Steuerreform, Klingbeil

Steuerreform: Klingbeil plant 28-Milliarden-Entlastung ab Januar 2027

Veröffentlicht: 01.07.2026 um 18:03 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Koalition berät über Steuerentlastungen für mittlere Einkommen, die durch höhere Spitzensteuersätze und Erbschaftsteuer gegenfinanziert werden sollen.

Koalitionsausschuss: Steuerreform mit Entlastungen und höheren Sätzen
Eine Hand hält einen Stift über einem Finanzdokument mit Zahlen und Diagrammen, im Hintergrund ein Taschenrechner und Münzen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Koalitionsausschuss berät am heutigen Mittwoch über ein umfangreiches Reformpaket in den Bereichen Steuern, Rente und Gesundheit. Finanzminister Klingbeil drängt auf Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen ab Januar 2027. Doch die Gegenfinanzierung sorgt für massiven Widerstand.

Zwei Modelle, ein Streitpunkt

Klingbeil legte gestern zwei Varianten für eine Einkommensteuerreform vor. Das erste Modell sieht Entlastungen von 28 Milliarden Euro vor, finanziert unter anderem durch eine höhere Erbschaftsteuer. Das zweite Modell kommt auf 17 Milliarden Euro – ohne die Erbschaftsteuer einzubeziehen. Beide Entwürfe sollen Einkommen zwischen 40.000 und 60.000 Euro jährlich um bis zu 900 Euro entlasten.

Geplant ist zudem eine Anhebung des Grundfreibetrags auf 13.084 Euro. Gleichzeitig soll der Spitzensteuersatz steigen: Diskutiert werden 44 Prozent ab rund 76.000 Euro zu versteuerndem Einkommen sowie ein Reichensteuersatz von bis zu 49 Prozent ab 200.000 Euro.

Die Union lehnt diese Steuererhöhungen und die Änderungen bei der Erbschaftsteuer konsequent ab. Unions-Fraktionsgeschäftsführer Steffen Bilger warnte heute, dass höhere Sätze vor allem Facharbeiter, Ingenieure und Handwerker treffen würden.

Wirtschaft schlägt Alarm

Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler, kritisierte die Pläne heute scharf. Er bezeichnete sie als das Gegenteil dessen, was die Wirtschaft derzeit brauche. Stattdessen forderte er einen Abbau der kalten Progression. Holznagel wies darauf hin, dass die Einkommensbelastungsquote bereits gestiegen sei – ein Single-Angestellter gebe teils mehr als die Hälfte seines Einkommens an den Staat ab.

Angesichts erwarteter Steuereinnahmen von fast einer Billion Euro im Jahr 2026 forderte er: „Lieber die Reform stoppen als eine mangelhafte Umsetzung riskieren."

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Auch der Verband Die Familienunternehmer äußerte deutliche Bedenken. Verbandschefin Marie-Christine Ostermann betonte, dass eine Anhebung des Spitzensteuersatzes viele Familienunternehmen direkt belasten würde. Ähnliche Warnungen kamen vom BDI und DIHK.

Die Rechnung geht nicht auf

Wissenschaftliche Unterstützung für die Skepsis liefert eine Studie des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) vom gestrigen Dienstag. Ökonomin Silke Rietzler gab zu bedenken: Eine spürbare Entlastung breiter Schichten würde die Staatseinnahmen um zweistellige Milliardenbeträge senken.

Allein die Entfernung des sogenannten Mittelstandsbauchs im Steuertarif würde jährlich rund 33 Milliarden Euro kosten. Das lasse sich selbst durch einen höheren Spitzensteuersatz kaum kompensieren.

Grüne fordern anderen Ansatz

Innerhalb der Koalition formiert sich Widerstand von den Grünen. Finanzexpertin Katharina Beck kritisierte heute, dass ein erheblicher Teil der Beschäftigten gar keine Einkommensteuer zahle und von der Reform nicht profitiere. Die Grünen fordern stattdessen eine Senkung der Krankenkassenbeiträge um zwei Prozentpunkte – für eine breitere Entlastungswirkung.

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Kanzler Merz zeigte sich dennoch zuversichtlich, dass eine Einigung auf das Gesamtpaket möglich sei. Neben der Steuerreform stehen verhandlungen über die wöchentliche Höchstarbeitszeit, die Umsetzung der Rentenkommissions-Vorschläge und Maßnahmen zur Schließung von Finanzlücken in der Pflege- und Krankenversicherung auf der Agenda.

Der Spielraum bleibt jedoch gering: Für 2028 ist ein Haushaltsloch von 30 Milliarden Euro prognostiziert.

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