Siemens-Gesamtbetriebsrat kritisiert Aufspaltungspolitik unter Kaeser
Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Debatte um die langfristige Ausrichtung des Siemens-Konzerns hat der Gesamtbetriebsratschef Tobias Bäumler eine kritische Bilanz der vergangenen Jahre gezogen.
Im Zentrum seiner Kritik steht die Strategie der Aufspaltung, die unter der Führung des ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Joe Kaeser zwischen 2018 und 2020 massiv vorangetrieben wurde. Bäumler bezeichnete die damaligen Entscheidungen rückblickend als einen strategischen Fehler für das Unternehmen.
Kritik an der Aufteilung des Konzernportfolios
Die Kritik des Arbeitnehmervertreters bezieht sich insbesondere auf die Ausgliederungen der Medizintechniksparte Siemens Healthineers sowie der Energietechniksparte Siemens Energy.
Bäumler argumentierte, dass sich beide Unternehmen seit ihrer rechtlichen Verselbstständigung hervorragend entwickelt hätten. Aus Sicht des Gesamtbetriebsratsvorsitzenden wäre der Siemens-Konzern heute wertvoller, wenn diese Bereiche Teil des Kernunternehmens geblieben wären.
Die Abspaltungspolitik der Jahre 2018 bis 2020 war seinerzeit damit begründet worden, den einzelnen Sparten mehr unternehmerische Freiheit zu geben und den sogenannten Konglomeratsabschlag an der Börse zu verringern.
Bäumlers aktuelle Äußerungen verdeutlichen jedoch, dass innerhalb des Unternehmens weiterhin eine intensive Debatte darüber geführt wird, ob der Verlust an Diversität und Größe durch die damalige Strategie ausreichend kompensiert wurde.
Lob für aktuellen Kurs unter Roland Busch
Während Bäumler die Entscheidungen der Ära Kaeser bemängelte, äußerte er sich positiv zur aktuellen Führung des Konzerns. Den derzeitigen Umbau unter dem Vorstandsvorsitzenden Roland Busch bezeichnete er als einen Paradigmenwechsel. Die Konzentration auf die Felder Technologie und Künstliche Intelligenz (KI) sei ein richtiger Schritt, um Siemens zukunftsfähig aufzustellen.
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Dieser Kurswechsel hin zu einer software- and technologiegetriebenen Plattform scheint sich auch in der technologischen Entwicklung niederzuschlagen. So arbeitet Siemens derzeit gemeinsam mit dem Unternehmen Reinhausen an der Entwicklung eines Solid-State-Transformators.
Diese Neuentwicklung ist speziell für den Einsatz in KI-Rechenzentren vorgesehen und für eine Spannung von bis zu 36 kV ausgelegt. Das Projekt unterstreicht die Ambitionen des Konzerns, von der weltweit steigenden Nachfrage nach Infrastruktur für Rechenkapazitäten zu profitieren.
Stabile Entwicklung an der Börse
Trotz der internen Kritik an früheren Weichenstellungen zeigt sich der Kapitalmarkt gegenüber der aktuellen Entwicklung des Konzerns weitgehend zuversichtlich. Die Siemens-Aktie notierte am 16. August 2026 bei 284,00 Euro, was einem geringfügigen Rückgang von 0,04 Prozent entsprach.
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Bereits am 14. August 2026 wurde das Papier bei rund 283 Euro gehandelt. Damit bewegt sich der Aktienkurs weiterhin in der Nähe seines 52-Wochen-Hochs, was auf eine positive Aufnahme der technologischen Neuausrichtung durch die Anleger hindeutet.
Die Äußerungen des Gesamtbetriebsratschefs fallen in eine Zeit, in der Siemens versucht, seine Identität als führendes Technologieunternehmen im Zeitalter der industriellen KI zu festigen und sich damit deutlich von der früheren Struktur als klassisches Industriekonglomerat abzuheben.
