SĂŒdwesttextil warnt: 400.000 tĂ€gliche Pakete aus Drittstaaten unkontrolliert
Veröffentlicht am: 21.08.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Wirtschafts- und Arbeitgeberverband SĂŒdwesttextil hat deutliche Kritik an der geplanten Neufassung des Produktsicherheitsgesetzes geĂ€uĂert. Der Verband, der die Interessen der Textil- und Bekleidungsindustrie im SĂŒdwesten vertritt, sieht in den aktuellen EntwĂŒrfen eine erhebliche Belastung fĂŒr die Branche.
Im Zentrum der Kritik stehen eine mangelnde Differenzierung zwischen verschiedenen Risikoklassen, eine ausufernde BĂŒrokratie sowie die BefĂŒrchtung nationaler Sonderwege bei ProduktrĂŒckrufen, die den europĂ€ischen Binnenmarkt fragmentieren könnten.
Fehlende Risikodifferenzierung und nationale Sonderwege
Ein wesentlicher Kritikpunkt des Verbandes betrifft die Ausgestaltung der Sicherheitsanforderungen. SĂŒdwesttextil bemĂ€ngelt, dass der Gesetzgeber im aktuellen Entwurf darauf verzichtet habe, ausreichend zwischen verschiedenen Risikoklassen zu unterscheiden. Dies fĂŒhre dazu, dass fĂŒr Produkte mit geringem GefĂ€hrdungspotenzial potenziell die gleichen strengen Dokumentations- und PrĂŒfpflichten gelten könnten wie fĂŒr Hochrisikoprodukte. Eine solche Pauschalisierung belaste insbesondere mittelstĂ€ndische Unternehmen der Textilwirtschaft unverhĂ€ltnismĂ€Ăig stark.
Zudem warnt der Verband vor der EinfĂŒhrung nationaler Sonderwege, insbesondere im Falle von RĂŒckrufaktionen. Sollte Deutschland hier Vorgaben etablieren, die ĂŒber die harmonisierten EU-Vorgaben hinausgehen oder von diesen abweichen, entstĂŒnde ein Flickenteppich an Regelungen. Dies erschwere nicht nur den grenzĂŒberschreitenden Handel innerhalb der EuropĂ€ischen Union, sondern erhöhe auch die Rechtsunsicherheit fĂŒr die Hersteller, die ihre Waren fĂŒr den gesamten europĂ€ischen Markt produzieren.
Forderungen nach VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeit und EU-Harmonisierung
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Die GeschĂ€ftsfĂŒhrung des Verbandes positioniert sich klar gegen eine Ăberregulierung. Edina Brenner, CEO von SĂŒdwesttextil, betonte in diesem Zusammenhang, dass die Anforderungen an die Produktsicherheit zwingend dem tatsĂ€chlichen Risiko entsprechen mĂŒssten. Eine bloĂe AnhĂ€ufung bĂŒrokratischer Pflichten fĂŒhre nicht automatisch zu mehr Sicherheit fĂŒr die Verbraucher, sondern schwĂ€che primĂ€r die WettbewerbsfĂ€higkeit der heimischen Betriebe.
Der Verband fordert daher eine konsequente Anpassung der nationalen Gesetzgebung an die bestehenden EU-Vorgaben. Ziel mĂŒsse es sein, ein hohes Schutzniveau zu gewĂ€hrleisten, ohne dabei unnötige administrative HĂŒrden aufzubauen. Nur durch eine enge Anlehnung an europĂ€ische Standards könne sichergestellt werden, dass deutsche Textilunternehmen im internationalen Wettbewerb nicht durch zusĂ€tzliche bĂŒrokratische Lasten benachteiligt werden.
Wettbewerbsverzerrung durch Importe aus Drittstaaten
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Ein weiteres kritisches Feld sieht SĂŒdwesttextil im unzureichenden Vollzug der bestehenden und kĂŒnftigen Regeln gegenĂŒber Wettbewerbern auĂerhalb der EuropĂ€ischen Union. Der Verband verweist auf die enorme Menge von tĂ€glich etwa 400.000 Paketen, die aus Drittstaaten direkt an Endverbraucher versandt werden.
Bei diesen Kleinsendungen, die oft ĂŒber Online-Plattformen aus Nicht-EU-LĂ€ndern bezogen werden, seien die notwendigen Sicherheitskontrollen faktisch kaum flĂ€chendeckend durchsetzbar.
WĂ€hrend die heimische Industrie strengen Kontrollen und nun noch umfangreicheren Dokumentationspflichten unterworfen werde, gelangten viele Produkte aus Drittstaaten nahezu ungeprĂŒft auf den deutschen Markt. SĂŒdwesttextil fordert deshalb, dass neue gesetzliche Anforderungen mit konsequenten Kontrollen an den AuĂengrenzen und gegenĂŒber Importeuren aus Drittstaaten einhergehen mĂŒssen.
Ohne einen effektiven Vollzug drohe das Produktsicherheitsgesetz zu einer einseitigen Belastung fĂŒr europĂ€ische Hersteller zu werden, wĂ€hrend unsichere Waren aus Drittstaaten weiterhin ungehindert den Markt erreichen könnten.
