Splitting-Reform schafft 49.000 Jobs: Paare mit Kindern gewinnen
03.06.2026 - 01:48:31 | boerse-global.deEine Gruppe führender Wirtschaftsexperten hat die Bundesregierung aufgefordert, das Ehegattensplitting grundlegend umzubauen. In einem offenen Brief an Kanzler Friedrich Merz und Vizekanzler Lars Klingbeil vom 2. Juni 2026 schlagen die Wissenschaftler ein „begrenztes Realsplitting“ vor. Ziel ist es, Steuervorteile gezielter an Familien mit Kindern umzuleiten.
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Das Modell im Detail
Die Initiative, angeführt von Nicola Fuchs-Schündeln (WZB), Monika Schnitzer (Sachverständigenrat) und Katharina Wrohlich (DIW), sieht vor, den Steuervorteil für den besser verdienenden Ehepartner auf maximal 13.805 Euro zu deckeln. Dieser Betrag orientiert sich an den aktuellen Regelungen für Unterhaltszahlungen.
Zu den Unterzeichnern gehören namhafte Ökonomen wie Clemens Fuest, Marcel Fratzscher und Moritz Schularick. Sie argumentieren, dass die Reform erhebliche Mittel freisetzen würde – und diese sollen vollständig in die Familienförderung fließen. Die Kernpunkte:
- Kindergeld: Anhebung von 259 auf 316 Euro pro Monat – ein Plus von 22 Prozent
- Kinderfreibetrag: Erhöhung von 9.756 auf 11.902 Euro
- Kosten: Rund 1,3 Milliarden Euro pro Jahr für die Umsetzung
Wer gewinnt – und wer verliert
Die von den Experten vorgelegten Simulationen zeigen klare Gewinner und Verlierer. Paare mit Kindern würden im Schnitt um 585 Euro pro Jahr entlastet, Alleinerziehende um rund 417 Euro. Kinderlose Ehepaare mit großen Einkommensunterschieden müssten dagegen mit einer Mehrbelastung von durchschnittlich 316 Euro pro Jahr rechnen.
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Ein zentrales Ziel der Reform: mehr Menschen in den Arbeitsmarkt bringen. Die Experten schätzen, dass die geänderten Anreize 49.000 zusätzliche Vollzeitstellen schaffen könnten. Eine frühere Studie hatte sogar von bis zu 175.000 möglichen Stellen gesprochen, falls das System radikaler abgeschafft würde.
Der politische Hintergrund
Der Vorstoß kommt nicht aus dem Nichts. Bereits am 10. April 2026 hatte Finanzminister Klingbeil ein „fiktives Realsplitting“ speziell für Neuzugänge vorgeschlagen – verbunden mit der Abschaffung der Steuerklassen III und V. Schon im Frühjahr kursierten Berichte, wonach das Finanzministerium ähnliche Konzepte prüfte.
Das aktuelle System hat gewaltige Dimensionen. Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) vom 31. März 2026 zeigte: Ohne das Ehegattensplitting hätten die Haushalte 25 Milliarden Euro mehr Steuern gezahlt. 91 Prozent des Splittingvorteils kommen demnach Paaren mit Kindern zugute. Allerdings warnte das IW auch vor zu optimistischen Erwartungen: Die kurzfristigen Arbeitsmarkteffekte könnten begrenzt sein – besonders bei gutverdienenden Alleinverdiener-Haushalten.
Für einen Single-Earner-Haushalt mit 70.000 Euro Jahreseinkommen würde der Steuervorteil nach den neuen Plänen von 7.000 auf 4.900 Euro sinken. Betroffen wären rund 2,7 Millionen Alleinverdiener-Ehepaare und 10,8 Millionen Paare mit ungleichen Einkommen – eine gewaltige Zahl, die zeigt, wie tief die Reform in die Steuerwirklichkeit vieler Deutscher eingreifen würde.
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