Stablecoin-Boom: 21 Banken gründen Konsortium für digitale Vermögenswerte
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 09:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem maßgeblichen Schritt zur Integration digitaler Vermögenswerte in das klassische Finanzsystem bereitet ein Konsortium aus 21 internationalen Finanzinstituten die Gründung eines eigenen Stablecoin-Unternehmens vor.
Wie aus Branchenberichten hervorgeht, vereinbarte die Gruppe, der unter anderem die Bank of America, Citi, Goldman Sachs, die Deutsche Bank, UBS und MUFG angehören, bereits am 1. September 2026 den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur.
Das Vorhaben erfolgt vor dem Hintergrund wachsender regulatorischer Klarheit durch den europäischen MiCA-Rahmen (Markets in Crypto-Assets) sowie einer deutlichen Zunahme privater und geschäftlicher Stablecoin-Transaktionen.
Strategischer Zeitplan und Marktdynamik
Das neu gegründete Konsortium plant, das Stablecoin-Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte 2026 operativ aufzusetzen. Die Einführung eines an den US-Dollar gekoppelten Tokens ist für die erste Jahreshälfte 2027 avisiert, woraufhin eine Euro-Version folgen soll. Die Emissionen sollen konform mit dem US-amerikanischen GENIUS Act sowie den europäischen MiCA-Richtlinien erfolgen.
Die Initiative der Banken reagiert auf ein massives Marktwachstum. Lag der Bestand an Stablecoins Ende 2020 noch bei 27 Milliarden US-Dollar, stieg das Angebot bis August 2026 auf 303 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 261 Milliarden Euro). Dies entspricht einem Zuwachs von sechs Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 285 Milliarden US-Dollar.
Besonders im Bereich der Unternehmenskunden zeigt sich eine hohe Adaption: In den ersten acht Monaten des Jahres 2026 wurden Stablecoin-Zahlungen in einem Volumen zwischen 401 und 527 Milliarden US-Dollar identifiziert. Unternehmen empfangen dabei schätzungsweise 58 bis 64 Prozent aller Stablecoin-Zahlungen.
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Wirtschaftliche Anreize treiben diese Entwicklung voran. Während internationale Überweisungen über klassische Fiat-Kanäle Kosten zwischen drei und fünf Prozent verursachen können, liegen die Gebühren für Stablecoin-Transaktionen laut Branchenexperten oft unter einem Prozent. Entsprechend wuchsen grenzüberschreitende Stablecoin-Zahlungen im Jahr 2025 um 64 Prozent, während Fiat-basierte Kanäle lediglich ein Plus von neun Prozent verzeichneten.
Positionierung der deutschen Finanzinstitute
Innerhalb dieses globalen Wandels bereitet die Deutsche Bank den Ausbau ihrer Dienstleistungen für institutionelle Kunden vor. Das Institut wartet derzeit auf die behördliche Genehmigung für die Verwahrung von Kryptowerten in Europa, die laut einem Sprecher noch im Jahr 2026 starten soll.
Die Erteilung der notwendigen MiCA-Lizenz wird für Oktober erwartet. Das Angebot soll zunächst Bitcoin, Ether sowie die Stablecoins USDC und EURC umfassen; später ist die Integration tokenisierter Finanzinstrumente geplant.
Zielgruppe des Verwahrservices sind Vermögensverwalter, Hedgefonds und Staatsfonds. Die Bank übernimmt dabei die Verwaltung von Wallets und privaten Schlüsseln, wobei sie auf eine seit 2023 bestehende Partnerschaft mit dem Technologieanbieter Taurus setzt.
Die Führungsebene der Corporate Bank betont dabei, dass digitale Vermögenswerte als Ergänzung und nicht als Ersatz für bestehende Finanzstrukturen zu sehen seien. Auch andere deutsche Institute sind bereits aktiv: Die DZ Bank erhielt im Dezember 2025 die BaFin-Genehmigung für ihre Krypto-Plattform, während die LBBW bereits seit April 2024 mit einem Partner Krypto-Verwahrung anbietet.
Regulatorische Entwicklung und Sicherheitsrisiken
Parallel zum Vorstoß der Banken verschärfen Aufsichtsbehörden weltweit die Kontrolle. Die US-Börsenaufsicht SEC schlug am 18. August 2026 die „Regulation Crypto Assets“ vor, während das Finanzministerium am 17. August das Regelungsverfahren zum GENIUS Act einleitete.
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Paul Atkins, Chef der SEC, stellte in Aussicht, notfalls auch ohne neue Gesetzgebung auf Basis bestehender Entwürfe zu handeln. Auch die CFTC unter Michael Selig signalisierte Bereitschaft, Krypto-Regeln mit Fokus auf Börsen und gehebelten Handel zeitnah umzusetzen.
Trotz des Wachstums bleiben Risiken bestehen. Carolyn Wilkins von der Bank of England warnte Mitte September 2026 vor den makroökonomischen Folgen massenhafter Rücknahmen von Stablecoins.
Da 98 Prozent der im Umlauf befindlichen Stablecoins an den US-Dollar gebunden sind und Emittenten wie Tether und Circle erhebliche Bestände an US-Staatsanleihen halten – Ende 2025 waren es zusammen fast 150 Milliarden US-Dollar –, könnten ungeplante Verkäufe den Markt für Treasury Bills unter Druck setzen.
Zudem fordern Cyber-Angriffe die Branche heraus. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 verursachten sogenannte „Wrench-Angriffe“ (physische oder gezielte Erpressungen) einen Schaden von 124,1 Millionen US-Dollar.
Jüngst wurde zudem ein Datenleck bei Revolut bekannt, bei dem Angreifer über kompromittierte E-Mail-Konten Zugriff auf Daten von rund 680 Kunden erhielten und Lösegeldforderungen in der Kryptowährung Monero stellten. Diese Sicherheitsvorfälle unterstreichen die Notwendigkeit robuster, bankengesteuerter Infrastrukturen im Bereich der digitalen Vermögenswerte.
