Steuerkanzleien: 25.000 Fachkräfte fehlen – Mandanten unzufrieden
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 16:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die steuerliche Beratungssituation für Unternehmen und Privatpersonen in Deutschland wird zunehmend schwieriger. Aktuelle Daten vom 5. August 2026 bestätigen einen massiven Fachkräftemangel in der Branche: Bundesweit fehlen bis zu 25.000 qualifizierte Mitarbeiter in Steuerkanzleien. Dieser personelle Engpass hat bereits spürbare Auswirkungen auf die Servicequalität und die Verfügbarkeit von Beratungsleistungen.
Unzufriedenheit bei Mandanten nimmt zu
Der Mangel an Fachkräften führt in vielen Steuerkanzleien zu einer Überlastung der bestehenden Strukturen. Eine aktuelle Umfrage unter rund 400 Landwirten verdeutlicht die Problematik. Viele der befragten Mandanten zeigten sich unzufrieden mit der aktuellen Betreuungssituation. Bemängelt wurden insbesondere eine unzureichende steuerliche Gestaltung, mangelnde Erreichbarkeit der Ansprechpartner sowie Defizite bei der Termintreue.
Neben dem Personalmangel sehen sich die Kanzleien zudem mit einer wachsenden bürokratischen Belastung konfrontiert. Diese bindet zusätzliche Kapazitäten, die für die eigentliche Mandantenbetreuung fehlen. Die Kombination aus Fachkräftemangel und Verwaltungsaufwand erschwert es den Kanzleien, den Anforderungen ihrer Mandantschaft vollumfänglich gerecht zu werden.
Fachkräftemangel als strukturelles Problem im Mittelstand
Die angespannte Lage in der Steuerberatung spiegelt einen breiteren Trend in der deutschen Wirtschaft wider. Laut dem KMU-Barometer des IfM Bonn für das zweite Quartal 2026 gilt der Fachkräftemangel als das größte Problem für kleine und mittlere Unternehmen (KMU), noch vor der Kundengewinnung. Dies ist bemerkenswert, da sich Umsatz und Gewinne in diesem Segment zuletzt verbessert haben, während die Investitionsneigung weiterhin schwach bleibt.
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Gleichzeitig verzeichnet der Arbeitsmarkt eine abnehmende Dynamik. Der Fachkräfte-Index von Hays für das zweite Quartal 2026 zeigt, dass die Gesamtnachfrage um 26 Prozentpunkte auf 36 Prozent gesunken ist. Im Bereich Finance sank der Index sogar um 30 Prozentpunkte auf 62 Prozent. Trotz dieses Rückgangs bleibt der Bedarf an spezialisierten Kräften in der Steuerberatung aufgrund des hohen Nachbesetzungsbedarfs und der Komplexität des Fachbereichs kritisch.
Hoher Wettbewerb und attraktive Vergütungspakete
Um dem Mangel entgegenzuwirken, werben Kanzleien verstärkt mit hohen Gehältern und flexiblen Arbeitsmodellen. Aktuelle Stellenangebote verdeutlichen den Marktwert qualifizierter Kräfte. In Altdorf wird derzeit ein Steuerberater gesucht, wobei das jährliche Gehalt zwischen 90.000 Euro und 130.000 Euro liegt. Das Angebot umfasst zudem eine optionale Partnerperspektive.
Auch für Steuerfachkräfte ohne Berater-Examen ist die Nachfrage hoch. In Drebach und Meckenbeuren sind Stellen ausgeschrieben, die eine Gehaltsspanne von 52.000 Euro bis 85.000 Euro pro Jahr bieten. Ein wesentliches Verkaufsargument in diesen Anzeigen ist die Möglichkeit, zu 100 Prozent im Homeoffice zu arbeiten. Als Ansprechpartner für diese Positionen fungiert Herr Becker-Koch von der Plattform TaxTalente.
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Bürokratie bremst Unternehmensgründungen
Der Wunsch nach einer Entlastung im Steuerrecht kommt auch vonseiten der Gründer. Laut Daten des DIHK stieg die Zahl der Firmengründungen im Jahr 2025 um 20.000 auf insgesamt 171.000 an. Rund 61 Prozent dieser Gründer fordern ein verständlicheres Steuerrecht, um die Hürden beim Start in die Selbstständigkeit zu senken.
Angesichts der überlasteten Kanzleien versuchen manche Privatpersonen, steuerliche Hilfe im privaten Umfeld zu finden. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten: Unbefugte Steuerhilfe für Freunde ist gesetzlich nur sehr eingeschränkt erlaubt. Eine Ausnahme bildet lediglich die unentgeltliche Hilfe für Angehörige. Verstöße gegen diese Regelungen können durch die Behörden mit Bußgeldern von bis zu 50.000 Euro geahndet werden.
