Steuerbetrug, Millionen

Steuerbetrug: 29,5 Millionen Euro Schaden in Berliner Prozess

10.06.2026 - 18:51:23 | boerse-global.de

Ein 47-Jähriger muss sich wegen Beteiligung an einem europaweiten Umsatzsteuerbetrug verantworten. Der Schaden liegt bei fast 30 Millionen Euro.

Berliner Prozess: 29,5 Mio. Euro Steuerbetrug vor Gericht
Steuerbetrug - Ein verschwommenes Bild von Gerichtsdokumenten, einem Richterhammer und Stapeln von Euro-Banknoten auf einem dunklen Holztisch. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Europäische Staatsanwaltschaft wirft ihm Beteiligung an einem großangelegten Steuerbetrugssystem vor. Der Gesamtschaden: rund 29,5 Millionen Euro.

Scheinrechnungen für den Vorsteuerbetrug

Der Angeklagte fungierte als Geschäftsführer einer Berliner Handelsfirma. Laut Anklage war er in ein europaweit agierendes Netzwerk eingebunden, das auf Umsatzsteuerbetrug spezialisiert war. Insgesamt wirft ihm die Staatsanwaltschaft sechs Taten in den Jahren 2021 und 2022 vor.

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Das System war einfach, aber effektiv: Die Täter stellten Scheinrechnungen aus, generierten unberechtigte Vorsteuerabzüge und führten die tatsächlich fällige Umsatzsteuer nie ab. Der 47-Jährige sitzt seit rund sechs Monaten in Untersuchungshaft. Zum Prozessauftakt schwieg er zu den Vorwürfen.

Ein ursprünglich mitangeklagter 49-Jähriger fehlte am ersten Verhandlungstag. Sein Verfahren wurde wegen einer Erkrankung abgetrennt.

29 Verhandlungstage bis September

Die Komplexität des Falls zeigt sich im geplanten Umfang der Beweisaufnahme. Das Landgericht hat bis September 2026 insgesamt 29 weitere Verhandlungstage angesetzt. Dass die Europäische Staatsanwaltschaft die Anklage führt, unterstreicht die grenzüberschreitende Dimension – solche Betrugssysteme erstrecken sich häufig über mehrere EU-Staaten.

Parallel dazu vermelden andere europäische Regionen Erfolge gegen Finanzkriminalität. Erst heute gaben italienische Behörden die Aufdeckung eines Betrugs mit EU-Wiederaufbaufonds-Mitteln bekannt. Sieben Unternehmer sollen über Scheinrechnungen für nicht existierende E-Commerce-Plattformen eine Million Euro erschlichen haben.

Maskenprozess in Bonn: 464 Millionen Euro Streitwert

Der Berliner Prozess ist nur einer von mehreren großen Wirtschaftsverfahren vor deutschen Gerichten. Zeitgleich verhandelte das Landgericht Bonn über eine Klage des Hamburger Textilhändlers Pure Fashion Agency gegen die Bundesrepublik. Das Unternehmen fordert Zahlungen für Maskenlieferungen aus dem März 2020.

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Die Gesamtforderung inklusive Zinsen: rund 464 Millionen Euro. Die Kläger berufen sich auf eine Zusage des damaligen Gesundheitsministers Jens Spahn. Der Bund bestreitet das Bestehen eines wirksamen Kaufvertrags. Ein Urteil wird für den 22. Juli 2026 erwartet.

Der Fall ist eines von rund 90 anhängigen Verfahren mit einem Gesamtstreitwert von etwa 2,3 Milliarden Euro im Zusammenhang mit den damaligen Maskenbeschaffungen.

Cum-Ex: Neue Entwicklungen in Luxemburg

Auch bei den Cum-Ex-Ermittlungen gibt es Bewegung. Der Aktienhändler Guenther Klar, eine zentrale Figur der Steuerhinterziehungsskandale, sitzt seit Oktober 2025 in Luxemburg in Untersuchungshaft. Ihm droht dort ein Prozess wegen mutmaßlicher Geschäfte über die Firma Khajuraho Equity Trading Sàrl.

Klar wurde bereits in Dänemark und Belgien verurteilt. Die dänischen Behörden fordern Steuererstattungen in Milliardenhöhe zurück. Ein Berufungsverfahren gegen Sanjay Shah ist für Anfang 2027 angesetzt.

In Österreich weiteten die Behörden unterdessen die Ermittlungen im Umfeld des Unternehmers René Benko aus. Es geht um den Vorwurf der Beihilfe zur betrügerischen Krida und die mutmaßliche Verschleierung von Millionenvermögen. Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in einem verwandten Verfahren wird für den 2. Juli 2026 erwartet.

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