Steuerreform: Ifo kritisiert 10-Milliarden-Paket als unzureichend
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Ifo-Institut hat am 13. August 2026 die Pläne der Bundesregierung zur Reform der Einkommensteuer als unzureichend kritisiert. Nach Einschätzung der Wirtschaftsforscher bleibe die geplante Entlastung hinter den Erwartungen zurück und biete kaum Impulse für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Das vorgesehene Entlastungsvolumen von insgesamt 10 Milliarden Euro verteilt sich mit 3 Milliarden Euro auf das Jahr 2027 und mit 7 Milliarden Euro auf das Jahr 2028.
Kritik an der Ausgestaltung der Steuerentlastungen
Ifo-Präsident Clemens Fuest bezeichnete die Reform als eine Maßnahme, die eher einen Ausgleich als einen echten wirtschaftlichen Aufbruch darstelle. Das Institut bemängelte insbesondere, dass die geplante Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 47 Prozent für Einkommen ab 280.000 Euro den Mittelstand treffe. Stattdessen schlugen die Forscher alternative Maßnahmen vor, um die wirtschaftliche Dynamik zu stärken.
Dazu zählen eine Reform des Ehegattensplittings, die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags sowie eine Anpassung bei der Anrechnung von Sozialleistungen. Laut den Berechnungen des Instituts hätten diese Schritte das Potenzial, das Arbeitsangebot um 200.000 bis 400.000 Stellen zu erhöhen. Zur Gegenfinanzierung empfahl das Ifo-Institut eine maßvolle Anhebung der Mehrwertsteuer.
Finanzministerium signalisiert Verhandlungsbereitschaft
Finanzminister Jörg Klingbeil (SPD) hatte bereits am Vortag seine Offenheit für höhere Steuerentlastungen angedeutet. Er knüpfte dies jedoch an Bedingungen wie Zugeständnisse der Union beim Spitzensteuersatz oder der Erbschaftsteuer. Der aktuelle Entwurf des Ministeriums sieht vor, den Fokus auf kleine und mittlere Einkommen sowie Familien zu legen.
Der Grundfreibetrag soll demnach bis 2028 stufenweise von 12.348 Euro auf 12.900 Euro steigen, während der Spitzensteuersatz ab einem Einkommen von 70.600 Euro greifen soll. Das Kabinett wird sich voraussichtlich Anfang September mit dem Gesetzentwurf befassen.
Vorwurf der kalten Progression und reale Kaufkraftverluste
Kritik an der Höhe der Entlastungen kommt auch aus der Opposition und von Interessenverbänden. Die Union und der Bund der Steuerzahler werfen der Regierung vor, die sogenannte kalte Progression nicht vollständig auszugleichen.
Für einen vollständigen Ausgleich im Jahr 2027 wären laut Berechnungen bis zu 8,8 Milliarden Euro notwendig, während die Regierung lediglich 3 Milliarden Euro veranschlagt hat. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) schätzte die Kosten für einen vollständigen Ausgleich der Jahre 2026 und 2027 sogar auf gut 15 Milliarden Euro.
Wer sich mit der aktuellen Steuerbelastung befasst, sollte auch die heimlichen Renditefresser im eigenen Depot kennen. Dieser kostenlose Report zeigt, wie Sie Ihre Kapitalerträge 2026 mit legalen Strategien besser vor dem Fiskus schützen. Mehr Nettorendite dank legaler Steuertricks für Ihr Depot
Beispielrechnungen verdeutlichen die begrenzte Wirkung der Reform für die Bürger. Ein Single mit einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro würde im Jahr 2027 monatlich lediglich 8,17 Euro mehr Netto erhalten, gefolgt von weiteren 5,30 Euro im Jahr 2028. Diese Zuwächse werden jedoch durch andere Faktoren überlagert: Der Rentenbeitrag soll 2028 von 18,6 Prozent auf 19,8 Prozent steigen, was bei diesem Einkommensbeispiel zu einem zusätzlichen Abzug von 18 Euro führt.
Unter Einbeziehung einer erwarteten Inflation von 2,8 Prozent im Jahr 2027 ergibt sich für den Beispielfall ein realer monatlicher Kaufkraftverlust von 60,53 Euro.
Während die allgemeine Steuerpolitik oft wenig Spielraum lässt, können Anleger bei ihren Investitionen selbst aktiv werden. Steuerexperte Cornelius Tschirdewahn erklärt in seinem Sonderreport, wie der Fiskus still am Depot mitverdient – und wie Sie das verhindern. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber herunterladen
Politische Reaktionen auf die Reformpläne
In der politischen Debatte wird die Reform von verschiedenen Seiten scharf abgelehnt. Die CDU-Haushaltspolitikerin Melanie Bernstein kritisierte, dass die Pläne nicht einmal die Inflation ausglichen.
Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, bezeichnete das Vorhaben als Wortbruch und sprach von einer Giftliste, da many Arbeitnehmer trotz der Reform effektiv höhere Steuern zahlen müssten. Auch aus den Reihen der Koalition gab es mahnende Worte: Die Grünen-Finanzexpertin Katharina Beck betonte, man dürfe das Vorhaben nicht fälschlicherweise als große Entlastung verkaufen.
Der CDU-Haushälter Yannick Bury kündigte an, im Bundestag für einen vollständigen Abbau der kalten Progression zu kämpfen und forderte eine grundlegende Neuplanung des Haushalts sowie Ausgabenkürzungen. Ein Sprecher des Finanzministeriums verwies als Reaktion auf die Kritik auf den für Herbst 2026 erwarteten 7. Steuerprogressionsbericht, der weitere Datengrundlagen für die steuerliche Entwicklung liefern wird.
