Steuerreform, Milliarden

Steuerreform ab Januar 2027: Zehn Milliarden Euro Entlastung fĂŒr Millionen

03.07.2026 - 01:12:14 | boerse-global.de

Das Koalitionspaket bringt Steuerentlastungen fĂŒr Durchschnittsverdiener, höhere KindergeldsĂ€tze und strengere Regeln bei Krankschreibungen.

Koalitionsbeschluss: Steuerentlastung und neue Belastungen im Reformpaket
Steuerreform - Eine Hand legt eine EuromĂŒnze auf einen Stapel MĂŒnzen, mit verschwommenen Steuerdokumenten und einem Taschenrechner im Hintergrund. 03.07.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Es bringt Änderungen bei Steuern, Rente und Arbeitsmarkt – mit Entlastungen fĂŒr Millionen, aber auch neuen Belastungen.

Steuerreform entlastet vor allem Durchschnittsverdiener

KernstĂŒck der Einigung ist eine Einkommensteuerreform mit einem jĂ€hrlichen Entlastungsvolumen von rund zehn Milliarden Euro. Sie soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten und ihre volle Wirkung 2028 entfalten.

Der Grundfreibetrag steigt bis 2028 auf rund 12.900 Euro. Der Arbeitnehmerpauschbetrag erhöht sich um 200 Euro auf dann 1.430 Euro. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent bleibt zwar unverÀndert, greift aber erst ab 70.600 Euro Jahreseinkommen.

FĂŒr Spitzenverdiener wird es teurer: Die Reichensteuer wird gesplittet. Ab 250.000 Euro Einkommen sind 45 Prozent fĂ€llig, ab 280.000 Euro sogar 47 Prozent.

Mehr Geld fĂŒr Familien

Familien sollen krÀftig entlastet werden. Das Kindergeld steigt 2027 auf 267 Euro, 2028 auf 272 Euro monatlich. Der Kinderfreibetrag klettert parallel auf 10.056 Euro (2027) und 10.236 Euro (2028).

Die Koalition rechnet vor: Eine Familie mit zwei Kindern und 60.000 Euro Bruttoeinkommen spart ab 2028 ĂŒber 600 Euro pro Jahr.

Neue Regeln am Arbeitsmarkt

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Nicht alle Änderungen sind erfreulich. Der Handwerkerbonus sinkt von 20 auf 15 Prozent, die maximale Erstattung liegt bei 900 Euro. Die Pauschalsteuer fĂŒr Minijobs steigt von zwei auf fĂŒnf Prozent.

Positiv: Sonn- und FeiertagszuschlÀge bleiben bis 75 Euro Stundenlohn steuerfrei.

Ein harter Einschnitt: Die telefonische Krankschreibung wird abgeschafft. Arbeitnehmer mĂŒssen kĂŒnftig ab dem ersten Krankheitstag ein Ă€rztliches Attest vorlegen. MedizinerverbĂ€nde kritisieren das als „organisatorische Belastung“ fĂŒr die Praxen.

Bei befristeten ArbeitsvertrĂ€gen gibt es mehr Spielraum: Sachgrundlose Befristungen sind bis 2030 fĂŒr maximal 48 Monate möglich, mit bis zu sechsmaliger VerlĂ€ngerung. FĂŒr Hochverdiener ĂŒber 14.787,50 Euro Monatsgehalt werden Abfindungen erleichtert.

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Rentenreform und BĂŒrokratieabbau

In der Rentenpolitik will die Regierung bis Ende 2026 insgesamt 33 VorschlĂ€ge einer Fachkommission umsetzen. Dazu gehören die EinfĂŒhrung einer Kapitalrente und das Auslaufen der abschlagsfreien Rente mit 63 bei gleichzeitig steigendem Renteneintrittsalter.

Beim BĂŒrokratieabbau gibt es konkrete Ziele: Jede vierte Dokumentationspflicht soll gestrichen werden. Im Steuerwesen ist eine stĂ€rkere Digitalisierung geplant – die Zuteilung von Steuernummern soll kĂŒnftig innerhalb von vier Wochen erfolgen.

Im Wohnungsbau schließt die Koalition eine Vergesellschaftung privater Wohnungen per Bundesgesetz aus. Stattdessen soll eine bundeseigene Wohnungsbaugesellschaft gegrĂŒndet werden.

Gemischte Reaktionen

Die Wirtschaft reagiert verhalten. Das Institut der Deutschen Wirtschaft kritisiert, die kalte Progression werde nicht vollstĂ€ndig ausgeglichen – dafĂŒr wĂ€ren mindestens acht Milliarden Euro nötig gewesen.

ArbeitgeberverbĂ€nde bemĂ€ngeln fehlende Wachstumsimpulse und sehen den Mittelstand durch die höhere Reichensteuer belastet. Der Bund der Steuerzahler spricht angesichts der geringen Entlastung pro Steuerzahler von einer „unzureichenden Reform“.

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