Siemens, KĂŒnstliche Intelligenz

Siemens hĂ€lt trotz KI an Einstiegsjobs fĂŒr junge Leute fest

Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 04:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Siemens-PersonalvorstĂ€ndin Judith Wiese sieht praktische Lernphasen als Voraussetzung dafĂŒr, dass BeschĂ€ftigte KI-Ergebnisse spĂ€ter fachkundig prĂŒfen können. Der Konzern will deshalb weiter junge Menschen einstellen und fördern.

Siemens setzt auf NachwuchskrÀfte

  • Judith Wiese warnt bei Siemens vor dem Wegfall von Einstiegsjobs durch KI.
  • Der Konzern will weiterhin junge Menschen einstellen und in ihre Entwicklung investieren.
  • Rund 30.000 Softwareingenieure arbeiten bei Siemens und können laut Wiese durch KI produktiver werden.
  • Wiese erwartet, dass erfahrene BeschĂ€ftigte kĂŒnftig auch von KI-erfahrenen NachwuchskrĂ€ften lernen.
Siemens PersonalvorstÀndin Judith Wiese. (Archivbild) - Bild: Bernd von Jutrczenka/dpa

Siemens hÀlt an Einstiegsjobs trotz KI fest

Siemens-PersonalvorstĂ€ndin Judith Wiese warnt davor, wegen kĂŒnstlicher Intelligenz auf Einstiegsjobs zu verzichten. Junge Mitarbeitende mĂŒssten weiterhin Aufgaben selbst ĂŒbernehmen, damit sie spĂ€ter ĂŒber die nötige Erfahrung zur Kontrolle von KI-Ergebnissen verfĂŒgten.

Erfahrung bleibt Teil der Ausbildung

Als Beispiel nennt Wiese die Softwareentwicklung: KI und sogenannte Agenten könnten zunehmend auch komplexeren Code schreiben. Die zentrale Aufgabe der Menschen verlagere sich dadurch auf das kritische PrĂŒfen und Validieren der Ergebnisse.

Unternehmen mĂŒssten jungen BeschĂ€ftigten deshalb Lern- und Erfahrungskurven ermöglichen. Bei Siemens werde man weiterhin gezielt junge Leute einstellen und in ihre Entwicklung investieren.

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Siemens sieht Chancen durch ProduktivitÀt

Bei Siemens arbeiten rund 30.000 Softwareingenieure. Wiese sagte, zusÀtzliche ProduktivitÀt könne genutzt werden, um dieselbe Arbeit mit weniger Menschen zu erledigen oder mit gleicher BeschÀftigtenzahl mehr Projekte umzusetzen.

Derzeit ermögliche die höhere Geschwindigkeit nach ihrer EinschĂ€tzung, mehr Dinge auszuprobieren und zusĂ€tzliche Vorhaben zu starten. Wie sich KI insgesamt auf die BeschĂ€ftigung auswirke, sei noch zu frĂŒh zu beurteilen.

Nachwuchs bringt neue KI-Erfahrung

Wiese erwartet, dass in einigen Jahren junge BeschÀftigte in Unternehmen kommen, die bereits im Bildungssystem intensiv mit KI gearbeitet haben. Davon könnten auch erfahrene Kolleginnen und Kollegen lernen.

FĂŒr die Unternehmen bleibt damit die Aufgabe, technologische Effizienz mit systematischer Ausbildung zu verbinden. KI kann Lernprozesse beschleunigen, ersetzt nach Wieses Darstellung aber nicht die praktische Erfahrung, die fĂŒr eine verlĂ€ssliche Kontrolle ihrer Ergebnisse erforderlich ist.

Die Warnung von Siemens-PersonalvorstĂ€ndin Judith Wiese trifft auf einen Arbeitsmarkt, in dem Unternehmen den Einsatz kĂŒnstlicher Intelligenz ausweiten und zugleich bei Neueinstellungen vorsichtiger agieren. Besonders fĂŒr Berufseinsteiger kann das den Zugang zu ersten praktischen Erfahrungen erschweren.

Ein solcher Einstieg erfĂŒllt mehr als eine kurzfristige Arbeitsfunktion. Wer zunĂ€chst einfache Aufgaben selbst bearbeitet, entwickelt Fachwissen, Urteilsvermögen und ein VerstĂ€ndnis fĂŒr typische Fehler. Diese Grundlagen werden wichtiger, wenn KI Ergebnisse liefert, die BeschĂ€ftigte fachlich prĂŒfen und verantworten mĂŒssen.

Berufseinstieg unter VerÀnderungsdruck

Der Wandel betrifft nicht nur einzelne TÀtigkeiten. In der deutschen Industrie stehen GeschÀftsmodelle, Qualifikationsprofile und BeschÀftigungsstrukturen unter Druck. Gleichzeitig kann höhere ProduktivitÀt zusÀtzliche Projekte ermöglichen und damit neue Aufgaben schaffen. Ob dieser Effekt den Wegfall einzelner TÀtigkeiten ausgleicht, hÀngt von Investitionen, Weiterbildung und der Organisation der Arbeit ab.

FĂŒr Unternehmen entsteht damit ein Zielkonflikt: Sie können durch KI kurzfristig Kosten und Zeit sparen, mĂŒssen aber zugleich Nachwuchs ausbilden. Siemens setzt nach Wieses Angaben weiterhin auf die Einstellung und Entwicklung junger Menschen. FĂŒr BeschĂ€ftigte bedeutet die Entwicklung, dass technische Kenntnisse und die FĂ€higkeit zur kritischen Kontrolle von KI-Ergebnissen zusammengehören.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Bringt der Aufschwung in Deutschland auch mehr Jobs?“ (19.10.2026)

Der Beitrag ordne den KI-Einsatz in die angespannte Lage des deutschen Arbeitsmarkts und der Industrie ein. Er betone, dass Unternehmen bei Neueinstellungen zurĂŒckhaltend seien, wĂ€hrend der erwartete Konjunkturaufschwung den Stellenabbau in belasteten Industriezweigen nicht automatisch stoppe.

Frankfurter Rundschau: „Welche Menschen auf dem Arbeitsmarkt ein 'echtes Problem' haben werden“ (19.10.2026)

Der Artikel stelle den RĂŒckgang von Stellenanzeigen fĂŒr Berufseinsteiger und die möglichen VerĂ€nderungen durch KI heraus. Anders als die Siemens-Perspektive richte er den Schwerpunkt stĂ€rker auf die Folgen fĂŒr Betroffene und auf den Umbau von TĂ€tigkeiten und Hierarchien.

Beide BeitrĂ€ge verwiesen auf einen Arbeitsmarkt im Wandel und auf Unsicherheit ĂŒber kĂŒnftige Qualifikationen. Der Schwerpunkt unterscheide sich: WĂ€hrend tagesschau die gesamtwirtschaftliche BeschĂ€ftigungslage betrachte, fokussiere die Frankfurter Rundschau stĂ€rker auf Berufseinstieg und Organisationsstrukturen.

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