Steuererklärung, Ein-Klick-Lösung

Steuererklärung: Ein-Klick-Lösung für 11,5 Millionen seit Juli

05.07.2026 - 00:04:43 | boerse-global.de

Ab 2026 gelten strengere Fristen für die digitale Belegerfassung. KI-Tools und neue Apps sollen Selbstständigen und Steuerzahlern helfen.

Digitalisierung im Finanzwesen: Neue Pflichten und KI-Lösungen ab 2026
Steuererklärung - Eine Hand hält ein Smartphone, das einen Beleg scannt, mit einer KI-Anwendung auf dem Bildschirm, im Hintergrund ein Büroschreibtisch. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Für Selbstständige heißt das: Belege müssen ab 2026 deutlich schneller erfasst werden als bisher. Parallel dazu bringen Finanzdienstleister neue KI-Tools auf den Markt, die den administrativen Aufwand senken sollen.

E-Rechnungspflicht treibt Tempo

Die gesetzliche Rahmenplanung sieht vor, dass Belege in kürzeren Intervallen digital erfasst werden müssen. Eingebettet ist dieser Schritt in die schrittweise Einführung der E-Rechnungspflicht im Geschäftsverkehr (B2B).

Bereits seit dem 1. Januar 2025 gilt in Deutschland die grundsätzliche Verpflichtung zum Empfang elektronischer Rechnungen. Für die Ausstellung laufen Übergangsfristen bis Ende 2026. Ab 2027 wird der Versand für Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 800.000 Euro Pflicht, bevor 2028 eine generelle Ausstellungspflicht für alle B2B-Umsätze greift.

Experten warnen: Die bloße Nutzung von ERP-Systemen reicht oft nicht aus, um die komplexen Anforderungen an GoBD-konforme Archivierung und XML-Original-Validierung zu erfüllen. Ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 15. Oktober 2025 hatte bereits detailliert zwischen Empfangspflicht und notwendiger Verarbeitungstiefe unterschieden.

KI-Agenten erobern die Buchhaltung

Um den gestiegenen Dokumentationspflichten nachzukommen, setzen immer mehr Anbieter auf künstliche Intelligenz. Die niederländische Neobank Finom stellte im Juli 2026 eine Beta-Version ihrer neuen KI-Anwendung vor. Das System ist direkt in das Geschäftskonto integriert und beantwortet Fragen zum Cashflow sowie zu Rechnungen.

Geplant ist zudem eine weitgehende Delegation von Arbeitsabläufen wie Zahlungen und Mahnwesen – die finale Freigabe liegt jedoch weiterhin beim Nutzer. Andrew Petrov, CEO von Finom, betont, dass die KI aktiv in die Prozesse eingebunden werden solle, statt diese nur passiv zu beschreiben.

Anzeige

Die zunehmende Automatisierung durch KI-Agenten in der Buchhaltung erfordert eine genaue Kenntnis der rechtlichen Rahmenbedingungen. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den nötigen Überblick über Fristen, Pflichten und Risikoklassen, den Ihre IT- und Rechtsabteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Auch andere Branchenakteure treiben die Automatisierung voran. Lucanet führte im Juli 2026 spezielle KI-Agenten für Finanz- und Steuerprozesse ein, die auf Compliance und Genauigkeit in regulierten Bereichen abzielen. Für das Handwerk bietet die synatos GmbH mit ihrer Software „Das Programm“ eine Lösung an, die über Schnittstellen zu Sprachmodellen wie ChatGPT oder Claude VOB-konforme Angebote erstellt und Mahnungen auf Basis betrieblicher Stammdaten automatisiert verfasst.

Ein-Klick-Steuererklärung: Fluch oder Segen?

Für einen Teil der Steuerpflichtigen gibt es seit kurzem stark vereinfachte digitale Verfahren. Seit dem 1. Juli 2026 ermöglicht die Elster-Plus-App in Bayern eine sogenannte Ein-Klick-Steuererklärung für das vorangegangene Jahr. Das Angebot richtet sich an rund 11,5 Millionen ledige und kinderlose Arbeitnehmer sowie Rentner.

Die App nutzt bereits vorhandene Daten der Finanzverwaltung, wie Lohnsteuerbescheinigungen und Sozialversicherungsdaten. Finanzexperten warnen jedoch vor möglichen Nachteilen: Da die App in ihrer aktuellen Form keine Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnlichen Belastungen berücksichtigt, bestehe das Risiko, dass Steuerpflichtige auf mögliche Erstattungen verzichten. Eine individuelle Prüfung oder die Konsultation eines Steuerberaters bleibe daher in vielen Fällen ratsam.

Anzeige

Während neue Apps die Steuererklärung vereinfachen, bleibt die korrekte Nutzung des offiziellen Finanzportals für viele eine Herausforderung. Dieses kostenlose E-Book erklärt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie alle Funktionen von MeinElster effektiv nutzen und dabei Zeit sowie Steuerberatungskosten sparen. MeinElster E-Book kostenlos herunterladen

Flexiblere Regeln für Steuerberater

Auch die Zusammenarbeit mit Steuerberatern hat sich rechtlich weiter flexibilisiert. Bereits seit dem 13. Dezember 2024 erlaubt eine Änderung der Steuerberatervergütungsverordnung (§ 9 StBVV), dass Gebührenrechnungen digital und ohne vorherige Zustimmung des Mandanten übermittelt werden können.

Das erleichtert die durchgehende Digitalisierung der Kanzleiabläufe. Experten empfehlen Steuerkanzleien zunehmend, sich zu sogenannten Ensemble-Kanzleien zu entwickeln. Spezialisierte Rollen sollen die bisherigen Generalistenmodelle ersetzen – der Fokus verschiebt sich von der reinen Datenerfassung hin zur strategischen Beratung und Analyse.

de | wirtschaft | 69691540 |