Stahlzölle ab Juli: Großbritannien kürzt Indiens Importe um 60%
02.06.2026 - 20:39:45 | boerse-global.deStahlzölle und Klimaabgaben blockieren das historische Freihandelsabkommen zwischen Neu-Delhi und London.
Der indische Handelsminister Piyush Goyal und sein britischer Amtskollege Peter Kyle trafen sich am heutigen Dienstag in Neu-Delhi, um die festgefahrenen Verhandlungen über das bilaterale Handelsabkommen wiederzubeleben. Im Zentrum der Gespräche stehen zwei Streitpunkte: die geplanten britischen Stahlimportbeschränkungen und der neue CO?-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM). Beide Maßnahmen gefährden die Umsetzung des im Juli 2025 unterzeichneten Comprehensive Economic Partnership Agreement (CETA).
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Stahlkontingente und Klimazölle als Zankapfel
Ab dem 1. Juli 2026 will Großbritannien seine zollfreien Stahlimportquoten um 60 Prozent kürzen. Für Lieferungen, die diese Grenzen überschreiten, wäre ein Zoll von 50 Prozent fällig. Ein herber Schlag für Indiens Stahlindustrie: Allein im Fiskaljahr 2025/26 exportierte das Land Eisen und Stahl im Wert von rund 893 Millionen Dollar auf die britischen Inseln.
Noch brisanter ist die geplante CO?-Steuer, die ab Januar 2027 greifen soll. Schätzungen zufolge wären davon indische Exporte im Wert von etwa 775 Millionen Dollar betroffen. Aus indischer Sicht untergraben diese Maßnahmen den Geist des CETA, das eigentlich 99 Prozent der britischen und 90 Prozent der indischen Zölle beseitigen sollte.
Indien droht mit Gegenmaßnahmen
Ein hochrangiger Beamter des indischen Handelsministeriums ließ am Montag durchblicken: Sollten die Streitigkeiten um Stahl und CO?-Abgaben ungelöst bleiben, werde Indien die bereits vereinbarten Zollzugeständnisse überdenken. Besonders im Fokus: die geplanten Zollsenkungen auf schottischen Whisky. Eigentlich sollten die Abgaben von 150 auf 75 Prozent und später auf 40 Prozent sinken – nun wackelt dieser Deal.
Die für Mai erwartete Ratifizierung des Abkommens wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Dabei stehen immense wirtschaftliche Chancen im Raum: Britische Prognosen beziffern das Potenzial auf ein jährliches Plus von 25,5 Milliarden Pfund im bilateralen Handel. Das Abkommen könnte Indiens Bruttoinlandsprodukt langfristig um 5,1 Milliarden Pfund steigern, das britische um 4,8 Milliarden Pfund. Der bilaterale Handel erreichte 2025 bereits rund 48 Milliarden Pfund – fast doppelt so viel wie 2019.
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Verhandlungen auf mehreren Gleisen
Parallel zu den Gesprächen mit London treibt Indien auch die Verhandlungen mit Washington voran. Am Montag zeigte sich Goyal optimistisch: Der Großteil des Abkommens mit den USA sei bereits unter Dach und Fach.
Die indische Regierung pocht in den Gesprächen mit Großbritannien auf Klarheit und mögliche Ausnahmen von den Umwelt- und Industrieschutzmaßnahmen. Nur so, so die Botschaft aus Neu-Delhi, könne eine ausgewogene Handelsbeziehung entstehen. Der britische Handelsminister Peter Kyle bezeichnete die laufenden Verhandlungen als „potenziellen Gamechanger“ in einer volatilen Weltwirtschaft und drängt auf eine zügige Umsetzung des CETA.
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