Stahlimporte, EU-Schutzmaßnahmen

Stahlimporte: Neue EU-Schutzmaßnahmen ab heute – 100.000 Jobs gefährdet

01.07.2026 - 21:29:43 | boerse-global.de

Die EU kürzt zollfreie Stahlimporte um 47 Prozent und verdoppelt Strafzölle. Branchenverbände warnen vor massiven Stellenstreichungen und Bürokratieproblemen.

EU senkt Stahlkontingente drastisch: 100.000 Jobs in Gefahr
Stahlimporte - Ein stilisiertes, leuchtendes CO2-Molekülsymbol schwebt über Stahlbarren in einer modernen Fabrik, die die CBAM-Regulierung darstellt. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die EU senkte das zollfreie Kontingent für Stahlimporte um 47 Prozent auf jährlich 18,3 Millionen Tonnen. Wer diese Mengen überschreitet, zahlt künftig den doppelten Strafzoll – satte 50 Prozent.

Gleichzeitig wächst die Kritik am CO?-Grenzausgleichssystem (CBAM). Die Wirtschaft zeigt sich gespalten.

Wirtschaftsverbände schlagen Alarm

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) fordert Nachbesserungen. Unternehmen klagen über hohe bürokratische Hürden, steigende Kosten und fehlende Planungssicherheit. Der Verband verlangt eine Überarbeitung der Nachweisketten, realitätsnahe Standardwerte und verlängerte Fristen für Zertifizierungen.

Die Wirtschaftsvereinigung Stahl geht weiter. Sie fordert eine Ausweitung der Maßnahmen auf sämtliche Stahlprodukte und einen verbindlichen Herkunftsnachweis nach dem „Melted-and-Poured“-Prinzip.

Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WDK) warnt vor einer Ausweitung des CBAM auf Stahlvorprodukte. Importierte Fertigerzeugnisse wie Reifen fallen nicht unter die Regelung. Heimischen Produzenten drohen Wettbewerbsnachteile durch steigende Kosten für Vorprodukte.

100.000 Stellen vor dem Aus

Die europäischen Stahlproduzenten stecken in der Krise. Weltweit liegen die Überkapazitäten bei rund 620 Millionen Tonnen – Tendenz steigend. Branchenexperten erwarten für das kommende Jahr bereits 721 Millionen Tonnen.

Der Branchenverband Eurofer rechnet durch die neuen Schutzmaßnahmen mit einer Rückführung von rund 15 Millionen Tonnen Kapazität in den EU-Binnenmarkt. Doch der Preis ist hoch: Nach 120.000 verlorenen Jobs im vergangenen Jahr drohen 2026 weitere 100.000 Stellenstreichungen.

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Die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner, fordert ein Reformpaket von der Bundesregierung. Dazu gehören Bürokratieabbau, eine investitionsfreundliche Steuerpolitik und eine Deckelung der Sozialbeiträge bei 40 Prozent.

Großproduzenten mit eigenen Strategien

ArcelorMittal begrüßt die grundsätzliche Einführung von CBAM und die Importanpassungen. Das Unternehmen drängt aber auf eine Ausweitung auf nachgelagerte Produkte. Besonders bei Elektroblechen, Motoren und Generatoren müsse die gesamte Wertschöpfungskette geschützt werden – sonst drohten Importfluten aus Asien und dem Nahen Osten.

Der Konzern schlägt vor, EU-Produkte bei der öffentlichen Beschaffung zu bevorzugen. Staatliche Förderungen für den Umstieg auf grüne Produktion lehnt ArcelorMittal derzeit ab.

Andere Marktteilnehmer zeigen sich zögerlicher. Salzgitter verschob den vollständigen Umstieg auf klimaneutrale Verfahren auf das Jahr 2035. Experten betonen: Für eine erfolgreiche Transformation braucht es eine Wasserstoffpreisgarantie von 12 Cent pro Kilowattstunde.

Neue Handelsabkommen und globale Entwicklungen

Während die EU ihre Grenzen schützt, bauen andere Nationen eigene Systeme auf. Vietnam startete Ende Juni eine nationale CO?-Börse. 92 Unternehmen aus den Bereichen Wärmekraft, Stahl und Zement nehmen teil. Die Zertifikate kosten zum Handelsauftakt zwischen 130.000 und 136.000 Dong pro Tonne CO?-Äquivalent.

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Seit heute gilt zudem ein Handelsabkommen zwischen der EU und den USA. US-Industriegüter und Hummer-Exporte erhalten Zollfreiheit im europäischen Markt. Im Gegenzug akzeptiert die EU vorerst US-Zölle von bis zu 15 Prozent auf europäische Exporte. Die Regelung ist bis Ende 2029 befristet.

Ergänzend erhebt die EU ab heute eine pauschale Zollgebühr von 3 Euro auf Kleinsendungen aus Drittstaaten unter 150 Euro Warenwert. Besonders betroffen: Online-Bestellungen aus China.

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