Siemens-Betriebsrat kritisiert Aufspaltungen unter Kaeser
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 20:49 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer aktuellen Bewertung der Konzernstrategie hat der Gesamtbetriebsratschef von Siemens, Tobias Bäumler, die unter der Führung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser getroffenen Entscheidungen zur Aufspaltung des Unternehmens kritisiert.
Im Fokus stehen dabei insbesondere die Ausgründungen der Medizintechniksparte Siemens Healthineers sowie des Energietechnikgeschäfts Siemens Energy. Gleichzeitig signalisierte die Arbeitnehmervertretung Unterstützung für den aktuellen Transformationsprozess hin zu einem fokussierten Technologiekonzern.
Bewertung der strategischen Neuausrichtung zwischen 2018 und 2020
Tobias Bäumler bezeichnete die in den Jahren 2018 bis 2020 vollzogenen Abspaltungen von Siemens Healthineers und Siemens Energy als einen Fehler. In einer Stellungnahme gegenüber der Welt am Sonntag am 15. August 2026 erläuterte der Arbeitnehmervertreter, dass sich beide Unternehmen seit ihrer Trennung vom Stammhaus hervorragend entwickelt hätten.
Nach Einschätzung des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden wäre der Siemens-Konzern heute deutlich wertvoller, wenn diese Geschäftsbereiche Teil des Kernunternehmens geblieben wären.
Die Strategie unter dem damaligen CEO Joe Kaeser sah vor, den Mischkonzern in eigenständig agierende Einheiten aufzuteilen, um deren Agilität und Marktwert zu steigern. Bäumler widersprach dieser Sichtweise nun mit Blick auf die langfristige Wertentwicklung und die Bedeutung eines starken, integrierten Industrieverbundes.
Paradigmenwechsel unter CEO Roland Busch
Im Gegensatz zur Kritik an der Ära Kaeser äußerte sich Bäumler positiv über die aktuelle Ausrichtung unter dem amtierenden Vorstandsvorsitzenden Roland Busch. Er beschrieb den derzeitigen Umbau des Unternehmens als einen notwendigen Paradigmenwechsel. Siemens rücke nun verstärkt Technologien und insbesondere die Anwendung von Künstlicher Intelligenz (KI) in das Zentrum seiner Geschäftsstrategie.
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Dieser Wandel werde von der Arbeitnehmerseite grundsätzlich begrüßt. Ziel sei es, Siemens zu einer KI-fähigen Organisation weiterzuentwickeln. Laut Bäumler sei dieser Schritt essenziell, um die Wettbewerbsfähigkeit in einem sich schnell verändernden Marktumfeld zu sichern. Der Fokus auf Software und digitale Lösungen markiere eine Abkehr von der reinen Hardware-Orientierung vergangener Jahrzezehnte.
Forderung nach Transparenz und einheitlicher Datenbasis
Trotz der grundsätzlichen Zustimmung zum neuen Kurs verknüpft der Gesamtbetriebsrat den Umbau mit klaren Erwartungen an das Management. Ein zentraler Pfeiler der neuen Strategie müsse die Schaffung einer einheitlichen Datenbasis über den gesamten Konzern hinweg sein. Nur so könne die angestrebte Integration von KI-Lösungen effektiv umgesetzt werden.
Bäumler betonte in diesem Zusammenhang die Notwendigkeit von Transparenz gegenüber der Belegschaft. Der Transformationsprozess hin zu einer KI-gesteuerten Organisation dürfe nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden.
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Die Arbeitnehmervertretung fordert eine aktive Einbindung in die Gestaltung der neuen Strukturen, um sicherzustellen, dass der technologische Fortschritt auch im Sinne der Beschäftigten erfolgt.
Der Gesamtbetriebsratschef machte deutlich, dass der Erfolg des aktuellen Kurses maßgeblich davon abhänge, wie offen die Unternehmensführung die Veränderungen kommuniziere und wie konsequent die technologische Basis harmonisiert werde.
