts auszusetzen.
Wer mehrere Standorte oder mehrere EnergievertrĂ€ge hat, sollte auĂerdem die Laufzeiten entzerren. Dann lĂ€uft nicht alles gleichzeitig aus. Grundlage jeder Beschaffungsstrategie bleibt jedoch eine einfache, aber entscheidende Frage: Welches Risiko will das Unternehmen tragen â und welches nicht?
Drei Schritte zur PrĂŒfung bestehender EnergievertrĂ€ge
Wer jetzt handeln will, sollte mit einer sauberen Bestandsaufnahme beginnen. Erstens gilt es, bestehende EnergievertrĂ€ge genau zu prĂŒfen: Klauseln, Laufzeiten, KĂŒndigungsfenster, Anpassungsmechanismen und automatische VerlĂ€ngerungen. Viele Unternehmen stellen erst beim genauen Lesen fest, dass die nĂ€chste VerlĂ€ngerung schon in wenigen Wochen greift.
Zweitens lohnt sich der Blick in die letzten Energierechnungen. Vertragsfehler und Abrechnungsfehler treten oft gemeinsam auf. Dazu zĂ€hlen etwa falsch ausgewiesene Umlagen, nicht abgerufene Stromsteuererstattungen fĂŒr das produzierende Gewerbe oder nicht beantragte Reduzierungen der Netzentgelte. Hier können BetrĂ€ge im hohen vierstelligen bis fĂŒnfstelligen Bereich zusammenkommen, die sich rĂŒckwirkend zurĂŒckholen lassen.
Drittens sollte eine Beschaffungsstrategie fĂŒr die kommenden VertrĂ€ge festgelegt werden. Sie muss zur RisikotragfĂ€higkeit des Unternehmens passen und klare Entscheidungen zu Tranchenmodell, Spotanteil und Laufzeitstruktur enthalten. Wer diese drei Schritte konsequent angeht, vermeidet viele typische Kostenfallen und kann zugleich erhebliche BetrĂ€ge zurĂŒckholen.
Ăber den BVGE:
Der BVGE ist Deutschlands gröĂte unabhĂ€ngige Einkaufsgemeinschaft fĂŒr gewerbliche Energienutzer. Mit ĂŒber 2.740 Unternehmen und mehr als 60 Energielieferanten bĂŒndelt der Verband die Nachfrage seiner Mitglieder und vertritt deren Interessen. Als unabhĂ€ngiger Full-Service-Partner unterstĂŒtzt er seine Kunden von der Energiebeschaffung bis zu regulatorischen Anforderungen. Grundlage sind NeutralitĂ€t, Fachwissen und ĂŒber 12 Jahre Erfahrung in der gewerblichen Energiebeschaffung. Weitere Informationen unter: https://www.bvge.com/
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