SteuerplÀne, VerbÀnde

SteuerplÀne 2027: Zehn VerbÀnde protestieren gegen 47-%-Spitzensatz

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Zehn WirtschaftsverbĂ€nde warnen vor Nachteilen fĂŒr Personenunternehmen, wĂ€hrend Forscher trotz geplanter Entlastungen eine reale Mehrbelastung sehen.

SteuerplĂ€ne der Bundesregierung stoßen auf Widerstand der Wirtschaft
Moderne Fassade eines BĂŒrogebĂ€udes aus Glas und Stahl vor einem bewölkten Himmel. Illustration mit AI erstellt.

In der deutschen Wirtschaft regt sich erheblicher Widerstand gegen die aktuellen SteuerplĂ€ne der Bundesregierung. Insgesamt zehn fĂŒhrende WirtschaftsverbĂ€nde, darunter der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK), der Handelsverband Deutschland (HDE) sowie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV), haben sich in einem gemeinsamen Brandbrief an die Koalitionsfraktionen gewandt. Sie kritisieren eine drohende steuerliche Ungleichbehandlung, bei der Personengesellschaften stĂ€rker belastet wĂŒrden, wĂ€hrend Kapitalgesellschaften potenziell entlastet werden könnten.

Geplante Einkommensteuerreform und Belastungsgrenzen

Die Kritik der VerbĂ€nde zielt insbesondere auf die Auswirkungen fĂŒr den Mittelstand ab, da rund 76 % der mittelstĂ€ndischen Unternehmen als Personenunternehmen gefĂŒhrt werden. Nach den vorliegenden PlĂ€nen der schwarz-roten Koalition könnte der Spitzensteuersatz der Einkommensteuer auf bis zu 47 % steigen.

Unter Einbeziehung des SolidaritĂ€tszuschlags wĂŒrde die Gesamtbelastung bei rund 50 % liegen. Das Bundeskabinett hatte die entsprechende Reform bereits Anfang September beschlossen. Eine Umsetzung ist fĂŒr das Jahr 2027 vorgesehen, wobei das volle Entlastungsvolumen ab 2028 rund 10 Mrd. Euro betragen soll.

Die Reform sieht zudem Anpassungen bei den FreibetrĂ€gen und Sozialleistungen vor. Der Grundfreibetrag soll im Jahr 2027 auf 12.564 Euro und im Folgejahr auf 12.900 Euro angehoben werden. Parallel dazu ist eine schrittweise Erhöhung des Kindergeldes von aktuell 259 Euro auf 267 Euro und schließlich auf 272 Euro pro Kind und Monat geplant.

FĂŒr Arbeitnehmer soll der Pauschbetrag von 1230 auf 1430 Euro steigen. Gleichzeitig werden neue Progressionsstufen eingefĂŒhrt: Der Reichensteuersatz von 45 % soll ab einem Einkommen von 250.000 Euro greifen, wĂ€hrend ein neuer Höchstsatz von 47 % ab einer Grenze von 280.000 Euro vorgesehen ist.

Ökonomische Bewertung der Entlastungswirkung

Wirtschaftsforscher bewerten die tatsĂ€chliche Wirkung der Reform skeptisch. Der Ökonom Hentze vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) wies darauf hin, dass rund 9,8 Mrd. Euro des veranschlagten Entlastungsvolumens lediglich einen Ausgleich der Inflation darstellten und somit faktisch einer Steuererhöhung gleichkĂ€men.

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Das Deutsche Institut fĂŒr Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu einer Ă€hnlichen EinschĂ€tzung. Laut DIW belaufe sich die nominale Entlastung fĂŒr den Zeitraum 2027/28 zwar auf gut 7 Mrd. Euro, dem stehe jedoch eine Belastung durch die kalte Progression in Höhe von 12,6 Mrd. Euro gegenĂŒber. Daraus resultiere eine reale Mehrbelastung von 8,3 Mrd. Euro fĂŒr die Steuerzahler.

Politischer Widerstand und Forderungen nach Nachbesserungen

Innerhalb der Unionsfraktion hat sich deutlicher Widerstand gegen die Vorhaben formiert. Berichten zufolge beabsichtigen rund 20 Abgeordnete von CDU und CSU, den SteuerplÀnen in der vorliegenden Form nicht zuzustimmen. Dies betrifft neben der Einkommensteuerreform auch geplante Abgaben auf Plastik, Zucker und KryptowÀhrungen.

Besonders die AG Landwirtschaft der Unionsfraktion lehnt die Zuckersteuer geschlossen ab und verweist auf den Koalitionsvertrag, der Steuererhöhungen ausschließe. Die Finanzkommission Gesundheit rechnet durch diese Steuer mit Einnahmen von 650 Mio. Euro im Jahr 2027 und jĂ€hrlich 450 Mio. Euro in der Folgezeit.

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CDA-Chef Radtke und der CDU-Abgeordnete Bosbach forderten Nachbesserungen, insbesondere den vollstĂ€ndigen Ausgleich der kalten Progression for das Jahr 2027. Zur Gegenfinanzierung schlug Radtke unter anderem den Verzicht auf die dritte Stufe der MĂŒtterrente sowie KĂŒrzungen bei Subventionen vor, die laut Subventionsbericht jĂ€hrlich 78 Mrd. Euro umfassen.

Der CSU-Finanzpolitiker Dorn bezeichnete die PlÀne als unzureichend, wÀhrend der Haushaltspolitiker Mattfeldt die Suche nach neuen Einnahmequellen kritisierte.

Der Entwurf fĂŒr den Bundeshaushalt 2027 sieht Gesamtausgaben in Höhe von 555,4 Mrd. Euro vor. Dies entspricht einer Steigerung um 31 Mrd. Euro gegenĂŒber dem Vorjahr. Davon entfallen allein 201,5 Mrd. Euro auf den Sozialetat.

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