Steuerbetrug-Bekämpfung: 26-Punkte-Plan mit bis zu 15 Jahren Haft
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 06:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Digitalisierung der Finanzämter kommt in Fahrt. Gleich mehrere Bundesländer und Österreich treiben den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Steuerverwaltung voran – von automatisierten Steuerbescheiden bis zur Betrugsbekämpfung.
Pilotprojekt „Amsel“: 50.000 Steuervorschläge verschickt
Elf Finanzämter in Thüringen haben seit April über 50.000 automatisierte Steuerfestsetzungsvorschläge an Bürger verschickt. Das gab die thüringische Finanzverwaltung am 20. Juli bekannt.
Das Verfahren richtet sich an Steuerpflichtige mit Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit, Renten oder Pensionen. Wer dem Vorschlag zustimmt, bekommt den Bescheid ohne manuelle Prüfung. Die Zustimmungsquote liegt derzeit bei etwa einem Drittel. Die Frist für die aktuelle Phase endet Ende Juli. Fünf Bundesländer sind insgesamt an dem Pilotprojekt beteiligt.
NRW setzt auf KI-Risikomanagement
Die Finanzämter Gütersloh und Wiedenbrück nutzen seit Mitte März ein KI-gestütztes Risikomanagementsystem. Es identifiziert einfache, risikoarme Steuerfälle automatisch und entlastet so die Mitarbeiter für komplexere Prüfungen.
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Die Notwendigkeit für effizientere Abläufe zeigen Analysen vom Jahresanfang. Das Finanzamt Bottrop bearbeitet eine Einkommensteuererklärung im Schnitt in 33 Tagen – das schnellste in NRW. In Bielefeld-Außenstadt dauert es mit 71,6 Tagen mehr als doppelt so lange. Auch Beckum und Warendorf liegen bei über zwei Monaten.
Österreich startet „GovGPT“
Am 20. Juli führte Österreich den KI-Assistenten „GovGPT“ im Bundeskanzleramt ein, einen Tag später folgte das Finanzministerium. Das System unterstützt Beamte bei Textentwürfen, Zusammenfassungen und der Nutzung interner Wissensdatenbanken.
Die Datenverarbeitung läuft im Bundesrechenzentrum. Bisher flossen rund 200.000 Euro in das Projekt, für die nächsten zwei Jahre sind acht Millionen Euro eingeplant. Weitere Ministerien sollen folgen.
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Aktionsplan gegen Steuerbetrug
Am 16. Juli präsentierten Finanzminister Klingbeil und Justizministerin Hubig einen 26-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Steuerkriminalität. Kernstück: Ein gemeinsames Zentrum beim Zoll, das KI-Analysen zur Aufspührung von Betrug nutzt.
Die geplanten Maßnahmen im Überblick:
- Der Strafrahmen für bandenmäßigen Steuerbetrug steigt von zehn auf bis zu 15 Jahre Haft
- Ab 2028 gilt eine Registrierkassenpflicht für Betriebe mit über 100.000 Euro Umsatz
- Die Aufbewahrungsfrist für Belege verlängert sich von acht auf 15 Jahre
- Vermögenswerte können künftig bis zu 180 Tage ohne Gerichtsurteil beschlagnahmt werden
Krypto-Dienstleister müssen bereits seit diesem Jahr Nutzer- und Transaktionsdaten gemäß der EU-Richtlinie DAC8 melden. Die Bundesregierung erwartet ab 2027 Mehreinnahmen von rund einer Milliarde Euro. Die Steuer-Gewerkschaft beziffert den jährlichen Schaden durch Steuerkriminalität auf etwa 100 Milliarden Euro.
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