Sonntagsarbeit, Verstöße

Sonntagsarbeit: Verstöße um 1.600% gestiegen, Kontrollen sinken

Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 06:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Linke beklagt mehr illegale Sonntagsarbeit und weniger behördliche Kontrollen. Die Zahl der Ausnahmegenehmigungen hat sich seit 2015 mehr als verdoppelt.

Linke kritisiert Zunahme illegaler Sonntagsarbeit und sinkende Kontrollen
Modernes Bürogebäude bei Sonnenuntergang als Symbol für Arbeitszeitregelungen und Work-Life-Balance. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Anfang August 2026 hat die Linken-Politikerin Anne Zerr eine deutliche Zunahme rechtswidriger Sonn- und Feiertagsarbeit in deutschen Unternehmen beanstandet. Die Kritik stützt sich auf aktuelle Daten zur Arbeitsmarktsituation und zur Überwachung des Arbeitsschutzes. Zerr verwies darauf, dass neben einer steigenden Zahl an Ausnahmegenehmigungen vor allem die rückläufige Kontrollintensität durch die zuständigen Behörden ein wachsendes Problem darstelle.

Massive Zunahme von Ausnahmegenehmigungen seit 2015

Ein zentraler Aspekt der aktuellen Entwicklung ist der starke Anstieg legaler Ausnahmen vom grundsätzlichen Verbot der Sonntagsarbeit. Laut vorliegenden Daten hat sich die Zahl der Beschäftigten, die mit einer offiziellen Ausnahmegenehmigung an Sonn- und Feiertagen arbeiten, innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt. Während im Jahr 2015 noch 25.000 Beschäftigte von solchen Regelungen betroffen waren, stieg dieser Wert bis zum Jahr 2025 auf 51.700 Personen an.

Diese Entwicklung wird von der Linkspartei als Anzeichen für eine schleichende Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes gewertet. Die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitszeiten gehe zulasten der Erholungsphasen der Arbeitnehmer, wobei die gesetzlichen Ruhezeiten immer häufiger durch Sonderregelungen ersetzt würden.

Dramatischer Anstieg dokumentierter Verstöße

Parallel zur Ausweitung genehmigter Sonntagsarbeit ist auch die Zahl der festgestellten Rechtsverstöße sprunghaft angestiegen. Berichten zufolge verzeichneten die Behörden bei der Sonn- und Feiertagsarbeit einen Zuwachs der Verstöße um 1.600 % auf nunmehr 98 Fälle.

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Experten weisen jedoch darauf hin, dass diese Zahlen nur ein unvollständiges Bild der tatsächlichen Lage vermitteln dürften. Bisher erfassen lediglich sechs Bundesländer derartige Verstöße statistisch, was auf eine erhebliche Dunkelziffer im gesamten Bundesgebiet schließen lässt. Die geringe Anzahl der meldenden Länder erschwert zudem einen bundesweiten Vergleich der Einhaltung von Arbeitszeitstandards.

Rückgang der behördlichen Arbeitszeitkontrollen

Ein wesentlicher Kritikpunkt von Anne Zerr ist die sinkende Überwachung durch die staatlichen Aufsichtsorgane. Die Zahl der durchgeführten Arbeitszeitkontrollen ist in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 12.972 Kontrollen verzeichnet, was einem Rückgang von 11 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Im langfristigen Vergleich tritt die Schwächung der Kontrollinstanzen noch deutlicher hervor. Seit dem Jahr 2015, als noch 16.878 Überprüfungen in den Betrieben stattfanden, ist die Zahl der Kontrollen um insgesamt 23 % gesunken. Die Linke sieht in dieser Entwicklung ein falsches Signal an die Arbeitgeber. Wenn Kontrollen seltener stattfänden, sinke das Risiko für Betriebe, bei rechtswidrigen Beschäftigungspraktiken sanktioniert zu werden.

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Kritik an der Lockerung des Arbeitszeitgesetzes

Vor dem Hintergrund dieser Zahlen fordert die Linkspartei eine Kehrtwende in der Arbeitszeitpolitik. Anne Zerr kritisierte die Bestrebungen zur weiteren Lockerung des Arbeitszeitgesetzes und betonte, dass der Schutz der Arbeitnehmer nur durch eine strikte Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben und eine ausreichende Personalausstattung der Kontrollbehörden gewährleistet werden könne. Die Kombination aus immer mehr Ausnahmeregelungen und gleichzeitig schwindender staatlicher Aufsicht führe zu einer Erosion bewährter Schutzstandards auf dem deutschen Arbeitsmarkt.

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