Steuerreform 2027: 10 Milliarden Euro Entlastung für Arbeitnehmer
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche mahnt weitere wirtschaftspolitische Schritte an. Die bisherigen Maßnahmen der Regierung seien nur ein erster Schritt. Vor allem die Lohnnebenkosten und der Bürokratieabbau bereiten der Ministerin Sorgen.
Einkommensteuer: Das plant die Regierung ab 2027
Zum 1. Januar 2027 soll eine große Steuerreform in Kraft treten. Geplant ist eine jährliche Entlastung von rund 10 Milliarden Euro, die 2028 ihre volle Wirkung entfalten soll. Profitieren sollen vor allem niedrige und mittlere Einkommen – Gutverdiener müssen tiefer in die Tasche greifen.
Der Grundfreibetrag steigt stufenweise von 12.348 auf 12.900 Euro bis 2028. Das Kindergeld soll auf 272 Euro angehoben werden, der Arbeitnehmer-Pauschbetrag um 200 auf 1.430 Euro wachsen. Bei der sogenannten Reichensteuer wird nachgeschärft: Der Satz von 45 Prozent greift künftig schon ab 250.000 Euro zu versteuerndem Einkommen. Ab 280.000 Euro sind sogar 47 Prozent fällig. Bisher lag die Grenze bei etwa 277.825 Euro.
Ökonomen zeigen sich gespalten. Das IW Köln rechnet mit spürbaren Entlastungen für Familien. Andere Experten kritisieren die Belastung von Leistungsträgern und bemängeln, die Reformschritte seien insgesamt zu zaghaft.
Sozialbeiträge und Rente: Das ändert sich zum August
Bei den Sozialversicherungsbeiträgen gibt es ab sofort eine Neuerung: Die IKK classic hebt ihren Zusatzbeitrag von 3,40 auf 3,85 Prozent an. Rentner durften sich im Juli über eine Erhöhung um 4,24 Prozent freuen – der aktuelle Rentenwert liegt nun bei 42,52 Euro. Am 31. Juli endete zudem die Frist für die Steuererklärung 2025 von Rentenbeziehern.
In der Union brodelt es derweil: Mehrere ostdeutsche Ministerpräsidenten drohen mit Widerstand im Bundesrat gegen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren. Die Rentenkommission empfiehlt außerdem, das Renteneintrittsalter nach 2032 schrittweise anzuheben und die Beiträge zu erhöhen.
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Auch Selbstständige stehen vor Veränderungen: Die Regierung plant eine Versicherungspflicht. Neugründer sollen zunächst einen reduzierten Beitrag von rund 367 Euro zahlen, nach drei Jahren steigt er auf 735 Euro. Der Bundestag will Ende des Jahres beraten.
Mehr Geld für Forschung, Steuerfreiheit für Überstunden
Die Forschungszulage wird zum 1. Januar 2026 ausgeweitet: Die Bemessungsgrundlage steigt von 10 auf 12 Millionen Euro. Kleine und mittlere Unternehmen erhalten eine Förderquote von 35 Prozent. Eigenleistungen lassen sich künftig mit 100 Euro pro Stunde ansetzen – bisher waren es 70 Euro.
Das Arbeitsmarktstärkungsgesetz soll Überstundenzuschläge steuerfrei stellen, sofern sie über die tarifliche Vollzeit hinausgehen. Eigentlich war die Regelung für Anfang 2026 geplant, doch sie ist noch nicht in Kraft. Gewerkschaften und Forschungsinstitute kritisieren: Teilzeitbeschäftigte und vor allem Frauen würden kaum profitieren.
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Konjunktur: Wachstum bleibt schwach
Die deutsche Wirtschaft kommt nicht richtig in Fahrt. Im zweiten Quartal 2026 wuchs das Bruttoinlandsprodukt nur um 0,2 Prozent. Für das Gesamtjahr prognosticieren Ökonomen 0,5 Prozent Wachstum, für 2027 immerhin 0,9 Prozent. Der Binnenkonsum leidet unter hohen Energiepreisen, die auch durch internationale Konflikte befeuert werden.
Reiche bleibt skeptisch: Die steuerlichen Anpassungen allein werden nicht reichen, um den Standort nachhaltig wettbewerbsfähig zu machen. Weitere Schritte müssen her – und zwar bald.
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