SuchtprÀvention: Jeder vierte Arbeitnehmer erlebt AlkoholfÀlle im Betrieb
Veröffentlicht: 30.06.2026 um 05:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zeigt: Jeder vierte ErwerbstÀtige hat in den vergangenen zwei Jahren FÀlle von problematischem Suchtmittelkonsum im eigenen Betrieb erlebt. Die reprÀsentative forsa-Befragung unter 2.016 BeschÀftigten wurde Mitte Juni erhoben.
Alkohol dominiert, PrÀvention hinkt hinterher
Mit 21 Prozent ist Alkohol das mit Abstand hĂ€ufigste problematische Suchtmittel am Arbeitsplatz. Cannabis und Nikotin folgen mit jeweils fĂŒnf Prozent, illegale Drogen und Medikamentenmissbrauch mit je vier Prozent.
Die Unterschiede zwischen den Branchen sind enorm. Spitzenreiter sind Verkehr und Logistik mit 35 Prozent, gefolgt vom Sozialwesen (32 Prozent). In der öffentlichen Verwaltung berichten 31 Prozent der BeschÀftigten von SuchtfÀllen, im verarbeitenden Gewerbe sind es 30 Prozent.
Die PrĂ€vention hat jedoch Nachholbedarf. Zwar gibt es in 48 Prozent der Betriebe entsprechende Vereinbarungen â doch fast die HĂ€lfte der BeschĂ€ftigten kennt die Regelungen nicht. Immerhin wissen 63 Prozent, an wen sie sich im Bedarfsfall wenden können.
Noch gröĂer sind die Defizite in der GesprĂ€chskultur. Nur 28 Prozent der ErwerbstĂ€tigen erleben eine offene Kommunikation zum Thema Sucht. Fast jeder Zweite beschreibt die Stimmung als zurĂŒckhaltend, elf Prozent stufen das Thema sogar als Tabu ein. Immerhin: 57 Prozent wĂŒrden betroffene Kollegen direkt ansprechen.
Strengere Regeln fĂŒr Arbeitsuchende ab Juli
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Parallel dazu verschĂ€rft die Bundesagentur fĂŒr Arbeit die Gangart. Ab dem 1. Juli 2026 drohen EmpfĂ€ngern der Grundsicherung LeistungskĂŒrzungen, wenn sie alkoholisiert oder in ungepflegtem Zustand zu einem VorstellungsgesprĂ€ch erscheinen.
Die neue Weisung stĂŒtzt sich auf die BĂŒrgergeld-Reform und Paragraf 31 des Zweiten Sozialgesetzbuches. Verhindert das Verhalten eine potenzielle Einstellung, gilt das kĂŒnftig als Pflichtverletzung.
Langzeitstudie belegt Risiken von Cannabis
Die Relevanz frĂŒhzeitiger PrĂ€vention untermauern aktuelle wissenschaftliche Daten. Eine groĂangelegte Studie mit ĂŒber 460.000 Jugendlichen, begleitet bis ins Erwachsenenalter, zeigt: Cannabiskonsum in jungen Jahren verdoppelt das Risiko fĂŒr Psychosen oder bipolare Störungen. Auch schwere Depressionen und AngstzustĂ€nde treten deutlich hĂ€ufiger auf.
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Die Belastung betrifft nicht nur die Konsumenten selbst. Angehörige von AbhÀngigen haben ein mehr als doppelt so hohes Risiko, eine Depression zu entwickeln.
Arbeitsschutzpreis sucht innovative Projekte
Um neue AnsĂ€tze in der betrieblichen Gesundheit zu fördern, lĂ€uft die Bewerbungsphase fĂŒr den Deutschen Arbeitsschutzpreis 2027. Unternehmen können noch bis zum 15. Juli 2026 Projekte einreichen â etwa zur psychischen Gesundheit oder Sicherheit am Arbeitsplatz. Der Preis ist in vier Kategorien mit jeweils 10.000 Euro dotiert.
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