Statt Personal und Investitionen zu kürzen: Der Stromeinkauf als Kostenhebel
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 11:44 Uhr | presseportal, AD HOC NEWSDenn pauschale Sparmaßnahmen senken zwar kurzfristig die Ausgaben, lösen das eigentliche Kostenproblem aber häufig nicht. Verschobene Investitionen fehlen später bei Maschinen und Prozessen, Personalabbau kostet Know-how, und Abstriche bei der Qualität gefährden die Marktposition.
Warum Festpreisverträge nicht immer die beste Lösung sind
Gerade bei energieintensiven Industrieunternehmen lohnt deshalb ein genauer Blick darauf, wie Strom bislang beschafft wird. Viele Betriebe setzen auf klassische Festpreisverträge mit Vollversorgung. Das bietet Planungssicherheit: Für einen bestimmten Zeitraum steht weitgehend fest, zu welchen Konditionen die benötigte Energie geliefert wird. Diese Sicherheit ist jedoch nicht kostenlos. Energieversorger müssen Preis- und Mengenrisiken berücksichtigen und kalkulieren entsprechende Risikoprämien in ihre Angebote ein.
Eine Alternative können stärker marktnahe Beschaffungsmodelle sein. Dabei wird der erwartete Strombedarf beispielsweise nicht vollständig zu einem einzigen Zeitpunkt eingekauft. Beim sogenannten Tranchenmanagement beschafft das Unternehmen seine benötigte Energiemenge stattdessen schrittweise.
Unterschiedliche Teilmengen werden zu verschiedenen Zeitpunkten am Terminmarkt gesichert oder mit einer Beschaffung am Spotmarkt kombiniert. Solche Modelle kommen vor allem für Unternehmen mit größerem Stromverbrauch infrage.
Wichtige Handlungs- und Einsparhebel
Das reduziert zwar nicht automatisch den Strompreis. Es kann aber verhindern, dass der gesamte Bedarf ausgerechnet zu einem ungünstigen Marktzeitpunkt langfristig fixiert wird. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Planung und Risikomanagement. Unternehmen müssen ihren Verbrauch genauer kennen, Marktentwicklungen beobachten und festlegen, welche Preisrisiken sie tragen können und welche sie absichern möchten. Die passende Beschaffungsstrategie hängt deshalb unter anderem vom individuellen Lastprofil, Energiebedarf und Planungshorizont ab.
Ein weiterer Hebel liegt nicht beim Preis der Kilowattstunde, sondern bei der abgerufenen Leistung. Beim sogenannten Lastspitzenmanagement oder “Peak Shaving” versucht das Unternehmen, besonders hohe kurzfristige Leistungsspitzen zu vermeiden. Solche Spitzen können die Netzkosten beeinflussen. Gelingt es beispielsweise, Maschinen nicht gleichzeitig hochzufahren oder einzelne Prozesse zeitlich zu verschieben, kann sich die maximale Netzlast reduzieren. Voraussetzung ist allerdings, dass die Produktion genügend Spielraum für solche Anpassungen bietet.
Noch einen Schritt weiter geht die Flexibilisierung des Stromverbrauchs. Energieintensive Produktionsschritte können, soweit technisch und organisatorisch möglich, gezielt in Zeiten verschoben werden, in denen Strom am Markt günstiger verfügbar ist. Voraussetzung ist ein Vertrag, der Börsenpreise ganz oder teilweise weitergibt. Bei einem reinen Festpreis bringt die Verschiebung keinen Preisvorteil. Interessant können beispielsweise Phasen mit hoher Einspeisung erneuerbarer Energien und entsprechend niedrigen Börsenstrompreisen sein.
Hinzu kommen staatliche Entlastungen, die viele Betriebe nicht vollständig nutzen. Unternehmen des produzierenden Gewerbes zahlen seit 2026 dauerhaft nur noch 0,05 statt 2,05 Cent Stromsteuer je Kilowattstunde, allerdings nur auf Antrag. Besonders stromintensive Branchen können zudem für 2026 bis 2028 den neuen Industriestrompreis beantragen. Der Bundeszuschuss zu den Übertragungsnetzentgelten gilt dagegen nur für 2026, was bei der Planung für 2027 berücksichtigt werden sollte.
Die Analyse des Verbrauchs rückt an oberste Stelle
Damit verändert sich auch die grundsätzliche Perspektive auf Energiekosten. Statt ausschließlich den Verbrauch zu senken, rücken der Zeitpunkt des Verbrauchs, die Höhe von Lastspitzen und die Einkaufsstrategie in den Mittelpunkt. Entscheidend ist dabei nicht ein einzelnes Instrument. Erst die Analyse des konkreten Verbrauchsprofils zeigt, welche Maßnahmen wirtschaftlich sinnvoll sind.
Für Geschäftsführer bedeutet das: Bevor Einsparungen vorgenommen werden, die Personal, Investitionen oder Produktqualität betreffen, kann sich eine systematische Prüfung der Energiebeschaffung lohnen. Gerade bei hohem Stromverbrauch können Beschaffungszeitpunkt, Vertragsmodell, Lastmanagement und Produktionsflexibilität erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Statt pauschal überall Kosten zu kürzen, lässt sich so gezielt an einem der größten Kostenblöcke vieler Industrieunternehmen ansetzen.
Über den BVGE:
Die BVGE Consulting GmbH ist die Beratungsgesellschaft des Bundesverbands der gewerblichen Energienutzer (BVGE). Sie berät Unternehmen versorgerübergreifend bei Energieeinkauf, Beschaffungsstrategie und Energiekostenoptimierung. Über 100 Mitarbeitende, mehr als 2.700betreute Kunden, über 11 Terawattstunden vermitteltes Energievolumen pro Jahr. Als unabhängiger Full-Service-Partner unterstützt der BVGE er seine Kunden von der Energiebeschaffung bis zu regulatorischen Anforderungen. Grundlage sind Neutralität, Fachwissen und über 12 Jahre Erfahrung in der gewerblichen Energiebeschaffung. Weitere Informationen unter: https://bvge.energy
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