Soft Commodities: Wissenswertes fĂŒr Trader!
Veröffentlicht: 19.12.2006 um 20:34 Uhr, Redaktion AD HOC NEWS, Redaktionelle Verantwortung: Rafael MĂŒller (Chefredaktion)
Kakao zeigte sich wĂ€hrend des heutigen Handels in New York erneut freundlich und konnte den Handelstag mit einem Zugewinn von 34$ auf 1691$ pro Tonne abschlieĂen. Obwohl heute morgen die Meldung ĂŒber die Ticker lief, dass die Ernte in Kamerun sowohl qualitativ als auch quantitativ zugelegt hat, lies sich der Handel hiervon nicht beeindrucken. An der ElfenbeinkĂŒste scheint sich die politische Lage leicht entspannt zu haben, da die beiden politischen Kontrahenten des Landes einwilligten, ihre Differenzen bei Seite zulegen und sich auf die bevorstehenden Wahlen im nĂ€chsten Jahr konzentrieren zu wollen. Dennoch berichten lokale Beobachter, dass die öffentlichen Aussagen nichts wert seien und weitere Konflikte unter der OberflĂ€che bereits brodeln. Die Geschichte aus der letzten Woche, dass ein Attentat auf den noch amtierenden PrĂ€sidenten Laurent Gbagbo geplant war, in das angeblich die französischen Truppen verwickelt sein könnten, liegt den AnhĂ€ngern von Gbagbo immer noch schwer im Magen.
Wie dem auch sei, die Ernte dĂŒrfte in der Saison 2006/2007 deutlich niedriger ausfallen und in den meisten LĂ€ndern von minderer QualitĂ€t sein als ĂŒblich. Die Preise an den HĂ€fen der afrikanischen Kakaoproduzenten steigen stetig an, was auf eine erhöhte Nachfrage schlieĂen lĂ€sst. Verwunderlich ist dies nicht, da einige europĂ€ische Produzenten ihren Kakao fĂŒr das erste Quartal 2007 noch nicht komplett eingekauft haben. Des weiteren wird berichtet, dass die europĂ€ische Nachfrage nach Kakaobutter sehr stabil ist und seitens der Verbraucher der Appetit auf Schokolade mit hohem Kakaoanteil immer weiter zunimmt.
Inzwischen springen zusehends mehr Analysten auf den Kakaozug auf und empfehlen den braunen Rohstoff zum Kauf. Heute Nacht beispielsweise rief eine groĂe Investmentbank zu Investitionen in Kakao auf und es ist offensichtlich, dass mit dem heutigen Sprung auf ein neues Mehrmonatshoch auch die Trendfolger aktiv werden dĂŒrften. Laut einer Umfrage unter Vermögensverwaltern und Fondsmanagern in den U.S.A., sollen bis zum Jahr 2008 weitere 50 Milliarden Dollar in die RohstoffmĂ€rkte flieĂen. Da Kakao sowohl technisch als auch fundamental interessant ist, dĂŒrfte sich ein Teil dieses Geldes hier positionieren.
Allen Unkenrufen zum Trotz arbeitet sich Zucker kontinuierlich nach oben und konnte heute 0,01 Cents auf 12,04 Cents pro Pound steigen. Auf den ersten Blick mag dies etwas mager erscheinen, allerdings konnte Zucker allein in den letzten drei Handelstagen um knapp sechs Prozent zulegen, was keine schlechte Performance ist. Obwohl die Ernten in Indien, Thailand und Brasilien extrem hoch sind und der Markt mit einem Ăberangebot von vier bis acht Millionen Tonnen zu kĂ€mpfen hat, scheint dies in den Kursen bereits eingepreist zu sein. Zwei sehr solide UnterstĂŒtzungszonen haben sich unter den aktuellen Kursniveaus gebildet, die eine solide Basis fĂŒr weitere Anstiege bieten.
Neben den negativen Fundamentals, die uns seit mehreren Wochen um die Ohren flattern, war gestern endlich mal etwas positives zu hören. Indien wird sein bisheriges Exportverbot von Zucker aufheben, allerdings werden nur maximal eine Million Tonnen auf den Markt kommen, wĂ€hrend unter den HĂ€ndlern mit zwei bis vier Millionen gerechnet wurde. Der Grund ist, dass nur Firmen ihren Zucker exportieren dĂŒrfen, die auch eine Importerlaubnis besitzen. Laut Angaben einiger Analysten, handelt es sich somit um schĂ€tzungsweise eine Million Tonnen die zum Verkauf stehen dĂŒrften. Die Zuckerbullen rechnen fest damit, dass das Ăberangebot seitens der Ethanolindustrie aufgesaugt werden wird. Diese Idee ist nach den neuesten Entwicklungen auch nicht verkehrt, da China kĂŒrzlich bekannt gab, die Verwendung von Mais und Weizen fĂŒr die Herstellung von Ethanol zu kĂŒrzen. Es wurden bereits die Importquoten fĂŒr Rohöl und dessen Produkte um 15% fĂŒr 2007 angehoben (betrifft nur nicht staatliche Betriebe), was ein erster Schritt wĂ€re um die Energieversorgung zu entspannen. Meiner Meinung nach wĂŒrde sich Zucker optimal fĂŒr die Herstellung von Ethanol anbieten, da die Preise momentan relativ gĂŒnstig sind und China den Anteil von alternativen Treibstoffen erhöhen möchte. Auf jeden Fall ist die Nachfrage nach Zucker momentan sehr hoch, was an der Backwardation zwischen dem MĂ€rz und Mai Future erkennbar ist.
