Steuerpaket, Grundfreibetrag

Steuerpaket Juli: Grundfreibetrag auf 12.900 Euro, aber höhere SozialbeitrÀge

Veröffentlicht am: 08.07.2026 um 11:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das neue Steuerpaket bringt nominale Entlastungen, doch höhere Abgaben belasten viele Haushalte unterm Strich stÀrker.

Steuerpaket 2026: Entlastungen mit versteckten Mehrkosten
HĂ€nde halten einen Taschenrechner ĂŒber Euro-Geldscheinen und MĂŒnzen auf einem Schreibtisch, um finanzielle Reformen zu symbolisieren. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Es bringt nominale Entlastungen – aber viele Haushalte zahlen am Ende drauf.

Steuertarif und Familienleistungen: Was sich Àndert

Kern der Reform ist die schrittweise Anhebung des Grundfreibetrags. Bis 2028 soll er auf 12.900 Euro steigen. Der Kinderfreibetrag klettert auf 5.123 Euro, der Arbeitnehmerpauschbetrag auf 1.430 Euro. Auch das Kindergeld steigt – von aktuell 259 auf 272 Euro bis 2028.

FĂŒr Besserverdiener wird die Progression ausgeweitet. Die Reichensteuer bekommt kĂŒnftig zwei Stufen: 45 Prozent ab 250.000 Euro zu versteuerndem Einkommen, 47 Prozent ab 280.000 Euro. Die Grenze fĂŒr den Spitzensteuersatz verschiebt sich leicht auf 70.600 Euro.

Die Gastronomie kann aufatmen: Die Umsatzsteuer auf Speisen bleibt dauerhaft bei 7 Prozent. Und die Pendlerpauschale wird vereinheitlicht – 38 Cent ab dem ersten Kilometer.

Neue Belastungen: Rentenbeitrag und höhere Zuzahlungen

Den Steuersenkungen stehen satte Mehrkosten in den Sozialsystemen gegenĂŒber. Ab 2028 kommt ein neuer Kapitalrentenbeitrag: zunĂ€chst 0,5 Prozent, spĂ€ter bis zu 2 Prozent. Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen sich die Kosten.

Im Gesundheitswesen wird krĂ€ftig zugegriffen. Der Tagessatz fĂŒr Krankenhausaufenthalte steigt von 10 auf 15 Euro, die Zuzahlung fĂŒr Medikamente von 5 auf 7,50 Euro.

Besonders einschneidend: Die beitragsfreie Mitversicherung von Ehepartnern in der gesetzlichen Krankenversicherung fĂ€llt weg. KĂŒnftig werden 2,5 Prozent des Einkommens des Hauptverdieners fĂ€llig. Auch Minijobs werden teurer – die Pauschsteuer steigt von 2 auf 5 Prozent.

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Arbeitsrecht: Weniger Schutz fĂŒr Gutverdiener

Das Paket greift tief ins Arbeitsrecht ein. Die telefonische Krankschreibung soll abgeschafft werden. Stattdessen droht eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag.

Bei Befristungen wird liberalisiert: Sachgrundlose Befristungen sollen kĂŒnftig fĂŒr bis zu 48 Monate möglich sein und bis zu sechsmal verlĂ€ngert werden können.

FĂŒr Arbeitnehmer mit einem Bruttojahreseinkommen ĂŒber rund 177.450 Euro lockert sich der KĂŒndigungsschutz. Sie können gegen Abfindung aus dem Job gedrĂŒckt werden – allerdings gilt das nur fĂŒr neue VertrĂ€ge ab Anfang 2027. Ein neues Modell soll schnelle Jobwechsel steuerlich belohnen: Je frĂŒher die neue Stelle beginnt, desto geringer die Steuer auf die Abfindung.

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Kritik: Mogelpackung statt Wachstumsimpuls

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat nachgerechnet: Die Reform gleicht die kalte Progression nicht vollstÀndig aus. Eine vierköpfige Familie mit zwei mittleren Einkommen von je 50.000 Euro spart zwar rund 669 Euro im Jahr. Ein Single mit 50.000 Euro kommt aber nur auf magere 178 Euro Entlastung.

WirtschaftsverbĂ€nde bezeichnen das Paket als unzureichend fĂŒr echte Wachstumsimpulse. Der Bund der Steuerzahler spricht von einer Mogelpackung: Ein Großteil der rund 10 Milliarden Euro Entlastungsvolumen sei ohnehin durch verfassungsrechtliche Vorgaben gebunden – zur Sicherung des Existenzminimums und zum Inflationsausgleich.

Steuerrechtler warnen zudem: FĂŒr Gutverdiener könnten die steigenden Sozialabgaben die steuerlichen Vorteile ĂŒberwiegen. Unterm Strich droht eine Mehrbelastung.

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