Spritpreise, Super

Spritpreise: Super E10 und Diesel kosten so viel wie nie

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz fallender Rohölnotierungen erreichen Benzin und Diesel neue Höchststände. Die Politik sucht nach Entlastungen, während strukturelle Probleme die Preise stützen.

Spritpreise auf Rekordhoch: Warum Tanken in Deutschland so teuer bleibt
Digitalanzeige einer Tankstelle mit hohen Kraftstoffpreisen bei Dämmerung Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Benzin und Diesel kosten in Deutschland so viel wie nie. Super E10 liegt bei durchschnittlich 2,14 Euro pro Liter, Diesel sogar bei 2,19 Euro. Besonders an Autobahntankstellen schlagen die Aufschläge zu – hier liegen die Preise teils 50 Cent über dem regionalen Schnitt.

Warum die Entspannung am Ă–lmarkt nicht ankommt

Der Rohölpreis ist zuletzt gefallen: Die Sorte Brent sank zwischenzeitlich von über 100 auf rund 85 US-Dollar pro Barrel. An den Zapfsäulen zeigt sich davon kaum etwas. Ein Grund: Deutschlands hohe Importabhängigkeit bei Diesel. Rund ein Drittel des Bedarfs kommt aus dem Ausland.

Bereits im April 2026 war mit 2,447 Euro pro Liter ein Tageshoch bei Diesel erreicht. Ein Ende Juni ausgelaufener befristeter Tankrabatt ließ die Preise zusätzlich sprunghaft ansteigen.

Politische Debatte: Preisdeckel oder Steuersenkung?

Die Bundesregierung sucht nach Wegen, die Bürger zu entlasten. Eine Initiative der Länder Saarland und Mecklenburg-Vorpommern forderte eine staatliche Preisobergrenze nach Luxemburger Vorbild – und scheiterte im Bundesrat. Wirtschaftsministerin Reiche lehnt Preisdeckel ab, gestützt auf Gutachten der Monopolkommission.

Bereits im Frühjahr 2026 senkte die Regierung die Energiesteuer auf Diesel und Benzin für zwei Monate um rund 17 Cent brutto pro Liter. Kanzler Friedrich Merz erwartete damals, dass die Entlastungen direkt bei den Verbrauchern ankommen. Flankierend gibt es eine steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro für Arbeitgeber. Finanziert wird das unter anderem durch eine höhere Tabaksteuer.

Aktuell fordern Teile der FDP die Streichung der CO2-Abgabe, während die SPD einen flexiblen Preisdeckel ins Spiel bringt.

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Europas Nachbarn handeln schneller

Italien geht einen anderen Weg: Ministerpräsidentin Meloni senkte Ende Juli die Dieselsteuer um 17 Cent pro Liter – befristet bis zum 6. August. Grund sind die Preissteigerungen durch die Krisen im Nahen Osten und die eingeschränkte Passierbarkeit der Straße von Hormus. Der zehntägige Eingriff kostet 125 Millionen Euro. Ob er verlängert wird, soll Anfang August entschieden werden.

In Österreich verhandelt die Regierung über eine Spritpreisbremse für August. Im Fokus: eine Senkung der Mineralölsteuer. Vorangegangene Entlastungen im Juni und Juli hatten kaum Wirkung gezeigt. Die Opposition fordert eine Aussetzung der CO2-Steuer und eine Halbierung der Mineralölsteuer – das würde Benzin und Diesel um bis zu 44 Cent pro Liter verbilligen.

Strukturelle Probleme: Warum die Preise hoch bleiben

Die Entkoppelung von Rohöl- und Kraftstoffpreisen hat handfeste Gründe. Fehlende Raffineriekapazitäten im Nahen Osten und in Russland erschweren die Versorgung mit Gasöl. Hinzu kommen logistische Engpässe:

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  • Tanker mĂĽssen um das Kap der Guten Hoffnung fahren – das verlängert die Transportwege um 10 bis 15 Tage.
  • Niedrigwasser auf dem Rhein treibt die Frachtkosten der Binnenschifffahrt in die Höhe.
  • Der EU-Emissionshandel und nationale Umweltgesetze lassen fĂĽr 2027 und 2028 weitere Kostensteigerungen erwarten.

Analysten warnen: Die hohen Energiekosten könnten die Inflation weiter anheizen. Das macht Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank im Herbst 2026 wahrscheinlicher.

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