Sonntagsfahrverbot, Thüringen

Sonntagsfahrverbot: Thüringen hebt LKW-Beschränkung bis Ende August auf

Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 03:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mehrere Bundesländer lockern das LKW-Sonntagsfahrverbot wegen Niedrigwasser. Thüringen wählt eine pauschale Ausnahme, während andere an Bedingungen knüpfen.

Thüringen setzt LKW-Sonntagsfahrverbot bis Ende August aus
Ein schwerer Lastkraftwagen fährt bei Sonnenuntergang auf einer ruhigen Autobahn. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Land Thüringen hat am 12. August 2026 das Sonntagsfahrverbot für Lastkraftwagen vorübergehend aufgehoben. Wie aus einem Erlass des Landesverwaltungsamtes Weimar hervorgeht, gilt die Aussetzung der Beschränkungen ab sofort und ist bis zum 31. August 2026 befristet. Damit wählt der Freistaat eine umfassendere Regelung als viele andere Bundesländer, die ihre Befreiungen zumeist an konkrete Bedingungen knüpfen.

Kritik am Thüringer Sonderweg

Die Entscheidung der Thüringer Behörden stieß unmittelbar auf politische Kritik. Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen beanstandeten die pauschale Regelung. Da es im Bundesland keine relevanten Wasserstraßen gebe, fehle die direkte sachliche Notwendigkeit für eine vollständige Öffnung des Sonntagsverkehrs, die über die Kompensation von Schifffahrtsausfällen hinausgehe.

Während Thüringen das Verbot komplett aussetzt, beschränken Berlin und Brandenburg die Lockerung bis zum 31. August 2026 explizit auf den Ersatzverkehr für Binnenschiffe. Auch in Hessen wurde am 11. August 2026 eine entsprechende Lockerung bis zum Monatsende veranlasst. Dort gilt die Ausnahme für Lastwagen über 7,5 Tonnen, sofern diese Transporte übernehmen, die aufgrund des Niedrigwassers nicht per Schiff abgewickelt werden können. Der hessische Minister Mansoori begründete diesen Schritt mit den durch den Klimawandel verursachten extrem niedrigen Pegelständen, die zu Störungen in zahlreichen Lieferketten geführt hätten. Zur Kontrolle der Zweckbindung kündigte das Land Hessen Stichproben an.

Kehrtwende in Sachsen und weitere Länderregelungen

In Sachsen vollzog die Landesregierung am 12. August 2026 eine Kehrtwende. Nachdem eine Lockerung zunächst abgelehnt worden war, dürfen nun Lastkraftwagen über 7,5 Tonnen, die Binnenschiff-Transporte ersetzen, ebenfalls bis zum 31. August 2026 sonntags verkehren. Diese Regelung schließt Leerfahrten sowie Fahrten an Samstagen während der Ferienreisezeit ein. Ministerin Kraushaar verwies zur Begründung auf die anhaltende Niedrigwasserlage, die eine Verlagerung der Güterströme auf die Straße notwendig mache.

Weitere Bundesländer haben sich den befristeten Ausnahmen angeschlossen:
* Schleswig-Holstein setzte das Verbot am 11. August 2026 bis zum Monatsende aus.
* Hamburg ermöglicht die Sonntagsfahrt aufgrund der Pegelstände von Elbe, Donau und Rhein ebenfalls bis Ende August.
* Bayern hob das Verbot bis zum Monatsende auf, sieht sich jedoch mit Skepsis aus der Wirtschaft konfrontiert.
* Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen hatten bereits am vorangegangenen Wochenende erste Lockerungen umgesetzt.
* Rheinland-Pfalz und das Saarland gewähren Ausnahmen, die sogar bis zum 30. September datiert sind.
* Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern planen die Lockerung ab dem kommenden Wochenende.

Sachsen-Anhalt lehnt eine Aufhebung des Sonntagsfahrverbots hingegen weiterhin ab.

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Logistische Engpässe und Infrastrukturdruck

Trotz der rechtlichen Freigaben äußerten sich Speditionsunternehmen wie Dachser oder die Andreas Schmid Group zurückhaltend. Branchenvertreter wiesen darauf hin, dass zusätzliche Fahrten am Sonntag durch den generellen Fahrermangel sowie bereits voll ausgelastete Kapazitäten erschwert würden. Zudem müssten die gesetzlichen Lenk- und Ruhezeiten weiterhin zwingend eingehalten werden.

Die Bahn-Tochter DB Cargo reagierte auf die angespannte Lage mit der Bereitstellung von zusätzlich 400 Güterwagen, um den Güterverkehr zu stützen. Unterdessen warnen Verkehrsjuristen und Verbände vor den grenzüberschreitenden Folgen: Da Österreich keine Ausnahmen vom Sonntagsfahrverbot erteilt hat, wird mit einer erhöhten Staugefahr an den Grenzen gerechnet.

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Verkehrsexperten des ADAC wiesen zudem auf steigende Logistikkosten hin, die unmittelbar mit dem Niedrigwasser am Rhein korrelieren. Branchenvertreter der Kraftstoffwirtschaft halten zudem regionale Engpässe bei der Benzin- und Dieselversorgung für möglich, da die gewohnten Transportwege über die Binnenschifffahrt nur eingeschränkt zur Verfügung stehen.

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