Steuerbetrug, Jahren

Steuerbetrug: 26-Punkte-Plan mit 15 Jahren Haft und Kassenplicht

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Bundesregierung verschärft mit 26 Maßnahmen die Regeln gegen Steuerbetrug. Die Sanicare-Insolvenz zeigt die wachsende Bedeutung korrekter Buchführung.

Sanicare-Insolvenz und 26-Punkte-Plan: Neue Regeln für Personengesellschaften
Ein Schreibtisch mit einem Kassenbuch, einem Füllfederhalter und einem Tablet mit Finanzdiagrammen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Anforderungen an Buchführung und Dokumentation für Personengesellschaften werden drastisch verschärft. Während eine bekannte Versandapotheke in Insolvenz rutschte, bereitet die Bundesregierung einen 26-Punkte-Plan gegen Steuerbetrug vor.

Sanicare-Insolvenz: 80 Millionen Euro Umsatz reichen nicht

Am 15. Juli 2026 stellte die BS Apotheken OHG, Betreiberin der Versandapotheke Sanicare, einen Insolvenzantrag in vorläufiger Eigenverwaltung. Das Amtsgericht Osnabrück ordnete das Verfahren umgehend an.

Das Unternehmen erwirtschaftete 2025 rund 80 Millionen Euro Umsatz und beschäftigte 74 Mitarbeiter. Dennoch geriet die OHG unter Druck. Gründe: rückläufige Umsätze bei hohen Investitionskosten. Der Geschäftsbetrieb läuft unter Aufsicht der Eigenverwaltung weiter.

Der Fall zeigt: Auch für Personengesellschaften mit Millionenumsätzen wird eine präzise Bilanzierung überlebenswichtig.

15 Jahre Aufbewahrungspflicht und schärfere Strafen

Das Bundesfinanzministerium und das Bundesjustizministerium planen einen neuen Aktionsplan gegen Steuerbetrug. Die Kernpunkte:

  • Aufbewahrungspflicht: Steuerrelevante Belege müssen künftig 15 statt zehn Jahre archiviert werden
  • Elektronische Kassen: Ab Januar 2028 gilt die Registrierkassenpflicht für Betriebe mit über 100.000 Euro Jahresumsatz
  • Höhere Strafen: Bis zu 15 Jahre Haft bei Steuerdelikten
  • Erweiterte Befugnisse: Der Zoll kann Vermögenswerte bis 180 Tage ohne Verurteilung beschlagnahmen – mit Beweislastumkehr

Das Ziel: Die Steuereinnahmen sollen bis 2027 um rund eine Milliarde Euro steigen. Dafür baut der Zoll ein neues Zentrum gegen Steuer- und Finanzkriminalität auf – mit 1.500 zusätzlichen Stellen.

Anzeige

Angesichts der drastisch verschärften Aufbewahrungspflichten ist eine rechtssichere Aktenverwaltung für jedes Unternehmen unerlässlich. Diese kostenlose Checkliste zeigt Ihnen auf einen Blick, welche Dokumente Sie aktuell legal vernichten dürfen und was sicher archiviert bleiben muss. Jetzt kostenlose Übersicht der Aufbewahrungsfristen sichern

Neue Regeln für die Organschaft

Ein aktuelles Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 17. Juli 2026 bringt weitere Änderungen. Betroffen ist die körperschaftsteuerliche Organschaft.

Für die steuerliche Anerkennung eines Gewinnabführungsvertrags ist jetzt eine Mindestlaufzeit von fünf Jahren nötig. Entscheidend ist die zivilrechtliche Wirksamkeit des Vertrags. Eine Personengesellschaft kann nur dann Organträger sein, wenn sie eine eigene gewerbliche Tätigkeit ausübt – über einen geringfügigen Umfang hinaus. Reine Holding-Strukturen sind nur zulässig, wenn sie tatsächlich geschäftsleitend tätig sind.

Die neuen Regelungen ersetzen eine Anweisung aus dem Jahr 2005 und gelten für alle offenen Fälle.

Anzeige

Die angekündigten Verschärfungen und häufigeren Kontrollen durch die Behörden erhöhen das Risiko einer unvorbereiteten Überprüfung massiv. Mit diesem kostenlosen 12-Punkte-Selbstcheck behalten Sie die Kontrolle über Ihre Daten und bringen jede Prüfung schneller hinter sich. Kostenlosen Ratgeber zur Betriebsprüfung herunterladen

Datenschutz im Handelsregister gestärkt

Der Bundesgerichtshof stärkte im Frühjahr 2026 das „Recht auf Vergessen“ im elektronischen Handelsregister. Privatanschriften oder Unterschriftsproben müssen nach Widerruf der Einwilligung nicht mehr dauerhaft öffentlich sein.

Eine Risikoanalyse des Bundesfinanzministeriums vom Juni 2026 zeigt: Die GmbH bleibt die am häufigsten missbrauchte Rechtsform bei Geldwäsche. Doch die Behörden registrieren eine Zunahme bargeldloser Taterträge. Das Risiko der Terrorismusfinanzierung wird über alle Rechtsformen hinweg als gering eingestuft.

Für Geschäftsführer von Personengesellschaften heißt das: Die Prüfung von Transaktionsmustern und die Einhaltung von Sorgfaltspflichten bleiben im Fokus der Aufsichtsbehörden.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.

de | wirtschaft | 69842993 |