Aktien

Sind chinesische Aktien wirklich zu teuer?

Veröffentlicht: 20.07.2009 um 11:13 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael Müller (Chefredaktion)

China hat letzte Woche neue Wirtschaftsdaten veröffentlicht, und damit wieder einmal die Erwartungen auf der ganzen Linie übertroffen. Das Bruttoinlandsprodukt im Reich der Mitte stieg gegenüber dem Vorjahr um 7,9 Prozent. Das dynamische Wachstum des Landes hat sich somit wieder verfestigt. Im ersten Quartal hatte sich Chinas Wirtschaftsleistung lediglich um 6,1 Prozent verbessert. 

Chinas Wachstum wurde von Investitionen und der weiter robusten Binnennachfrage vorangetrieben, während der Export immer noch rückläufig war. Die Sachanlage-Investitionen etwa sind im Juni um 35 Prozent nach oben geschnellt, die Industrieproduktion hat sich um 10,7 Prozent verbessert. Bei den Einzelhandelsumsätzen wurde ein Zuwachs um 15 Prozent erzielt. Gleichzeitig wurde gemeldet, dass die Börse Shanghai gestern erstmals bei der Marktkapitalisierung erstmals an der Börse Tokio vorbeigezogen ist. Gemessen am Marktwert der dort gehandelten Titel ist sie nun die zweitgrößte Börse der Welt.

Es verwundert nicht, dass Chinas Börse zuletzt auch zu den weltbesten Performern gehörte. Der Shanghai Composite Index ist dieses Jahr bereits um 75 Prozent gestiegen. Viele Beobachter halten den Markt zu Recht für etwas überhitzt. Chinas Bürger haben die Lust an der Spekulation wieder entdeckt; die Stimmung grenzt an Euphorie. Stellt man allerdings das chinesische Wachstum den volkswirtschaftlichen Daten aus den westlichen Industrieländern gegenüber, dann wird man einräumen müssen, dass die Euphorie nicht völlig unberechtigt ist. Zu bedenken ist auch, dass sich die Börsen Europas und Nordamerikas in den vergangenen Monaten ebenfalls stark erholt haben, obwohl die hiesigen Prognosen wirklich so gar keinen Anlass zur Freude geben.

Als westliche Anleger können wir uns an der Börse Shanghai ohnehin gar nicht engagieren. Die dort notierten Aktien sind ausschließlich den chinesischen Anlegern und einigen wenigen Institutionellen vorbehalten. Viele der dort gehandelten Unternehmen notieren aber auch an der Börse Hongkong. Da in Hongkong eher rationale Maßstäbe vorherrschen, und es zwischen den beiden Handelsplätze keinerlei Berührungspunkte gibt, erhält man in Hongkong die Titel der gleichen Unternehmen zu Abschlägen, die teilweise bis zu 70 Prozent betragen. Weitere chinesische Gesellschaften sind an der Börse Singapur oder an der NASDAQ gelistet. Die ADRs dieser Papiere sind in der Regel auch für Anleger verfügbar, die sich auf die deutschen Börsen beschränken wollen.

Chinas Inlands-Börsen mögen teuer sein. Uns deutsche Anleger muss dies aber nicht beirren, da wir ohnehin keine Shanghai-Aktien handeln können. Die China-Aktien, die unsereins ordern kann, kommen aus Hongkong, Singapur und den USA. Dort sind die Bewertungen immer noch vernünftig und überschaubar. Das KGV (2009) für den Hang Seng Index in Hongkong liegt etwa je nach Sichtweise zwischen 15 und 18. Angesichts der chinesischen Wachstumsperspektiven ist dies nicht sonderlich ambitioniert. In jedem Fall sind nicht alle chinesische Aktien so teuer, wie dies in der Presse gern behauptet wird. 

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