Tabaksteuer, Euro

Tabaksteuer: Änderungsantrag sieht bis 2030 11,92 Euro pro Packung vor

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 19:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Verbände verlangen höhere Tabakabgaben für Gesundheit und Pflege; Politiker bezweifeln die prognostizierten Zusatzeinnahmen.

Tabaksteuer: Koalition plant höhere Abgaben und GKV-Finanzierung
Ein heller, minimalistischer Sitzungssaal im Deutschen Bundestag mit moderner Architektur und klaren Linien. Illustration mit AI erstellt.

Im Finanzausschuss des Deutschen Bundestages wird über den Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Tabaksteuergesetzes debattiert. Im Mittelpunkt der parlamentarischen Anhörung stehen Pläne für deutliche Steueranhebungen auf Tabak- und Nikotinprodukte sowie der Vorschlag, die daraus resultierenden Einnahmen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu nutzen.

Die Koalition aus Union und SPD beabsichtigt, eine Erhöhung noch im Jahr 2026 umzusetzen, um Steuerausfälle auszugleichen. Zuvor hatte der Bundestag am 24. September 2026 den Regierungsentwurf aus dem Juli 2026 in erster Lesung behandelt, der stufenweise Erhöhungen für die Jahre 2027 bis 2030 vorsieht.

Kassen und Verbände fordern Zweckbindung für Gesundheitssystem

Als Einzelsachverständige trat Dr. Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, vor den Ausschuss. Der AOK-Bundesverband fordert eine spürbare Anhebung der Tabaksteuer und eine zweckgebundene Weiterleitung der Mehreinnahmen an die GKV sowie die Pflegeversicherung, um drohende Beitragssteigerungen abzufedern.

Höhere Abgaben auf Zigaretten, E-Zigaretten und Tabakerhitzer seien das wirksamste Instrument, um den Konsum insbesondere bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu senken. Laut Verband zeigen internationale Vergleiche, dass ein Preisanstieg um 10 Prozent den Konsum insgesamt um circa 5 Prozent und bei Jugendlichen um rund 15 Prozent reduziere.

Im Public Health Index von AOK und Deutschem Krebsforschungszentrum (DKFZ) rangiert Deutschland im Handlungsfeld Tabak auf Platz 17 von 18. Nach DKFZ-Schätzungen sterben jährlich rund 131.000 Menschen durch das Rauchen, was etwa 350 Todesfällen pro Tag entspricht.

Den Tabaksteuereinnahmen von zuletzt circa 16 Milliarden Euro stellte der Verband volkswirtschaftliche Gesamtkosten von etwa 97 Milliarden Euro gegenüber, darunter circa 30 Milliarden Euro direkte Gesundheitsausgaben und rund 67 Milliarden Euro indirekte Kosten.

Auch der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck, begrüßte am 5. Oktober 2026 höhere Steuern als wirksame Maßnahme des Gesundheitsschutzes.

Die Finanzkommission Gesundheit (FKG) fordert einen Preissprung im ersten Jahr, eine stärkere Besteuerung von E-Zigaretten und Liquids sowie die Bereitstellung der Mittel für die Krankenkassen. Am 5. Oktober 2026 legte zudem die Reformkommission für die Finanzierung der gesetzlichen Krankenkassen weitere Vorschläge vor.

Nicola Buhlinger-Göpfarth, Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, mahnte am 5. Oktober 2026 an, die Gelder nicht zweckzuentfremden; die Mittel sollten gezielt in die Versorgung und in Präventionsangebote für Risikogruppen fließen. Experten verlangen flankierend dazu den Ausbau von Entwöhnungskursen, Beratung, Ausstiegshilfen und umfassende Werbeverbote.

Koalition plant Verschärfung des Regierungsentwurfs

CDU/CSU und SPD planen, die Vorgaben im parlamentarischen Verfahren über einen Änderungsantrag im Finanzausschuss nachzuschärfen. Der ursprüngliche Regierungsentwurf sah für 2027 ein Plus von 12 Prozent bei Fabrikzigaretten und 9 Prozent in den Folgejahren vor; für Drehtabak waren 18 Prozent für 2027 und folgend 13 Prozent vorgesehen.

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Eine 20er-Packung Zigaretten sollte demnach von rund 8 Euro schrittweise auf 8,77 Euro (2027), 9,56 Euro (2028), 10,42 Euro (2029) und 11,36 Euro im Jahr 2030 steigen. Durch den Änderungsantrag würden sich die Modellpreise des Bundesfinanzministeriums auf 9,20 Euro im Jahr 2027, 10,03 Euro 2028, 10,93 Euro 2029 und 11,92 Euro im Jahr 2030 erhöhen.

Der feste Steueranteil je Zigarette, der 2027 regulär 13,44 Cent zuzüglich 20 Prozent des Kleinverkaufspreises betragen sollte, würde per Antrag auf 14,34 Cent plus 21,05 Prozent steigen und bis 2030 einen Wert von 18,57 Cent erreichen.

Für Feinschnitt sind 74,29 Euro je Kilogramm plus 17,64 Prozent im Jahr 2027 und bis zu 112,98 Euro je Kilogramm bis 2030 vorgesehen. Liquids sollen 2027 mit 0,35 Euro je Milliliter und ab 2028 mit 0,36 Euro je Milliliter belegt werden.

Finanzielle Prognosen und Kritik an den Einnahmeerwartungen

Das Bundesfinanzministerium prognostiziert für den Bund Zusatzeinnahmen von 1,523 Milliarden Euro im Jahr 2027, die bis 2030 auf 4,435 Milliarden Euro anwachsen sollen.

Über vier Jahre gerechnet kalkuliert das Ministerium mit Mehreinnahmen von rund 11,6 Milliarden Euro und Gesamteinnahmen aus der Tabaksteuer von etwa 21,3 Milliarden Euro im Jahr 2030. Zugleich geht das Ministerium von einem Mengenrückgang bei versteuerten Zigaretten um circa 25 Prozent aus.

Gemessen an den vom Statistischen Bundesamt für 2025 ausgewiesenen 66,4 Milliarden versteuerten Zigaretten entspricht das einem Rückgang um 16,6 Milliarden Stück auf unter 50 Milliarden.

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Die Mehreinnahmen aus der geplanten Tabaksteuererhöhung sollen laut Koalitionsplänen zur Stabilisierung der GKV beitragen — doch die Zweckbindung ist umstritten, und Finanz- wie Gesundheitspolitiker bezweifeln die erwarteten Einnahmen. Wer die Belastung seines Mandanten oder Unternehmens sauber planen will, braucht belastbare Annahmen statt politischer Prognosen. Unser Report liefert die geplanten Steuersätze und eine Checkliste zur Liquiditätsplanung. Checkliste zur Liquiditätsplanung sichern

Finanz- und Gesundheitspolitiker von Union, SPD und Grünen äußerten jedoch Zweifel an den prognostizierten Einnahmen und verwiesen auf mögliche Ausweicheffekte. Aus der Union hieß es, die Berechnungen seien unrealistisch.

Bereits die von Olaf Scholz verantwortete Steuererhöhung aus dem Jahr 2021 habe das Ziel von über 1 Milliarde Euro an Mehreinnahmen im Jahr 2022 verfehlt. Neben einem Konsumrückgang sei ein Ausweichen auf den Schwarzmarkt zu befürchten.

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