Stahlbranche warnt: 20.000 Jobs gefÀhrdet durch Emissionshandel-Aufweichung
11.06.2026 - 19:29:25 | boerse-global.de
BranchenverbÀnde fordern von der EU-Kommission eine konsequentere Ausgestaltung der Klimaschutzinstrumente. Unklarheiten beim Grenzausgleichssystem CBAM und eine mögliche Aufweichung des Emissionshandels gefÀhrdeten die Transformation, warnen sie.
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Aluminium-Verband kritisiert Schlupflöcher
European Aluminium hat mehrere Schwachstellen im aktuellen CBAM-Entwurf identifiziert. Ein zentraler Kritikpunkt: die ungleiche Behandlung von sogenanntem Post-Consumer-Schrott als Vorprodukt. Zudem sieht der Verband in der geplanten 50-Tonnen-Freigrenze eine Gefahr.
Importe von Halbzeugen könnten so systematisch am Grenzausgleich vorbeigefĂŒhrt werden. Die Organisation fordert eine Ausweitung des CBAM auf weitere Produkte, etwa Haushaltsartikel. Ohne diese Anpassungen drohe eine Verzögerung der Endphase des Systems.
Der Verband plĂ€diert zudem dafĂŒr, kostenlose Emissionszertifikate so lange beizubehalten, bis die volle Wirksamkeit des Grenzausgleichs garantiert ist.
Stahlbranche: 20.000 Jobs auf dem Spiel
Parallel wĂ€chst der Widerstand gegen eine mögliche Aufweichung des Emissionshandels in der Stahlbranche. Die IG Metall warnt: RĂŒckschritte bei der Klimaregulierung gefĂ€hrdeten die Transformation zu grĂŒnem Stahl. JĂŒrgen Kerner betont, dass bei Branchenvorreitern wie Salzgitter und Saarstahl rund 20.000 ArbeitsplĂ€tze auf dem Spiel stehen. FĂŒr die Umstellung auf klimafreundliche Verfahren wurden bereits Förderzusagen in Höhe von acht Milliarden Euro gemacht.
Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. 2025 sank die deutsche Stahlproduktion auf 34,1 Millionen Tonnen â der niedrigste Stand seit 2009. Gleichzeitig stehen hohe Stahlimporte aus Russland in der Kritik, die sich zuletzt auf rund drei Millionen Tonnen beliefen.
Die Arbeitskammer Saarland fordert verlĂ€ssliche Rahmenbedingungen und wettbewerbsfĂ€hige Energiepreise. Nur so lieĂen sich die getĂ€tigten Investitionen in CO2-arme Verfahren absichern.
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EU reagiert mit neuen Preiskontrollen
Als Reaktion auf die Herausforderungen hat die EU Anpassungen im Emissionshandel beschlossen. FĂŒr das neue System ETS2, das ab 2028 auch Verkehr und GebĂ€ude umfasst, wurden strengere Preiskontrollen vereinbart. Ăberschreitet der CO2-Preis die Marke von 45 Euro pro Tonne, sollen bis zu 40 Millionen zusĂ€tzliche Zertifikate freigegeben werden. Die Obergrenze liegt bei 80 Millionen Zertifikaten pro Jahr.
Ein weiterer Entwurf sieht vor, die Zuteilung kostenloser Zertifikate kĂŒnftig an konkrete Investitionszusagen zu binden. Zudem plant die EU einen âETS Investment Boosterâ-Fonds mit einem Volumen von 30 Milliarden Euro. Das Geld soll aus dem Verkauf von 400 Millionen Emissionszertifikaten stammen. Ein formeller Vorschlag wird fĂŒr Mitte Juli erwartet.
Lieferketten unter Druck
Die angespannte Lage wird durch strukturelle Risiken in den globalen Lieferketten verschĂ€rft. Marktanalysen verweisen auf maritime EngpĂ€sse und eine starke AbhĂ€ngigkeit bei kritischen Rohstoffen. Der Preis fĂŒr Wolfram stieg zuletzt um ĂŒber 500 Prozent. Auch der Suez- und Panamakanal verzeichnen deutliche RĂŒckgĂ€nge im Verkehrsaufkommen.
FĂŒr den morgigen Freitag rufen Arbeitnehmervertreter zu Kundgebungen in Berlin und Völklingen auf. Sie demonstrieren fĂŒr den Erhalt der industriellen Basis in Europa.