Orange Juice gab um vier Cents auf 196,55 Cents in der MĂ€rznotierung nach. Die Aussichten auf Frost in Florida haben sich gelegt, da bis Ende diesen Jahres mit milden Temperaturen gerechnet wird. AuĂerdem geht die Nachfrage spĂŒrbar zurĂŒck, was negative Auswirkungen auf die Preise hat. Die VolatilitĂ€t erkennbar an den Bollinger BĂ€nder ist momentan vergleichsweise gering und in einer Range gefangen. Die BĂ€nder sind derart stark verengt, dass ein explosionsartiger Ausbruch bevorstehen könnte. Die implizite VolatilitĂ€t, welche sich aus den Optionspreisen ableiten lĂ€sst, ist ebenfalls extrem niedrig und favorisiert damit den Kauf von Options (am besten Strangles oder Straddles). Da bekannt ist, dass die Vola âmean revertingâ ist, also immer wieder zu ihrem Durchschnitt zurĂŒckkehrt, dĂŒrfte sie bald umdrehen und wieder zu steigen beginnen. Ein Anstieg der OptionsprĂ€mien wĂ€re die Folge. Der Optionsmarkt verweist nach untern keine gröĂeren WiderstĂ€nde, da relativ wenige Puts auf den unteren Strikepreisen vorhanden sind. Nach oben zeichnet sich jedoch eine gröĂere Barriere bei den 210-er Calls sowie den 190-er Calls ab, die aktuell noch im Geld sind. Die 190-er Marke könnte somit ein interessanter Beobachtungspunkt werden.
Kaffee gab um 1,45 Cents auf 123 Cents pro Pound nach. Im Bereich der Tagetiefs bei 121,70 stieĂ der MĂ€rz Future auf solides Kaufinteresse und konnte sich rasch wieder erholen. Etwas belastend wirkt sich die hohe Ernte in Vietnam aus, welche mit 14 Millionen SĂ€cken veranschlagt wurde, jedoch laut Angaben von HĂ€ndlern bei 18 Millionen liegen könnte. Nichtsdestotrotz handelt es sich beim vietnamesischem Kaffee um die Sorte Robusta, welche in London gehandelt wird. In New York wird Arabica Kaffee gehandelt, dessen Fundamentals ganz anders aussehen. FĂŒr die Saison 2007/2008 rechnet das brasilianische Landwirtschaftsministerium mit elf Millionen SĂ€cken weniger als in dieser Saison, wĂ€hrend der Output von Robusta um 500.000 SĂ€cke steigen dĂŒrfte. Ein regelrechter Engpass beim Arabica Kaffee ist somit nicht auszuschlieĂen und der aktuelle RĂŒcksetzer ist eine interessante Gelegenheit zum Aufbau von Bull Call Spreads. Die implizite Vola hĂ€tte durchaus noch Platz nach oben, befindet sich derzeit jedoch auf dem RĂŒckzug. Da kein eindeutiger Trend der VolatilitĂ€t erkennbar ist, wĂŒrde ich nicht unbedingt auf volatilitĂ€tssensible Strategien setzen. Bull Call Spreads bei denen man jeweils einen Call long und einen Call short ist, interessiert die Vola nicht sonderlich, da man relativ neutral gegenĂŒber diesen Schwankungen ist.
Baumwolle steigt aktuell um 0,29 Cents auf 55,10 Cents. Der Anstieg wird sowohl von den Aussichten auf eine niedrigere AnbauflĂ€che als auch von Spekulationen ĂŒber eine starke chinesische Nachfrage angeheizt. Bisher ist China öfters am Jahresende sehr aktiv geworden und der Markt spekuliert nun darauf, dass sich dieses Verhalten wiederholen wird.
Ich werde morgen einen Chat zum Thema âSoft Commoditiesâ um 16 Uhr auf www.termintrader.com abhalten. Die Teilnahme ist kostenlos und erfordert nur eine schnelle Anmeldung. Weitere Infos finden Sie auf oben genannter Seite!
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